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Unkräuter und Schadgäser

Herbizidresistenzen: Bayer Crop Science nimmt Wirklücken in Angriff

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am Donnerstag, 27.08.2020 - 14:02 (Jetzt kommentieren)

Die Herbizidforschung des Konzerns will Resistenzen begegnen. Zwei Packs gegen Windhalm und Ackerfuchsschwanz sind im Herbst im Angebot. Für Glyphosat ist ein Nachfolger oder Partner in der Pipeline.

Bayer CropScience Deutschland informierte beim heutigen Pressegespräch über die aktuellen Entwicklungen des Unternehmens. Dabei stand das Thema Herbizidresistenzen im Mittelpunkt. Experten erläuterten Möglichkeiten, mit denen sich dieser Bedrohung begegnet lässt.

Zwei Packs bei Getreideherbiziden standen dabei im Fokus: Agolin Forte und Cadou Pro Pack. Beide Produkte sollen mit ihren je drei Wirkstoffen gegen Ackerfuchsschwanz und Windhalm dabei helfen, Wirklücken zu vermeiden.

Wirklücken bestehen global bei mehr als 260 Unkräutern und Ungräsern

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Die globale Resistenzsituation zeigt: 262 Unkräuter oder Ungräser sind von einer Herbizidresistenz mehr oder weniger stark betroffen. Das Problem wachse von Jahr zu Jahr und werde damit zur „echten Bedrohung“ für die Erzeugung.

Verantwortlich seien in der Hauptsache zwei Resistenzmechanismen:

  • wirkstoffspezifische Resistenz (= target site resistance): Dabei ist die Fähigkeit des Wirkstoffs, sich an den Wirkort in der Pflanze zu binden, vermindert oder sogar verloren.
  • metabolische Resistenz (= metabolic resistance): Resistente Pflanzen bauen den Wirkstoff durch stärkere Metabolisierung schneller ab als sensitive.

Dr. Marco Busch, Leiter der Unkrautforschung Weed Control Research im Industriepark Hoechst, und Dr. Anita Küpper, Laborleiteirn in Frankfurt,  forschen seit Jahren zum Thema. Sie ergänzen die globale Herbizidforschung um wichtige Funktionen etwa aus Computerwissenschaften oder Umweltsicherheit.

Drei Antworten auf Resistenzprobleme und Wirklücken geben

Der Prozess, neue Wirkmechanismen und Wirkstoffe zu finden, dauert lange. „Wir wollen Resistenzen noch besser verstehen,“ sagt Busch Die strenge Selektion von „Kandidaten“ beginne bereits in einer sehr frühen Phase. Dabei stehe neben der Wirkung vor allem die Sicherheit im Vordergrund.

Technologien wie das phenotyping sollen helfen, schneller zu Ergebnissen zu kommen. Beim target-based-screening legt der Konzern den Fokus auf neue Wirkmechanismen. Alle Aufgabenfelder greifen ineinander. Die Antwort auf die Resistenzprobleme ruht auf drei Säulen des Unkrautmanagements:

  1. Reaktiv: Das helfe den Ackerbauern, mit bereits existierenden Resistenzen umzugehen. Die Basis dafür bilden unter anderem präzise Daten zur Diagnostik.
  2. Produktentwicklung: Das ist die Suche nach neuen, resistenzbrechenden Wirkstoffen, die gleichzeitig widerstandsfähiger gegen metabolische Resistenzen sind. 
  3. Proaktiv: Das beinhalte den integrierten Ansatz, der alle Werkzeuge berücksichtige, etwa chemische, biologische, mechanische, Bewirtschaftung oder Fruchtfolge.

Sechs unentbehrliche Tipps für das Resistenzmanagement

Um Wirklücken vorzubeugen, ist folgendes Vorgehen unabdingbar:

  1. Flächen kontrollieren: Eine Bonitur der gesamten Fläche ist zu empfehlen, um die richtigen Gegenwehr zu bestimmen.
  2. Saatzeitpunkt überdenken: Je später die Aussaat im Herbst erfolgt, desto geringer ist das drohende Ackerfuchsschwanzpotenzial.
  3. Fruchtfolge erweitern: Weitgestellte Fruchtfolge, inkl. Sommerung und einer Blattfrucht reduzieren die Gefahr einer Resistenzausbildung.
  4. Sortenwahl in den Mittelpunkt stellen: Sorten mit einer höheren Beschattung verschlechtern zusätzlich die Lebensbedingungen des Ackerfuchsschwanzes.
  5. Mechanisch vorgehen: Einsatz von Grubber oder Pflug.
  6. Chemisch bekämpfen: Wirkstoffwechsel bzw. Wechsel der Wirkstoffklassen, Einsatz der aktivsten Substanzen, die verfügbar sind.

In der aktuellen Situation sieht Bayer im Wirkstoffwechsel mit verstärktem Einsatz von Bodenherbiziden, in Kombination mit Roundup auf die Stoppel, vor der Saat oder im Vorauflauf ein geeignete Instrumente. Zwingend nötig sei dieser Ansatz auch bei Ackerfuchsschwanz.

Versuche hätten gezeigt, dass eine 0,5-prozentige Mehrwirkung des Wirkstoffs Flufenacet den Besatz an Ackerfuchsschwanz-Ähren um 63 Prozent senken könne.

Zwei Lösungen für den Herbsteinsatz im Getreide

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Für diesen Herbst sind zwei neue Getreideherbizide von Bayer verfügbar, sagt Marketingleiter Nils Bauer von Bayer CropScience Deutschland. Sie wirken gegen

  • Windhalm: Agolin Forte mit den Wirkstoffen Pendimethalin, Diflufenican und 120 g/ha Flufencacet; Aufwand von 0,24 l/ha Cadou SC plus 1,5 l/ha Agolin.
  • Ackerfuchsschwanz: Cadou Pro Pack, mit Pendimethalin, Diflufenican und 250 g/ha Flufencacet; Aufwand von 0,5 l/ha Cadou SC plus 1,5 l/ha Agolin.

Die Flufenacet-Mengen werden also angepasst. Die Kombi sollen möglichen Resistenzen vorbeugen, weil sie drei Wirkstoffe enthalten:

  1. Flufenacet aus der HRAC-Gruppe K3: Der Zellwachstumshemmer wird hauptsächlich über die Wurzeln und den Keimspross aufgenommen. Voraussetzung ist ausreichende Bodenfeuchte.
  2. Pendimethalin aus der HRAC-Gruppe K1: Der Wirkstoff hemmt ebenfalls das Zellwachstum und stammt aus der Gruppe der Dinitroaniline. Auch er wirkt auch überwiegend über den Boden.
  3. Diflufenican aus der HRAC-Gruppe F1: Der sogenannter Bleacher oder PDS-Hemmer zählt zu den Phenoxynicotinanilide und wirkt auch hauptsächlich über den Boden.

Das sind die Vorteile von Kombinationen verschiedener Wirkstoffe

Einsetzbar sind die beiden Produkte in Winterweizen, Wintergerste, Winterroggen und Wintertriticale. Sie wirken laut Bayer gegen Ackerfuchsschwanz, Winterhalm, Weidelgras und viele Unkräuter, etwa Stiefmütterchen, Ausfallraps, Ehrenpreis, Kamille, Klettenlabkraut, Klatschmohn oder Ochsenzunge.

Nach Angaben von Bayer CropScience ist mit den Packs

  • keine Sorteneinschränkung vorhanden,
  • nur der landesspezifische Mindestabstand zu Saumbiotopen einzuhalten, sofern 90 % abdriftmindernde Technik eingesetzt wird,
  • der Geruch nicht so intensiv wie bei anderen Produkten mit Pendimethalin,
  • eine gegenseitige Wirkstoffunterstützung für ein Resistenzmanagement möglich,
  • eine ALS-freie am Markt.

Bayer forscht am Nachfolger oder vielmehr Partner für Glyphosat

2019 hat Bayer den ersten „Repräsentanten“ einer neuen herbiziden Stoffklasse mit neuem Wirkmechanismus für die breite Kontrolle im Nachauflauf in wichtig Flächenkulturen in die Entwicklung gegeben. Die neue Wirkstoffklasse wirke besonders auch gegen Glyphosat-resistente Arten, so Marco Busch.

Er sieht die Neuentwicklung denn auch eher als „Partner“ denn als Ersatz für Glyphosat. Für das Totalherbizid seien die Unterlagen für die Wiederzulassung in Europa komplett eingereicht. Busch: „Nach mehr als 30 Jahren haben wir eine weitere Lösung mit neuem Wirkmechanismus in Sicht.“

Wirkstarke Herbizide seien auch weiter bedeutsam, so Busch. „Ohne sie würden Erträge um rund ein Drittel geringer ausfallen und Direktsaat oder reduzierte Bodenbearbeitung wären nicht denkbar." Diese Bestellverfahren seien wegen geringerer Treibhausgasemissionen und der geförderten Bodenfruchtbarkeit besonders nachhaltig.

Mit Material von Bayer, Pflanzenschutzdienst
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