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Hirse gefragt: Darum lohnt das Spelzgetreide für glutenfreie Ernährung

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am Sonntag, 13.02.2022 - 06:30 (Jetzt kommentieren)

Lange Jahrhunderte war Hirse hierzulande das bevorzugte Nahrungsmittel. In trockenen Regionen kommt Sorghum wieder stärker in den Anbau. Das zeigt das Beispiel von Hannes Rügheimer.

Hirse oder Sorghum ist der Sammelbegriff für ein kleinsamiges Spelzgetreide mit über zehn Gattungen“, sagt Hannes Rügheimer. „Das wurde schon vor über 4.000 Jahren in Afrika angebaut und etwa für Fladenbrot verwendet“, so der Junglandwirt. "Jetzt steht es bei uns wieder im Feld."

Hirse aus heimischer Erzeugung wird recht stark nachgefragt, vor allem in Ökoqualität, und bietet eine interessante Nische.

Darum setzt der Junglandwirt auf Körnerhirse

Den 21-Jährigen elektrisierte Körnerhirse von Anfang an. Als er sie vor vier Jahren zum ersten Mal im Feld sah, wusste er sofort: „Diese Pflanze eignet sich für meinen Betrieb.“ Heute baut er sie auf 15 ha als Futter für seine 9.000 Legehennen an.

Die Körner von Echten Hirsen sind viel kleiner als Sorgumkörner und die Erträge fallen entsprechend geringer aus. „Hirse ist nach wie vor für die menschliche Ernährung geeignet, muss aber vielerorts erst wiederentdeckt werden“, sagt Hannes. Sie lässt sich schälen oder als Vollkorn nutzen. Sie ist zudem glutenfrei und eignet sich auch für Allergiker.

Darum ist das Spelzgetreide für Allergiker vorteilhaft

Hirse enthält kein Klebereiweiß, Gluten, das für viele Menschen unverträglich ist. Deshalb ist sie bei Lebensmittelunverträglichkeiten geeignet. Auch bei Magen-Darm-Problemen und Gallensteinen sei sie empfehlenswert, weil leicht verdaulich und gut bekömmlich.

Das glutenfreie Getreide lässt sich auch mit Hülle kochen und bewahrt so einen Großteil seiner Nährstoffe. Dazu zählen Ballaststoffe, Magnesium, Eisen, Kalzium und Kalium sowie die Vitamine Nicotinsäure, Riboflavin und Thiamin. Hirse lässt sich weiter zu Brei, Grütze oder Fladen verarbeiten, aber auch mahlen und mit anderem Mehl mischen und backen.

Diese Standorte kommen für den Anbau in Frage

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Hirse steht oft auch auf schlechteren Standorten mit Dürreproblemen oder wenig verfügbarem Wasser. Die gesamte Anbaufläche liegt bei uns bisher bei rund 2.000 ha. Davon sind geschätzt rund 1.000 ha Rispen- oder Speisehirse, vor allem in Bioqualität.

Das kleinsamige, robuste Spelzgetreide ist sehr dürreresistent. Viele internationale Züchter bieten Saatgut von Sorghum, produzieren oft in Frankreich, Ungarn und Italien.Der Anbau eignet sich für Standorte, an denen Körnermais mit Reifezahl 260 steht. Als Standorte sind Südhänge und sandige Böden zu empfehlen. Schattige und staunasse Standorte scheiden aus.

Das sind die Probleme beim heimischen Hirse-Anbau

Wichtige Nachteile von Körnerhirse bei Anbau und Vermarktung sind

  • die geringe Konkurrenzkraft gegen Unkraut vor allem im Jugendstadium,
  • die recht heutliche Frostempfindlichkeit und
  • die meist ungleichmäßige Abreife.

Ein weiteres Problem ist meist auch noch die Aufbereitung. Hirse ist nach der Ernte nämlich zu schälen. Viele Betriebe haben dafür keine Technik. Mühlen, die Hirse aufbereiten, sind noch relativ rar. Die entspelzten Hirsekörner haben eine goldgelbe Farbe. Darum sind sie oft als "Goldhirse" im Handel. Die meiste Ware stammt hierzulande aus Importen, vor allem aus China.

Mit Material von Frank Friedrich, Hannes Rügheimer, AGES, oekolandbau.de
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