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Diversifizieren

Kommentar: Nischen belegen und konkurrenzfähig bleiben

Eine Emmer-Ähre auf der Hand
am Montag, 03.08.2020 - 06:03 (2 Kommentare)

Wenn anderswo das Altöl in den Acker sickert und der Pflanzenschutz keine Grenzen kennt, wirkt sich das auf unseren Preis aus. Hier hilft Diversifizieren. Ein Kommentar von agrarheute-Pflanzenbauredakteur Klaus Strotmann.

Ob es uns gefällt oder nicht: Dem Weltmarkt ist es schlicht egal, ob wir hier vor ausgedörrten Flächen stehen oder im Herbst vor Nässe nicht aussäen können, ob ein Hagel die Ernte niedermäht oder Blattläuse ungebremst Viren übertragen.

Jeder konkurriert mit jedem – und das weltweit

agrarheute-Pflazenbauredakteur Klaus Strotmann

Max Musterbauer aus Vorderhausen muss mit diesen Herausforderungen zurechtkommen und er konkurriert dabei nicht nur mit seinem Berufskollegen aus Hinterhausen. Auf einem weltweiten Markt, der die Preise für Getreide, Öl- oder Eiweißfrüchte diktiert, konkurriert jeder mit jedem, und das weltweit. Egal wie sich die Produktionsbedingungen und damit die Kosten unterscheiden.

Bei einem Betriebsbesuch erzählte mir kürzlich ein junger Ackerbauer von seinen Träumen. Von Arbeitseinsätzen in Kanada und in der Dürre Australiens brachte er einerseits viele Ideen für den eigenen Betrieb in Südniedersachsen mit.

Andererseits aber die große Ernüchterung: Wenn Glyphosat gleich mehrfach in einer Kultur zum Einsatz kommt und der Ölwechsel beim Mähdrescher auf dem Feld stattfindet – ohne Behälter, einfach Hahn auf –, dann hat das weder etwas mit unseren Werten noch mit unseren Kosten zu tun.

Billige Produkte machen weltweit den Preis

Die billig produzierte Ware macht jedoch den globalen Preis. Das ist umso pikanter, als dass dem US-amerikanischen Landwirtschaftsministerium (USDA) in letzter Zeit häufiger unterstellt wird, Ernteprognosen zu manipulieren, um darüber am Preis zu drehen. Die Seismografen an den Börsen reagieren empfindlich auf jede Zuckung in der laufenden Ernte.

Fest steht, dass viele Topexporteure ihre Anbauflächen kräftig ausgedehnt haben, so etwa Russland, Australien, Kanada, Indien oder China. Da spielt es praktisch keine Rolle, dass in den EU-Ländern 2020 deutlich weniger Getreide am Halm stand als im Vorjahr.

Immer wieder Neues ausprobieren

Der junge Hofnachfolger aus Niedersachsen hat aus seinen Auslandserfahrungen vor allem einen Schluss gezogen: diversifizieren und immer wieder Neues ausprobieren, um Nischen zu belegen.

Gemeinsam mit seinem Vater stellte er den Betrieb breit auf – mit mobilen Hühnerställen oder dem Anbau von Dinkel, Ackerbohnen und Soja, teilweise abgesichert durch Vertragsanbau. Mit weiten Fruchtfolgen mindert er das Risiko, aufgrund von Wetterrisiken Schiffbruch zu erleiden.

Für mich ist das ein gutes Beispiel, wie man im harten Kampf unter oft ungleichen Verhältnissen bei Pflanzenschutz, Düngung oder Betriebsgröße noch gutes Geld verdienen kann. Gerade jetzt, in der laufenden Ernte, lohnt es sich, darüber nachzudenken.


Dieser Kommentar ist in der agrarheute-Printausgabe August 2020 erschienen.

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