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Carbon farming

Klimaneutraler Nitratdünger: Das bringt er für die Wertschöpfungskette

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am Sonntag, 06.02.2022 - 06:30 (7 Kommentare)

Der Düngehersteller Yara und die skandinavische Genossenschaft Lantmännen bieten künftig grüne Nitratdünger an. Mit erneuerbarer Energie hergestellt sollen sie ein wichtiger Baustein für die Dekarbonisierung der ganzen Lebensmittelkette sein.

Das soll Verbrauchern letztlich eine nachhaltigere Auswahl bringen. Denn der globale Düngerproduzent und die skandinavische Genossenschaft sind in der gesamten Wertschöpfungskette tätig, die vom Erzeuger bis zum Verbraucher reicht.

Beide prüfen seit 2019 die Wirtschaftlichkeit von grünen Nitratdüngern. Jetzt haben sie einen Handelsvertrag dafür abgeschlossen, der auch für deutsche Erzeuger Vorbild sein kann. Ab 2023 sollen die klimaneutralen Nitratdünger zunächst in Schweden vermarktet werden.

Mit erneuerbaren Energien grünen Ammoniak als Grundprodukt herstellen

Für die Produktion von Stickstoffdüngern ist Ammoniak nötig. Das wird derzeit noch mit fossilen Brennstoffen erzeugt und benötigt jede Menge Erdgas. Für die grünen Dünger soll das weit umweltfreundlicher gehen, und zwar auf Basis von in Europa erzeugter erneuerbarer Energie. Dabei helfe zum Beispiel die norwegische Wasserkraft.

Das Ergebnis seien Stickstoffdünger mit einem „um 80 bis 90 Prozent geringeren CO2-Fußabdruck“, behaupten die Unternehmen. Yara arbeitet an Projekten zu grünem Ammoniak in Norwegen, den Niederlanden und Australien.

Geringerer CO2-Fußabdruck von Mineraldüngern als Ziel

Die in der EU und in Norwegen produzierte Stickstoffdünger weisen nach Angaben des Konzerns bereits heute einen „um 50 bis 60 Prozent geringeren CO2-Fußabdruck auf als die meisten Nicht-EU-Stickstoffdüngemittel“. Grund sei ein katalytisches Verfahren, das die Emissionen an Treibhausgasen senke. Auch andere Hersteller nutzen es.

2023 will Yara den CO2-Fußabdruck mit erneuerbaren Energien um weitere 80 bis 90 Prozent senken. Der Risikomanagementanbieter DNV soll als „unabhängiger Dritter“ die Methode des 'Produkt-CO2-Fußabdrucks' validieren. Das sei „etabliert“, um die Klimafolgen zu bestimmen.

Eigenes Programm zur Dekarbonisierung für mehr Nachhaltigkeit

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Der Vertrag zwischen Düngerkonzern und Genossenschaft hat das Ziel, den grünen Dünger auf den Markt zu bringen. Das Programm „Climate & Nature“ von Lantmännen will negative Klimafolgen von Grünland- und Pflanzenbau absenken. Die Methoden sollen Vertragslandwirte umsetzen.

Damit habe die Genossenschaft die Klimabilanz des Weizenanbaus „seit 2015 um bis zu 30 Prozent reduziert“, behauptet der Verbund. Mit den ins Programm aufgenommenen grünen Düngern werde die Klimabelastung künftig „um weitere 20 Prozentpunkte“ reduziert.

Das Programm fügt wie andere Projekte zur Dekarbonisierung kontinuierlich weitere Kriterien für nachhaltigere Anbaumethoden hinzu, um die Nachhaltigkeitsleistung zu verbessern. Bisher jedoch sammelt es vor alem noch die Anbaudaten der Teilnehmer.

Nachhaltigere Nitratdünger für klimaneutrale Landwirtschaft

Grüne Nitratdünger seien ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur klimaneutralen Landwirtschaft der Zukunft, sagt Per Olof Nyman von Lantmännen. Der grüne Dünger soll es zunächst schwedischen Landwirten ermöglichen, den Kunden Nachhaltigkeit gemäß den globalen Klimazielen zu bieten.

„Wir müssen das Lebensmittelsystem umgestalten, um das Pariser Abkommen zu erfüllen“, sagt auch Svein Tore Holsether von Yara. Das erfordere eine Zusammenarbeit über die gesamte Lebensmittelkette.

Kombiniert werden sollen die grünen Dünger künftig mit regenerativen Kraftstoffen, fossilfreiem Transport oder exakter Präzisionslandwirtschaft. Das dient fossilfreien Wertschöpfungsketten.

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