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Getreide

IGC/Weizen: Schwarzmeerexport dauert länger

von , am
30.11.2012

Nur wenige Veränderungen hat der Internationale Getreiderat (IGC) im November an seiner globalen Weizenbilanz vorgenommen.

© Maren Beßler/pixelio.de
In dem kurz vor dem Monatsende veröffentlichen Marktbericht weist der IGC vor allem darauf hin, dass die Weizenexporte der Schwarzmeerländer offenbar langsamer zu Ende gehen, als viele Analysten angesichts der sehr kleinen Ernten erwartet hatten.

Ukraine setzt Exportlimit nach oben

Die mengenmäßig rückläufigen, jedoch weiter fließenden Weizenexporte Russlands und der Ukraine, haben zum einen die globale Angebotssituation verbessert und zum anderen den erwarteten Preisauftrieb in Grenzen gehalten.
 
Bestätigt wurde diese Beobachtung heute durch die ukrainische Regierung, die die Exportobergrenze für das Land zum wiederholten Mal von 5,5 auf 5,8 Millionen Tonnen (Mio. t) nach oben setzte. Die ukrainische Getreideunion hält in einer eigenen Stellungnahme sogar Ausfuhren von 6,5 Mio. t für möglich, ohne dass die Versorgungsbilanz des Landes gefährdet wäre.

Bilanzlücke bleibt groß

Insgesamt hat der IGC die globale Weizenernte im Vergleich zum Oktober um eine Million auf 654 Mio. t nach unten gesetzt. Im Vergleich zur vorjährigen Rekordernte ist dies ein Rückgang von 41 Mio. t (sechs Prozent) und gleichzeitig klafft zwischen Produktion und Verbrauch (678 Mio. t) eine Lücke von 24 Mio. t.
 
Ursache für die weitere Korrektur sind die etwas schlechteren Ergebnisse in der EU sowie eine weitere Produktionskorrektur an der laufenden australischen Ernte.

Vereinigtes Königreich mit Problemen

Die Korrektur der EU liegt vor allem in der schwachen Ernte Großbritanniens begründet. Britische Stellen haben die Ernte wegen der massiven Regenfälle im Spätsommer und im Herbst auf nur 13,3 Mio. t nach 15 Mio. t im letzten Jahr geschätzt. Damit wird das Vereinigte Königreich zum Nettoimporteur von Weizen.
 
Gleichzeitig behindern die Regenfälle die Weizenaussaat für die nächste Ernte. Derzeit liegt die Aussaatfläche rund zwölf Prozent unter dem Vorjahreswert und damit auf dem niedrigsten Stand seit 2001. Die Preise für Futterweizen am Terminmarkt in London sind derzeit höher als Brotweizenpreise in Paris.

Flächenschätzung zu optimistisch?

Weltweit schätzt der IGC die Erntefläche für die neue Weizenernte 2013/14 rund zwei Prozent größer als in diesem Jahr. Dabei ist die Aussaat von Winterweizen in einer Reihe wichtiger Länder alles andere als optimal verlaufen. Nach dem trockenen und heißen Sommer und einer kleineren Ernte als im Dürrejahr 2010, ist es derzeit in Südrussland zu trocken und zu warm. Die Analysten von Sovecon haben die Aussaatfläche von Winterweizen deshalb um knapp eine Million auf 15,9 Millionen Hektar (Mio. ha.) reduziert und befürchten zudem größere Auswinterungsschäden.
 
Auch in den USA befindet sich der Winterweizen in den Hauptanbaugebieten in sehr schlechtem Zustand. Das wöchentliche Crop-Monitoring des USDA ergab den bislang schlechtesten überhaupt jemals ermittelten Wert. An den US-Terminmärkten ist der Weizen der neuen Ernte mittlerweile teurer als die aktuelle Ernte.

China kauft mehr Weizen

Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass © dlv
Die Handelsmenge hat der IGC im November um zwei Millionen auf 134 Mio.t nach oben gesetzt. Ein Grund ist unter anderem die größer als erwartet ausfallende Nachfrage Chinas und des Irans. Allerdings wird gerade für Asien ein Teil der zusätzlichen Exporte durch den neuen und sehr preiswerten Wettbewerber Indien abgedeckt. Indien könnte seine Ausfuhren nach einer weiteren sehr guten Ernte mindestens auf vier Millionen Tonnen - nach Einschätzung des USDA sogar auf sieben Millionen Tonnen ausweiteten.
 
Die globalen Endbestände sind nach Auffassung des IGC mit 173 Mio. t geringfügig größer als im Oktober, sind jedoch 23 Mio. t (zwölf Prozent) kleiner als im letzten Jahr und fallen damit auf den niedrigsten stand seit 2008.
 
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