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Getreide

Krim-Krise: Weizenpreise gehen durch die Decke

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von , am
04.03.2014

Mit einer außergewöhnlichen Preisrallye hat der Weizenmarkt auf die Zuspitzung des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine reagiert. Händler fürchten massive Probleme beim Export.

© Mühlhausen/landpixel
In Chicago machten die Weizenpreise am Montag einen Sprung von 4,6 Prozent (%). Das ist der stärkste Preissprung seit 17 Monaten. Zwischenzeitlich lagen die Weizenpreise sogar fast sechs Prozent im Plus.
 
Auch in Europa und Kanada zogen die Weizenpreise sowohl an den Terminmärkten als auch an den Kassamärkten kräftig an.

Händler fürchten massive Probleme beim Export

Hinter dem Preisanstieg stehen Befürchtungen, das die Exporte der Ukraine und auch Russlands bei Weizen (aber auch bei Mais und Ölsaaten) massiv gestört werden könnten. Gleichzeitig führt der drastische Wertverfall (Inflation) der ukrainischen und der russischen Währung dazu, das die Landwirte ihren Weizen (und anderes Getreide) erst einmal nicht mehr verkauften beziehungsweise zurückhalten.
 
Hinzu kommt, dass die politischen Turbulenzen und ihre ökonomischen Konsequenzen auch schon die nächste Ernte massiv beeinflussen. Das gilt sowohl für den Einkauf und Einsatz von Betriebsmitteln und Saatgut (Mais) als auch für die möglichen Produktionsmengen und Investitionen und vor allem für die künftigen Exportmöglichkeiten der Schwarzmeerländer.

Eigentlich noch viel Weizen für den Export vorhanden

Die Ukraine sollte nach bisherigen Schätzungen in diesem Wirtschaftsjahr etwa zehn Millionen Tonnen (Mio. t) Weizen exportieren. Damit ist die Ukraine in diesem Jahr nach Russland die Nummer sechs unter den globalen Weizenexporteuren mit einem Handelsanteil von etwa sechs Prozent.
 
Von den für dieses Wirtschaftsjahr erwarteten Weizenexporten sind nach Angaben der Ukraine von Juli 2013 bis zum 3. März 2014 bereits 7,4 Mio. t exportiert worden. 2,5 bis drei Millionen Tonnen Weizen warten damit noch auf die Ausfuhr. Über die Krim werden allerdings nur zehn Prozent der ukrainischen Getreideausfuhren abgewickelt, Hauptausfuhrhäfen sind Odessa und Nikolaev. Gleichwohl dürfte der politische Konflikt spürbaren Einfluss auf die Transport- und Lagermöglichkeiten haben.
 
Für die Ukraine macht die Ausfuhr von Agrarprodukten (vor allem Getreide und Ölsaaten) etwa 25 % des Gesamtexportes aus und trägt etwa fünf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Währungsverfall bringt viele Probleme

Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass © dlv
Erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Angebotssituation in beiden Schwarzmeerländern dürfte auch der durch den Konflikt ausgelöste drastische Verfall der ukrainischen und der russischen Währung haben. Die ukrainische Währung hat allein seit Mitte Februar zwölf Prozent an Wert verloren und der Rubel seit dem Jahreswechsel fast zehn Prozent.
 
Das verbilligt zwar kurzfristig die ukrainischen und russischen Exporte, gleichzeitig drückt die starke Inflation jedoch die Verkaufslöse der Landwirte (und verteuert die Betriebsmittel) in beiden Ländern, so dass zunehmend Getreide in den Betrieben zurückgehalten werden dürfte.

Einfuhrbeschränkungen für Weizen aus Russland?

Auch für die russische Weizenausfuhr dürfte der Konflikt Konsequenzen haben. So könnte es bei einer Verschärfung des Konflikts durchaus zu Einfuhrbeschränkungen für Weizen aus aus Russland kommen. Das würde das globale Angebot zusätzlich verknappen. Russland liegt unter den Weizenexporten weltweit auf Platz 5.
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