Login
Getreide

IGC: Weizenbilanz immer enger

© Mühlhausen/landpixel
von , am
04.07.2012

Berlin - Der Internationale Getreiderat hat die Prognose für die weltweite Weizenernte um sechs Millionen Tonnen nach unten korrigiert. Ursache dafür sind die zu erwartenden Ertragseinbrüche in Russland und der Ukraine.

Am Tagesende notierte der Weizen bei 172,75 Euro je Tonne. © Rainer Sturm
Am globalen Weizenmarkt wird die Lücke zwischen Produktion und Verbrauch immer größer. Anfang Juli hat der Internationale Getreiderat (IGC) die neue Weizenernte nur noch auf 665 Millionen Tonnen (Mio.t.) geschätzt, nach 671 Mio. t bei der letzten Prognose.
Dies ist eine Produktionskorrektur von sechs Millionen Tonnen und im Vergleich zur Rekordernte des Vorjahres ein Rückgang von 30 Mio. t. Der Bedarf beleibt mit 682 Mio. t hingegen nahezu stabil und übersteigt die erwartete Produktion um rund 17 Mio. t.
 
IGC: Optimistische Prognose für die globale Maisernte ...

Bestände schrumpfen deutlich

Internationale Versorgungsbilanz Weizen. Zum Vergrößern bitte auf das Plus klicken.
Damit schmelzen auch die Lagerbestände stärker ab als zunächst erwartet und gehen auf 182 Mio. t zurück. Bislang hatte der IGC mit Bestandsrückgang auf 191 Mio. t gerechnet nachdem die Rekordernte des Vorjahres für einen Bestandsaufaufbau auf 199 Mio. t gesorgt hatte. Die für die Beurteilung der Knappheitsverhältnisse entscheidende Relation von Bestand zu Verbrauch (Stocks-to-Use-Ratio) verschlechtert sich von 28 Prozent (%) auf knapp 27 %. Dabei befinden sich rund 30 % der globalen Weizenbestände in China und weitere zwölf Prozent in Indien und sind somit für die globale Versorgung kaum verfügbar. Die Bestände der wichtigsten acht Exporteure machen lediglich 30 % der weltweiten Gesamtbestände aus.

Produktion am Schwarzen Meer bricht ein

Ursache für die neuerliche Produktionskorrektur sind die schlechteren Ernteprognosen für die Schwarzmeerländer. So hat der IGC die erwartet Weizenernte Russlands wegen der Hitzewelle um sechs Millionen Tonnen auf nur noch 49 Mio. t gesenkt. Im letzten Jahr hatten die Russen noch gut 56 Mio. t Weizen geerntet. Auch die ukrainische Punktion wurde um eine Million Tonnen auf nur noch 13 Mio. t nach unten korrigiert.
 
Im letzten Jahr hatte die Ukraine noch 22 Mio. t Weizen geerntet. Nach Einschätzung des IGC wird die schwache Ernte der Schwarzmeerländer die Nachfrage nach US-Weizen und andere Herkünfte spürbar ankurbeln und die Exportchancen dieser Länder verbessern.
 

US-Ernte besser als erwartet

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Die US-Weizen-Ernte wird vom IGC hingegen besser eingeschätzt als bei der letzten Prognose. In den USA lagen die Erträge bei dem Anfang Juli bereits zu 70 % geernteten Winterweizen höher als man wegen der Trockenheit erwartet hatte. Gleichzeitig befand sich der Sommerweizen in überraschend gutem Zustand. In der EU hat der Regen der letzten Wochen die Ertragserwartungen ebenfalls verbessert.

Bessere Exportchancen für die EU

Den Welthandel mit Weizen veranschlagt der IGC auf 135 Mio. t und damit rund eine Million Tonnen kleiner als bei der letzten Prognose. Vor dem Hintergrund der rückläufigen Ernte in Russland und der Ukraine ist für die prognostizierte Ausfuhrmenge ein größerer Export aus den übrigen Exportländern nötig. Davon können auch die Europäer profitieren. Im Vergleich zum letzten Jahr sind jedoch die Ernten der EU und Australiens kleiner. Lediglich für Kanada und die USA erwartet man gegenüber dem letzten Jahr jedoch einen Produktionszuwachs.
 
Auch interessant