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Pflanzenschutz

Kommentar zum Smart Sprayer: Einzelpflanzenbehandlung ist die Zukunft

Smart Sprayer von Amazone, Bosch und Xarvio
am Dienstag, 09.11.2021 - 13:54 (Jetzt kommentieren)

Mit der Kamera Pflanzen erkennen und einzeln behandeln. Das könnte den chemischen Pflanzenschutz retten, meint agrarheute-Redakteur Klaus Strotmann.

Smart Sprayer ist eine intelligente Pflanzenschutzspritze, die Amazone, Bosch und Xarvio von BASF gemeinsam entwickelt haben.

Was sie intelligent macht: Bei der Überfahrt erkennt sie einzelne Pflanzen und kann sie gezielt behandeln. Im gleichen Arbeitsgang kann sie ein über einen zweiten Düsenstrang ein übliches Bodenherbizid ausbringen. Das spart Überfahren und Mittel und behandelt nur dort, wo wirklich etwas wächst.

Künftig eine Auflage im Pflanzenschutz "Nur als Einzelpflanzenbehandlung erlaubt"?

agrarheute-Pflazenbauredakteur Klaus Strotmann

Noch ist das Gerät eine Studie und kostet in etwa dreimal soviel wie eine herkömmliche Spritze. Der Prototyp könnte aber den in Verruf geratenen chemischen Pflanzenschutz langfristig erhalten, meint agrarheute-Pflanzenbauredakteur Klaus Strotmann. Er hat sich den Smart Sprayer beim Praxiseinsatz in Sachsen-Anhalt angesehen.

Seine Meinung: „Die pflanzengenaue Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln wird in einigen Jahren fest etabliert sein. Davon bin ich überzeugt. Vor allem, weil der politische und gesellschaftliche Druck auf die Agrarchemie und die Anbauer immer weiter zunimmt.

Lösungen müssen her, wie Mittel wirklich nur noch dort ausgebracht werden können, wo sie auch wirken. Eine pflanzengenaue Behandlung kann uns dabei helfen, Wirkstoffe langfristig zu erhalten, die bei Flächenbehandlungen irgendwann verboten sein werden.

Vielleicht wird die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln irgendwann an eine Ausbringauflage geknüpft sein - "erlaubt nur bei pflanzengenauem Einsatz". Wenn es uns hilft, wichtige Werkzeuge weiterhin im Werzeugkasten zu haben, warum nicht?

Wer kann sich den Smart Sprayer leisten?

Allein, die Technik ist wahnsinnig teuer. Zwei- bis dreimal so viel wie eine übliche Spritze kostet der Prototyp, sagten mir die Entwickler von Amazone. Selbst wenn die Preise fallen: Nur Großbetriebe und Lohnunternehmer werden sie sich leisten können. Damit steigt der Kostendruck für die Anbauer.

Letztlich ist da - wie bei allen Abwägungen zwischen Eigen- und Fremdmechanisierung - eine nüchterne Bilanz fällig: Was kostet mich ein eigenes Gerät, was kostet der Lohni? Und wer beherrscht die Hightech besser?

Die beste Kameratechnik nutzt aber nichts, wenn sie unbezahlbar bleibt - egal, ob ich die Rechnung an den Lohnunternehmer zahle oder an den Hersteller der Spritze. Etablieren können sich Smartfarming-Lösungen nur, wenn für die Erzeuger irgendwo auch ein finanzieller Nutzen hängenbleibt. Konkrete Mitteleinsparungen wären der naheligendste Gedanke, bezahlte Ökosystemdienstleistungen, also mehr Biodiversität dank gezieltem Mitteleinsatz, ein anderer.
 

Sensoren müssen noch intelligenter werden

So oder so, damit Smart Spraying kein Rohrkrepierer wird, bleibt nur zu hoffen, dass mit der Masse die Technik bezahlbarer wird.

Und die Technik muss weitergedacht werden, denn vor allem die fungiziden Wirkstoffe sind unter Zulassungsdruck. Das Ziel muss sein, auch Blattkrankheiten bei der Überfahrt zu erkennen und Pflanzen je nach vorhandener Infektion zu behandeln. Das können die Sensoren heute noch nicht; sie unterscheiden lediglich zwischen Grün (Unkraut) und Braun (Boden) beziehungsweise im aktuellsten Entwicklungsschritt auch zwischen Grün (Kultur) und Grün (nicht Kultur).

Unkräuter oder gar Krankheiten zu unterscheiden, und das bei 12 km/h, und bitte nicht nur in Reihenkulturen, das bleibt eine kniffelige Ingenieursleistung. Aber genau dahin muss der Weg gehen. Denn die Verbote im chemischen Pflanzenschutz werden weiter gehen, soviel ist sicher."

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