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Agri-Photovoltaikanlagen

Kommentar zu Agri-Photovoltaik: Oben Solar, unten Acker

Photovoltaikanlage auf einer Fläche
am Samstag, 06.11.2021 - 06:00 (1 Kommentar)

Agri-Photovoltaikanlagen helfen den Klimawandel im Feld abzumildern. Lichtdurchlässige Module lohnen sich vor allem über Sonderkulturen, etwa gegen Sonnenbrand. Neue Normen und Regeln reichen dafür aber allein nicht aus – was stattdessen zählt. Ein Kommentar von agrarheute-Redakteur Karl Bockholt.

Portrait Autor Karl Bockholt 2019

Planen Sie schon Solarmodule hoch über Ihren Sonderkulturen? Dann stellen Sie sich die Agri-Photovoltaik mal nicht so leicht vor. Längst sind nicht alle Hürden für diese Form der doppelten Flächennutzung genommen. Sie nimmt zwar im Gegensatz zu Freiflächenanlagen kein knappes Ackerland in Beschlag. Aber der Bürokratismus verkompliziert die Planung.

Im April 2022 können Sie sich erstmals für eine Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz bewerben. Das ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Teilnehmen können Sie mit einer installierten Leistung zwischen 100 kW und 2 MW. Die alte Regierung einigte sich noch auf ein Auktionsvolumen von 150 MW, wobei die beihilferechtliche Genehmigung der EU noch aussteht. Die neue Bundesregierung muss da künftig mehr bieten.

Lichtdurchlässige Solarmodule sind teurer als herkömmliche

Gerade hat die Bundesnetzagentur ihre Forderungen festgelegt, laut "Innovationsausschreibungsverordnung", das heißt wirklich so. Definiert sind die aufgeständerten Module nun als Installationen auf Parkplätzen, Gewässern und eben Äckern, auf denen Feldfrüchte wachsen. Wieso Grünland oder Futterflächen nicht dabei sind, erschließt sich mir nicht.

Damit jedoch nicht genug: Die Agentur regelt Installation, Bau und Betrieb. Auch Dokumentation und Überwachung kommen inklusive Kennzahlen zur Qualitätssicherung nicht zu kurz. So haben Sie nachzuweisen, dass Sie alles richtig machen.

Acker-, Dauer- oder mehrjährige Obst- oder Beerenkulturen müssen auf den Flächen unter oder
neben den beidseitig Strom liefernden Modulen über die gesamte Förderdauer wachsen und weiter zwei Drittel des Ertrags bringen. Sogar eine neue Norm für Hybridlandwirtschaft greift: die DIN SPEC 91434:2021-05.

Agri-Photovoltaik über Sonderkulturen leider noch mit vielen Unwägbarkeiten

Weiter zählen Lichtintensität und -verteilung unter der Anlage, zweifelsohne für die Ackerfrüchte entscheidend. Him- oder Heidelbeeren wachsen am besten mit Schatten. Den spenden die gläsernen, sogenannten bifazialen Module. Weiter schützen sie vor Verdunstung, Starkregen, Hagel oder Sonnenbrand. So helfen sie, den Klimawandel abzumildern. Damit fließt mehr Geld vom Acker.

Leider erklärt aber bisher niemand, warum die Innovation nicht auf sonstigen Flächen erlaubt ist, zumal doch jedes neue Gebäude demnächst womöglich einen Solaranlage braucht. Und unsicher ist auch, ob Betriebe mit Freiflächenanlagen die Beihilfe überhaupt erhalten. Und wie Basisprämien künftig fließen, also ob der Ackerstatus weiter gilt, und was bei Umbruch und Rückumwandlung gilt. Oder wie der Bauantrag zügig genehmigt wird.

Überbordende Vorschriften scheinen aus der Zeit gefallen

So bremsen allerhand Vorgaben mehr, als dass sie fördern. Die überbordenden Vorschriften scheinen aus der Zeit gefallen. Dabei erfordert die Klimakrise neues Denken auf jedem Acker. Die doppelte Nutzung für Lebensmittel und Energie lindert die Flächenkonkurrenz.

Diese Synergien brauchen Ackerbauern dringlich, um mit dem Klimawandel wirtschaftlich
besser klarzukommen. Beeren im Schatten unter Strom, das lohnt sich, weil es doppelten Ertrag bringt - aus Solarstrom und Sonderkultur.

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