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Getreide

IGC: Weizen wird immer knapper

© Mühlhausen/landpixel
von , am
26.10.2012

Der Internationale Getreiderat korrigiert die erwartete weltweite Weizenernte um zwei Millionen Tonnen nach unten. Aufgrund der schwachen Ernte in den Schwarzmeerländern geht auch der Handel stark zurück.

Der Weizenpreis sank nochmal um 2 Euro je Tonne. © Mühlhausen/landpixel
Enger und enger wird die globale Versorgungsbilanz bei Weizen. In seiner aktuellen Prognose hat der Internationale Getreiderat (IGC) die erwartete Gesamternte für das laufende Wirtschaftsjahr nochmals um rund zwei Millionen Tonnen (Mio. t) auf 655 Mio. reduziert. Ursachen sind die weiteren Produktionsrücknahmen für Australien, die Europäischen Union (Großbritannien) und Kasachstan.

Verbrauch geht zurück

Globaler Weizenpreisindex (Exportpreise)
Damit ist die globale Weizenproduktion fast 40 Mio. t oder gut fünf Prozent kleiner als im letzten Jahr. Der weltweite Verbrauch geht wegen der hohen Preise erstmals seit dem Jahr 2005 wieder zurück und schrumpft im Vergleich zum letzten Jahr um zwei Prozent oder 13 Mio. t.
 
Vor allem der Einsatz von Weizen in der Tierfütterung verringert sich deutlich. So erwarten die Analysten des IGC nur noch die Verwendung 131,2 Mio. t Futterweizen nach 146 Mio. t im letzten Jahr. Gleichzeitig nimmt der Verbrauch von Nahrungsweizen um knapp fünf Millionen Tonnen auf 465 Mio. t zu. Auch die industriele Verwertung von Weizen steigt leicht.

Bestände schrumpfen

Trotz des reduzierten Bedarfs müssen die Bestände zur Marktversorgung kräftig abgebaut werden. Im Vergleich zum letzten Monat reduziert der IGC die Endbestände nochmals um drei Millionen Tonnen auf 172 Mio. t. Dies ist der niedrigste Bestand seit dem Jahr 2008. Im Vergleich zum letzten Jahr sind die Endbestände damit sogar 24 Mio. t oder zwölf Prozent kleiner. Das Verhältnis von Verbrauch und Beständen (Stocks-to-Use-Ratio) verschlechtert sich auf 25 % nach 28 % im letzten Jahr und 30 % vor zwei Jahren.

Ukraine verhängt Exportstopp

Den Welthandel erwartet der IGC bei 132 Mio. t und damit rund neun Prozent oder 13 Mio. t niedriger als im letzten Jahr. Grund für den drastischen Handelsrückgang ist in in erster Linie die schwache Ernte in den Schwarzmeerländern und die damit verbundenen Konsequenzen für das globale Angebot und die Weltmarktpreise.
 
Am Dienstag dieser Woche bestätigte die ukrainische Regierung mit Wirkung vom 15. November das Exportstopp bei Weizen. Bis dahin werden das Land nach Schätzung de IGC rund 5,4 Mio. t Weizen exportieren. Der größte Weizenimporteur der Welt Ägypten kritisierte die Maßnahme ebenso wie die EU unmittelbar nach Bekanntwerden. Für Land am Nil stehen offenbar bereits vereinbarte Lieferungen für den Zeitraum nach dem 15. November aus.

Russland nicht mehr wettbewerbsfähig

Russlands Ausfuhr hat der IGC im Oktober leicht um 0,5 Mio. auf neun Millionen Tonnen nach oben gesetzt. Der im letzten Jahr mit 22 Mio. t drittgrößte Weizenexporteur will erst einmal keine Exportbeschränkungen einführen, allerdings sind die Preise im Land selbst mittlerweile so hoch das russischer Weizen am Weltmarkt nicht mehr wettbewerbsfähig ist und die Regierung Weizen aus den Interventionslägern verkauft um den anhaltenden Preisanstieg zu dämpfen.
In den ersten Monaten es neuen Wirtschaftsjahres hatten die Russen vor alle wegen der großen Lagerbestände aus der letzten Ernte noch reichlich preiswerten Weizen exportiert und den Welthandel dominiert. Die ist seit einiger Zeit vorbei und die Länder der EU sowie Argentinien bestimmen jetzt den Handel Richtung Nordafrika und Naher Osten.

Europäischer Weizen gefragt

Trotz der nochmals auf 122,6 Mio. t nach unten gesetzten Weichweizenernte der EU rechnet die der IGC mit einer Zunahme der europäischen Exporte im Vergleich zum Vorjahr um mehr als eine Million Tonnen auf 18,6 Mio. t. Diese Einschätzung teilen auch französische Analysten die ihre Ausfuhrerwartungen ebenfalls nach oben geschraubt haben.
 
Seit Oktober hat der europäische Export deutlich an Fahrt aufgenommen. Insgesamt hat Frankreich in diesem Wirtschaftsjahr knapp zwei Millionen Tonnen in Drittländer exportiert und Deutschland 1,26 Mio. t. Die europäische Weichweizenausfuhr lag am 23. Oktober bei 4,91 Mio. t und damit knapp zehn Prozent über dem Vorjahr.
 

Indien als neuer Exporteur

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Im asiatischen Raum wird der Weizenhandel derzeit durch Indien dominiert. Das Land hat eine sehr gute Ernte und verkauft Weizen sowohl über private Händler als auch aus staatlichen Lägern deutlich preiswerter an den Weltmarkt als Australien. In diesem Jahr rechnet der IGC mit einer Exportmenge von fünf Millionen Tonnen nach einer Million Tonnen im letzten Jahr und einem noch weitgehend abgeschotteten Markt vor zwei Jahren.
 
Das USDA hält sogar einen indischen Export von sechs Millionen Tonnen für möglich. Damit würden die Indien mehr Weizen exportieren wie die Ukraine und fast so viel wie Argentinien. Insbesondere Australien sieht sich hier einem neuen Wettbewerber ausgesetzt und dürfte vor allem preisbedingt Marktanteil bei wichtigen asiatischen Importeuren verlieren.
 
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