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Humus

Humusaufbau an der Küste: "Nach Regen sieht es aus wie Wattenmeer"

Markus Mushardt aus Otterndorf
am Montag, 30.03.2020 - 08:22 (Jetzt kommentieren)

Ohne ihn wären unsere Böden so unfruchtbar wie eine Wüste. Humus ist das Ergebnis eines Gleichgewichts zwischen Auf- und Abbauprozessen. Wenn chemischer Pflanzenschutz und Dünger immer weiter reduziert werden müssen, wird Humus zum kostbaren Kapital. Wir stellen Ihnen Praktiker vor, die sich aus unterschiedlichen Gründen intensiv mit dem Humusaufbau beschäftigen. Heute: Markus Mushardt aus dem niedersächsischen Otterndorf bei Cuxhaven. Mehr zum Humusaufbau lesen Sie im Titelthema der agrarheute-Printausgabe 4/2020.

Markus Mushardt bewirtschaftet mit seinen Eltern 310 ha mit Ackerbau, Mutterkühen und Landtourismus an der Elbe-Mündung. Die Küste ist gerade einmal 2 km entfernt – eine besondere Herausforderung: „Nach Regen sehen die Marschböden aus wie Wattenmeer.“ Unter allen Flächen liegen Drainagen.

In diese schluffhaltigen Böden ein tragfähiges Gefüge und eine zuverlässige Wasserführung zu bringen, gelinge nur über einen gezielten Humusaufbau, davon ist Mushardt überzeugt. „Wir haben heute 2 bis 3 Prozent Humusgehalt, unter Grünland bis 8 Prozent.“

Organische Substanz stabilisiert den Boden

Ein Hauptproblem ist, dass auf vielen Flächen über Jahrzehnte so intensiv wie möglich gewirtschaftet und alle Erntereste abgefahren wurden. Seit 15 Jahren arbeiten Vater und Sohn intensiv an der Organik.

„Wir bringen seitdem in jedem Frühjahr Hähnchenmist ins Getreide aus und Rindermist zwischen Wintergerste und Raps.“ Dazu kommen regelmäßige Güllegaben zum Vegetationsstart. Rund 100 kg pro Hektar Stickstoff (N) gelangen so über organische Dünger in den Boden.

Pflugverzicht ist auf Marschböden gar nicht so einfach

Humusaufbau dauert. „0,2 bis 0,3 Prozent konnten wir in den letzten zehn Jahren aufbauen“, sagt der 28-Jährige. Warum das nicht schneller gelingt? Auf Marschböden geht in vielen Fällen nichts ohne intensive Bodenbearbeitung und die kostet Humus.

„Zu Braugerste, Hafer, Ackerbohne und Mais wirtschaften wir bereits in Mulchsaat, tasten uns an Direktsaat heran, aber zu Winterweizen oder Wintergerste kann der Pflug nötig sein, wenn es nicht anders geht.“

Nicht nur in der Ernte bleiben oft nur zwei bis drei ausreichend trockene Tage, auch zur Saat. „Wenn der Herbst nass ist und noch 100 ha Weizen in den Boden müssen, bleibt nur der Pflug.“ Marschböden geben ihr eigenes Tempo vor.

Weite Fruchtfolge für den Humusaufbau

Ein Schlüssel zu mehr Humus ist die Fruchtfolge. Siebengliedrig ist sie bei den Mushardts, mit Raps, Winterweizen, Sommergerste, Winterweizen, Mais, Bohne und Wintergerste. Neu stehen vor dem Wintergetreide Sommerzwischenfrüchte mit Rauhafer, Phacelia und Alexandrinerklee.

Zur Getreidesaat waren eigentlich Mulcher und Grubber geplant. Auch hier machte der nasse Oberboden einen Strich durch die Rechnung. Mushardt drehte kurzerhand die gut durchwurzelten, trockenen Schichten mit dem Pflug nach oben. 

20.000 Ackerfuchsschwanzpflanzen – pro Quadratmeter

Massiver Ackerfuchsschwanzbefall

Der Wert seiner Sommerungen hängt für ihn auch mit dem enormen Druck durch Ackerfuchsschwanz zusammen. „Auf neueren Flächen haben wir teilweise 20.000 Pflanzen – pro Quadratmeter!“

Der Junglandwirt versucht, dem mit mehr Mechanik Herr zu werden, etwa durch Hacken in Mais und in Raps, den er jetzt erstmals in Einzelkornsaat gesät hat.

Humusaufbau funktioniert zwar langsam, die Effekte sind aber bereits spürbar: Die Wasserführung der Böden bleibt dank gröberer Kluten auch über den Winter bestehen, der Acker verschlämmt weniger und der Kraftstoffbedarf sinkt.

 

 

Mehr zum Humusaufbau lesen Sie im Titelthema der gedruckten agrarheute-Ausgabe 4/2020.

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