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Forschung

Klimawandel: Mit Drohnenbildern zu robusteren Anbausystemen

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Karl Bockholt, agrarheute
am
21.01.2019

Klimafreundlichere Anbausysteme sind gefragt. Mit dem unbemannten Luftfahrzeug 'Tron' zeigen Forscher jetzt, welche Anbausysteme oder welche Pflanzenarten den Humusaufbau begünstigen. Oder wo Düngung oder Beregnung lohnt.

Die Drohne ist als Senkrechtstarter konstruiert. Sie braucht keine Start- und Landebahn. Die Flugroute wird am Computer geplant. Der Flug auf bis zu 180 m Höhe läuft automatisch. Der Pilot greift nur im Störungsfall ein.

Das Fluggerät unterscheidet sich von konventionellen Drohnen durch seine hohe Flugzeit von bis zu einer Stunde. So werden in relativ kurzer Zeit ganze Landschaften überflogen.

Dank der Drohne lassen sich in Kombination mit Messungen am Boden Rückschlüsse zu Zusammenhängen zwischen Bodenqualität, Pflanzenwachstum und Klimabilanz ermitteln.

Mehr Humus = mehr Klimaschutz

Landwirtschaft spielt im Klimawandel nämlich eine große Rolle: Die Kulturen binden das Treibhausgas CO2. Böden und Wälder speichern beträchtliche Mengen Kohlenstoff. Gleichzeitig gehören Land- und Forstwirtschaft neben der Energieerzeugung zu den größten Quellen von Emissionen. 

Wenn es künftig gelänge, den Anteil von Kohlenstoff im Boden, zum Beispiel in Form von Humus, jährlich um 0,4 Prozent zu erhöhen, ließe sich damit der Anstieg der CO2 in der Atmosphäre gehörig bremsen. Damit rechnet das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. in Müncheberg. Zudem würden Bodenfruchtbarkeit und Ertragsstabilität erhöht.

Im brandenburgischen Müncheberg werden Wechselwirkungen von Landwirtschaft und Klimawandel seit 25 Jahren erforscht. Ziel sind klimafreundlichere Anbausysteme. Mit der Fernerkundungsdrohne Tron steht den Forschern dazu jetzt ein neues Instrument zur Verfügung.

Auf bis zu 2 cm genau

Das Kamerasystem der Drohne stellt Bilder mit sehr hoher räumlicher Auflösung bereit. Damit lassen sich kleinräumige Veränderungen in Ackerkulturen oder in der Bodenqualität auf bis zu 2 cm genau auswerten. Zum Vergleich: Satellitenbilder schaffen derzeit zwischen 2 und 10 m. 

Die Aufnahmen der hochauflösenden Multispektral- und Wärmebildkamera liefern wichtige Trends zu Kohlenstoffgehalten im Boden, zu Wasserstress oder zu Nährstoffmangel. Sie zeigen, welche Anbausysteme oder welche Pflanzenarten den Humusaufbau im Boden begünstigen. Oder ob Düngung oder Beregnung fehlt.

Virtuelle Rundflüge möglich

Auf der IGW in Berlin wird das Haupteinsatzgebiet der Drohne vorgestellt: Das  Landschaftslabor 'AgroScapeLab Quillow' in der Uckermark. In dem etwa 160 km2 großen Versuchsgebiet untersuchen die Forscher, wie sich durch veränderte Strategien bei der Bewirtschaftung mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre im Boden speichern lässt. 

Die Arbeit wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium im Projekt CarboZALF gefördert. Besucher der Grünen Woche können am Messestand dank Virtual Reality selbst auf dem Rumpf der Drohne Platz nehmen und einen Rundflug starten.

Mit Material von ZALF
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