Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Pflanzenschutzmittel

Immer weniger Wirkstoffe: So schrumpft die Auswahl beim Pflanzenschutz

Pflanzenschutzspritze im Frühjahr
am Freitag, 08.05.2020 - 12:44 (Jetzt kommentieren)

Immer mehr Zulassungen fallen weg. Die Zahl der verfügbaren Wirkstoffe im Pflanzenschutz sinkt. Der Industrieverband Agrar präsentiert dazu Zahlen und Fakten.

Entscheidend ist nicht die absolute Zahl der verfügbaren Pflanzenschutzmittel, sondern die Anzahl der unterschiedlichen Wirkstoffe und deren Wirkmechanismen, der sogenannten Modes of Action (MoA).

Auf dem Acker wird's langsam eng

Mit Stand Mai 2020 sind im Freiland nach Auskunft vom Industrieverband Agrar (IVA) noch so viele Wirkstoffe erlaubt:

  • Unkräuter: 93 Herbizide - hier sind heute 24 Wirkmechanismen erlaubt; nach 2020 sind es noch 23 Modes of Action.
  • Krankheiten: 87 Fungizide - hier gibt es heute noch 47 Wirkmechanismen; von denen bleiben nach 2020 noch 40 Modes of Action.
  • Schädlinge: 40 Insektizide - heute sind noch noch 21 Wirkmechanismen am Markt; nach 2020 werden es demnach noch 18 sein.

Eine unbeabsichtigte Folge sei, dass die Fruchtfolgen vielerorts enger würden statt vielfältiger, so der Verband. Vor allem Raps oder Kartoffeln seien betroffen. Die Regionalität schwinde damit.

Zulassungsstandort Deutschland mit weniger Bedeutung

Der deutsche Pflanzenschutzmarkt ist im fünften Jahr in Folge geschrumpft. Früher sei die Zulassung eines Pflanzenschutzmittels hierzulande ein „Qualitätssiegel“ gewesen. Heute meide die Agrochemieindustrie Deutschland. Der Standort verliere an Bedeutung, meint die Industrie.

Die Zahl der Notfallzulassungen nehme in etlichen anderen EU-Ländern zu.

  • Zonaler Berichterstatter ist Deutschland 2019 in nur vier Genehmigungsfällen gewesen. 2013 war es Deutschland noch bei 30 Zulassungsanträgen.
  • Ko-Berichterstatter waren die deutschen Behörden 2019 bei 32 Anträgen. 2013 war das bei 59 Verfahren der Fall.
  • Bei der gegenseitigen Anerkennung von Pflanzenschutzmittel in der EU war Deutschland 2019 mit 68 Fällen vertreten. 2013 waren es nur 13.

Bis Jahresende 2019 gelang es den deutschen Zulassungsbehörden laut IVA zwar, den Zulassungsstau weiter abzubauen. Wegen der Corona-Bremse gebe es derzeit aber keine Treffen der Industrievertreter mit den Behörden. Viele Labors arbeiten nur im Notbetrieb. Der Flaschenhals sei die Digitalisierung: Viele Prozesse lassen sich nicht online bearbeiten.

Zudem fordert die Industrie, mehr Augenmaß bei deutschen Sonderwegen und zusätzlichen Auflagen für Pflanzenschutzmittel, etwa zur Biodiversität oder zu Windauflagen.

Mit Material von IVA
Das agrarheute Magazin
Aktuelles Heft Juli 2020
Schnupper-Angebot Alle Aboangebote

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...