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Klöckners Ackerbaustrategie: Erste Meinungen und Kommentare

Julia Klöckner erklärt die Ackerbaustrategie
am Freitag, 20.12.2019 - 09:41 (1 Kommentar)

Ackerbau soll moderner, effizienter und nachhaltiger werden. agrarheute hat verschiedene Stimmen zum Diskussionspapier von Julia Klöckner zusammengestellt.

Die Meinungen sind geteilt. Die Ackerbaustrategie von Julia Klöckner hat recht schnell viele Reaktionen hervorgerufen. Wir geben einen umfassenden Überblick.

Das meint Joachim Rukwied, DBV: Ein guter Weg

„Die Ackerbaustrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist dank der Vielfalt der Maßnahmen ein guter Weg, um den Ackerbau moderner, effizienter und nachhaltiger zu gestalten", sagt Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands. Er bewertet die Strategie positiv.

Denn sie zeige Perspektiven und Optionen auf, die „zielführend und zukunftsfähig“ seien. Das Ziel von weniger Pflanzenschutzmittel unterstützt der DBV. Hier gelte es, die Reduktion mit Augenmaß vorzunehmen. Nur so ließen sich Ernten schützen und Qualitäten sichern.

Auch eine Erweiterung des Kulturpflanzenspektrums sei zu begrüßen. Eine Zielvorgabe von mindestens fünf Arten je Betrieb sei jedoch ambitioniert. Das erfordere flankierende Hilfe, etwa bei der Züchtung für besseres Ertragspotenzial von Leguminosen. Vor allem aber seien Absatzmärkte nötig.

Das sagt Johannes Röring, WLV: Basis für zukunftsfähigen Ackerbau

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) meint, das Diskussionspapier sei breit angelegt und berücksichtige alle Aspekte, auch die Ernährungs- und Einkommenssicherung. Sie biete eine gute Grundlage, um denAckerbau zukunftsfähig aufzustellen“, so WLV-Präsident Johannes Röring.

Als positiv bewertet er, dass neben landwirtschaftlichen Einflüssen auch etwa der hohe Flächenverbrauch einbezogen werde. „Da brauchen wir aber auch Erfolge“, so Röring. Weiter setze die Strategie auf Forschung und Förderung. Sie unterscheide sich so wesentlich vom Aktionsprogramm Insektenschutz, das vor allem Verbote fordere.

Besonders wichtig sei, dass die Strategie in Kooperation mit Landwirten umgesetzt werde und nicht durch Ordnungsrecht. Das „Niederländische Modell“ der kooperativen Umsetzung von Maßnahmen zum Agrarumweltschuhtz werde ausdrücklich positiv erwähnt.

Das meint Bernhard Conzen, RLV: Vieles ist schon längst Praxis

„Viele geforderte Punkte sind im rheinischen Ackerbau bereits gängige Praxis. Wir sind hier schon jetzt gut aufgestellt“, sagt Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV). Er warnt die Politik, per ordnungsrechtlicher Vorgaben den Weg zu neuen Fruchtfolgen festzuschreiben.

Vielmehr müsse die Politik den Anpassungsprozess durch geeignete, flexible und praktisch umsetzbare Fördermaßnahmen begleiten. So habe etwa das NRW-Förderprogramm „Vielfältige Fruchtfolge“ den Anteil des Leguminosenanbaus deutlich erhöht. In vielen Betrieben, die an diesem Programm teilnehmen, seien heute deutlich mehr als fünf Kulturen in der Fruchtfolge.

Das sagen Harald Ebner und Friedrich Ostendorff, Die Grünen

Die Grünen-Politiker Harald Ebner und Friedrich Ostendorff meinen: „Dass aus dem Hause Klöckner noch einmal Zukunftsvisionen kommen, damit hätten wir ohnehin nicht gerechnet. Aber die Vorstellung der Ackerbaustrategie heute war eine ambitionslose Märchenstunde – von der dringend nötigen echten Agrarwende gibt es nach wie vor keine Spur.“

Es gebe so gut wie keine konkreten Maßnahmen, immer noch keine Umverteilung der Agrar-Milliarden für Umweltmaßnahmen statt für schiere Flächengröße. Das sei gesellschaftlich absolut nicht mehr vermittelbar.

In Sachen Gentechnik sei Klöckner jetzt völlig unverblümt auf Lobbykurs und fordere offen Deregulierung. Damit verstoße sie gegen den Koalitionsvertrag. Wo überhaupt konkrete Ziele genannt würden, seien die unambitioniert und unzureichend. So wolle Klöckner etwa erst bis 2030 ein auch für den Klimaschutz wichtiges Humus-Gleichgewicht anstreben. Auch der Strukturbruch in der Tierhaltung werde weder benannt noch adressiert.

Das sagt Manfred Hudetz, IVA: Ambitionierte Ziele

Dr. Manfred Hudetz, Geschäftsführer von Syngenta und Präsident des Industrieverbands Agrar (IVA), sagt: „Die Landwirtschaft in Deutschland steht mitten in einem gewaltigen Veränderungsprozess. Sie muss für ihre gesellschaftliche Wertschätzung Erwartungen zum Schutz von Klima, Boden und Biodiversität aktiv annehmen, aber zugleich einen Beitrag zur globalen Ernährungssicherung leisten und angemessene Einkommen für ihre Beschäftigten erwirtschaften.“

Zu den Stärken der Strategie zähle, diese Zielkonflikte wie auch begrenzende Faktoren offen anzusprechen und konkrete Maßnahmen zur Lösung zu benennen. Hier würden ambitionierte Ziele formuliert, an denen sich die Landwirtschaft von morgen messen lassen müsse.

Das fordert der Agrarhandel: Neue Wertschöpfungsketten aufbauen

Der Bundesverband Agrarhandel (BVA) sieht die Strategie als Schritt zum Ausgleich zwischen gesellschaftlichen Forderungen und wirtschaftlicher Produktion. Das Bekenntnis zu Innovationen bei der Anpassung an den Klimawandel wird begrüßt. Dem Ziel, politische Gestaltung bei neuen Züchtungstechniken zu entwickeln, müssten jetzt zeitnah konkrete Schritte folgen. Das EU-Gentechnikrecht müsse an den neuesten Stand der Wissenschaft angepasst werden.

Zur erweiterten Fruchtfolgen sagt der Handel, er benötige Unterstützung beim Anpassen der Strukturen zur Vermarktung. Schließlich erfordere die Erfassung und Lagerung eines diverseren Spektrums an Agrarrohstoffen inklusive neuer Kulturen hohe Investitionen. Dafür seien Förderprogramme nötig. Auch Weiterverarbeiter müssten sich auf die neuen Rohstoffe einstellen.

Das meint Karl Bockholt, agrarheute-Redakteur: Ein erster Schritt

Bockholt-Karl

Dass Julia Klöckner endlich eine Strategie für den Ackerbau vorgibt, ist ihre Pflicht als Ministerin. Dass sie die mit Kabinettskollegen Svenja Schulze noch immer nicht abgestimmt hat, macht fassungslos. Auch kommt das Diskussionspapier nach erster Sichtung an vielen Stellen nicht über das hinaus, was bereits Konsens ist. Und die Leuchtturmprojekte leuchten auch nicht alle ganz so hell, wie das zu hoffen gewesen wäre.

Die Leitlinien sind aber grundsätzlich richtig. Die Frage ist, wie sie im Einzelnen in gesetzliche Vorgaben umgesetzt werden. Nicht ausgeräumt sind die Sorgen um immer mehr Vorschriften, die den Handlungsspielraum im Ackerbau wie in der Tierhaltung ständig weiter einengen. Im Dilemma zwischen Weltmarktpreisen und Klimaschutzproblemen hilft das Papier zunächst wenig. Dennoch kann die Strategie ein erster Schritt sein, die gesellschaftliche Akzeptanz für die Arbeit im Feld zu steigern. An den Handlungsfeldern und den erreichten Zielen wird sich die Ministeirn messen lassen müssen.

Klöckner beantwortet Fragen zur Ackerbaustrategie

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