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Getreide

Wie läuft die Weizenernte?

von , am
30.07.2010

Bayern/Niedersachsen/NRW - In großen Teilen Deutschlands fiel wochenlang kein Regen. Hat dies dem Getreide geschadet? agrarheute.com fragte drei Weizenanbauer nach ihrer Ernteerwartung.

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70 bis 80 Dezitonnen, gute Proteinwerte
Emil Dobmeier, landwirtschaftliche Versuchsanstellung Microplot, 84082 Laberweinting Bayern

"Wir haben derzeit (Stand 28.07.) eine regenbedingte Unterbrechung der Rapsernte. Weizen wurde in der Gegend noch nicht geerntet, bis zum Drusch der frühen Winterweizensorten dauert es vermutlich noch eine Woche. Die Weizenertragserwartung liegt zwischen 70 bis 80 Dezitonnen pro Hektar und damit um circa zehn bis 20 Prozent unter dem zehnjährigen Durchschnitt. Auf Einzelflächen mit schlechterer Wasserführung kann die 70-Dezitonnen-Marke durchaus nach unten unterschritten werden. Nach reichlicher Wasserversorgung bis Mitte Juni hatten wir zur nachfolgenden Einkörnungsphase des Weizens etwa fünf Wochen Hitze (über 30 Grad-Celsius Tageshöchstwerte dauerhaft und Trockenheit). Die Hauptsorte beim Winterweizen 2010 im Betrieb ist Schamane (A6). Dieser hat momentan noch kein Lager und weist mittlere Bestandesdichten auf. Die N-Spätdüngung fiel noch in die Regenperiode, vermutlich gibt es bessere Proteinwerte als im vergangenen Jahr. Die Ährenbehandlung wird in den Versuchen und in der Praxis ihre Ertragswirkung nicht so sehr ausspielen können wie in den vergangenen Jahren." mehr ...

Rasante Abreife, rund zehn bis 15 Prozent weniger Ertrag
Erich Gussen, 52428 Jülich Nordrhein-Westfalen

"Eigentlich waren wir von einer späteren Ernte ausgegangen, da der Winterweizen erst um den 12. Juni blühte. Die Abreife ging dann aber in den letzten drei Wochen rasant voran. Die Ernte wird durch die Hitze und Trockenheit geringer ausfallen. Die Gewitter haben in den letzten Wochen bei uns in der Region nur wenig Niederschlag gebracht. Die Weizenernte hat im Nachbarkreis auf leichten Standorten begonnen, dort sind es 20 bis 30 Prozent weniger Ertrag als im Schnitt, auf unseren tiefgründigen Böden erwarte ich zehn bis 15 Prozent weniger Ertrag. Frühreife Sorten und Frühsaaten scheinen den Stress besser überstanden zu haben und werden durchschnittliche Erträge bringen. Besonders Hybridweizen wie Hystar und Hyland sind sehr stresstolerant. Sie sehen sehr gut aus. Spätsaaten, wie bei uns in der Region wegen des hohen Rübenanteils in der Fruchtfolge nicht selten, werden deutlich im Ertrag abfallen, da bereits in der Blüte hohe Temperaturen über 30 Grad Celsius herrschten. Die Erzeugerpreise bewegen sich momentan bei 150 Euro je Tonne. Aufgrund der ebenfalls mäßigen Ertragserwartungen in anderen wichtigen Anbauländern erwarte ich noch Spielraum nach oben." mehr ...

Leichtes Plus im Erlös deutet sich an
Friedrich Heins, Klostergut Uehrde, 38170 Uehrde Niedersachsen

"Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass man immer erst weiß, was man erntet, wenn man mit dem Mähdrescher auf dem Feld ist aber ich glaube an eine leicht unterdurchschnittliche Ernte, gemessen am langjährigen Durchschnitt, nicht an den letzten zwei Jahren, die auch bei uns Rekordjahre waren. Auf der Erlösseite deutet sich trotzdem ein Plus zum Vorjahr an. Ich habe bereits einen Teil der Ernte zu recht guten Preisen verkauft. Zur Sortenfragen sollte man sich meines Erachtens in Extremjahren zurückhalten, denn die Aussagen sind begrenzt. Robuste, gesunde und stresstolerante Sorten werden aber sicher besonders in so einem Jahr profitieren. Ich nenne hier exemplarisch Akratos oder auch Lahertis." mehr ...

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Nachgefragt - Die agrarheute.com Frage der Woche

Bayern - In großen Teilen Deutschlands fiel wochenlang kein Regen. Hat dies dem Getreide geschadet? agrarheute.com fragte Emil Dobmeier nach seiner Ernteerwartung.


Landwirtschaftliches Versuchswesen in Niederbayern

"Ich bin seit 1996 im landwirtschaftlichen Versuchswesen tätig und bin heute Leiter eines Ingenieurbüros für landwirtschaftliche Feldversuche. Mein 1999 gegründeter landwirtschaftlicher Betrieb liegt im Städtedreieck Regensburg-Landshut-Straubing im Landkreis Straubing-Bogen in Niederbayern. Die Lößlehmböden mit 70 bis 80 Bodenpunkten sind vorwiegend Parabraunerden mit teilweisen Bodenqualitäten wie im Gäuboden, jedoch stärkerem Wechsel von Rotlehm und Weißlehm. Ich bewirtschafte insgesamt 80 Hektar Ackerbau mit Schlaggrößen zwischen drei und 20 Hektar. Die Fruchtfolge ist sehr vielseitig, die Hauptkulturen sind Zuckerrüben, Winterweizen, Wintergerste und Raps, als weitere Fruchtarten baue ich Triticale, Sommergerste, Hafer, Körnermais und Chinaschilf an. Rund zehn Hektar sind durch Exaktversuche für mehrere Züchterhäuser belegt, dies bedingt auch die Vielfalt der Früchte. Vorfrucht für Winterweizen ist in der Regel die Zuckerrübe. Es gibt keinen Halmweizenanbau im Betrieb.

70 bis 80 Dezitonnen, gute Proteinwerte

Wir haben derzeit (Stand 28. Juli) eine regenbedingte Unterbrechung der Rapsernte. Weizen wurde in der Gegend noch nicht geerntet, bis zum Drusch der frühen Winterweizensorten dauert es vermutlich noch eine Woche. Die Weizenertragserwartung liegt zwischen 70 bis 80 Dezitonnen pro Hektar und damit um ca. zehn bis 20 Prozent unter dem zehnjährigen Durchschnitt. Auf Einzelflächen mit schlechterer Wasserführung kann die 70-Dezitonnen-Marke durchaus nach unten unterschritten werden. Nach reichlicher Wasserversorgung bis Mitte Juni hatten wir zur nachfolgenden Einkörnungsphase des Weizens ca. fünf Wochen Hitze (über 30 Grad Celsius Tageshöchstwerte dauerhaft und Trockenheit). Die Hauptsorte beim Winterweizen 2010 im Betrieb ist Schamane (A6). Dieser hat momentan noch kein Lager und weist mittlere Bestandesdichten auf. Die N-Spätdüngung fiel noch in die Regenperiode, vermutlich gibt es bessere Proteinwerte als im vergangenen Jahr. Die Ährenbehandlung wird in den Versuchen und in der Praxis ihre Ertragswirkung nicht so sehr ausspielen können wie in den vergangenen Jahren.

Wichtige Kultur für Prüfungen der Züchterhäuser

Der Weizen ist in meinem landwirtschaftlichen Betrieb nach der Zuckerrübe die zweitwichtigste Frucht. In Bezug auf das Ingenieurbüro ist er von der Züchterseite die am meisten nachgefragte Fruchtart für die Durchführung von Leistungsprüfungen beziehungsweise Spezialprüfungen auf Krankheitsresistenz."

Emil Dobmeier
Landwirtschaftliche Versuchsanstellung Microplot
84082 Laberweinting Bayern

Wie läuft die Weizenernte?

Nachgefragt - Die agrarheute.com Frage der Woche

Nordrhein-Westfalen - In großen Teilen Deutschlands fiel wochenlang kein Regen. Hat dies dem Getreide geschadet? agrarheute.com fragte Erich Gussen nach seiner Ernteerwartung.


Ackerbau in der Jülicher Börde

"Unser Betrieb liegt mitten in der Köln-Aachener Bucht in der Jülicher Börde. Wir haben durchweg Parabraunerden aus Löß mit 80 bis 90 Punkten. Der Jahresniederschlag beträgt 650 Millimeter, die Jahresdurchschnittstemperatur neun Grad Celsius. Neben meinem Ackerbaubetrieb führe ich für verschiedene Züchter Exaktversuche im Feldversuchwesen durch. Der Ackerbau umfasst 49 Hektar mit den Hauptkulturen Zuckerrüben, Winterweizen, Wintergerste und Biogasmais. Durch die Feldversuche kommen zusätzliche Früchte wie Triticale, Hafer und Sommerweizen hinzu.

Rasante Abreife, rund zehn bis 15 Prozent weniger Ertrag

Eigentlich waren wir von einer späteren Ernte ausgegangen, da der Winterweizen erst um den 12. Juni blühte. Die Abreife ging dann aber in den letzten drei Wochen rasant voran. Die Ernte wird durch die Hitze und Trockenheit geringer ausfallen. Die Gewitter haben in den letzten Wochen bei uns in der Region nur wenig Niederschlag gebracht. Die Weizenernte hat im Nachbarkreis auf leichten Standorten begonnen, dort sind es 20 bis 30 Prozent weniger Ertrag als im Schnitt, auf unseren tiefgründigen Böden erwarte ich zehn bis 15 Prozent weniger Ertrag.

Spätsaaten fallen im Ertrag deutlich ab

Frühreife Sorten und Frühsaaten scheinen den Stress besser überstanden zu haben und werden durchschnittliche Erträge bringen. Besonders Hybridweizen wie Hystar und Hyland sind sehr stresstolerant. Sie sehen sehr gut aus. Spätsaaten, wie bei uns in der Region wegen des hohen Rübenanteils in der Fruchtfolge nicht selten, werden deutlich im Ertrag abfallen, da bereits in der Blüte hohe Temperaturen über 30 Grad Celsius herrschten. Die Erzeugerpreise bewegen sich momentan bei 150 Euro je Tonne. Aufgrund der ebenfalls mäßigen Ertragserwartungen in anderen wichtigen Anbauländern erwarte ich noch Spielraum nach oben. Der Winterweizen hat im Betrieb nach der Zuckerrübe die wichtigste Stellung inne. Die Verwertung erfolgt über den Handel."

Erich Gussen
52428 Jülich Nordrhein-Westfalen

Wie läuft die Weizenernte?

Nachgefragt - Die agrarheute.com Frage der Woche

Niedersachsen - In großen Teilen Deutschlands fiel wochenlang kein Regen. Hat dies dem Getreide geschadet? agrarheute.com fragte Friedrich Heins nach seiner Ernteerwartung.


Pachtbetrieb im Landkreis Wolfenbüttel

"Ich bewirtschafte einen Pachtbetrieb der Klosterkammer Hannover. Uehrde liegt im südöstlichen Niedersachsen im Landkreis Wolfenbüttel. Die Böden liegen zwischen 50 und 100 Bodenpunkten, wir haben durchschnittliche Niederschläge von etwa 600 Millimeter pro Jahr. Leider ist die Verteilung selten optimal, so dass eine ausgeprägte Frühjahrstrockenheit, verbunden mit hohen Temperaturen regelmäßig die ganz großen Ernten, die viele Kollegen von unserer Region erwarten, verbrennen lässt. Dennoch gibt es sehr selten wirkliche Missernten, da der gute Boden ziemlich lange durchhält. Wir bauen auf unserem Betrieb Winterweizen, Wintergerste, Zuckerrüben und etwas Raps an. Zudem wurden in 2010 erstmals zusammen mit einem Partner einige Hektar Spargel gepflanzt. Neben dem eigenen Ackerbau werden Lohnarbeiten für zwei weitere Betriebe am Ort durchgeführt.

Leichtes Plus im Erlös deutet sich an

Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass man immer erst weiß, was man erntet, wenn man mit dem Mähdrescher auf dem Feld ist aber ich glaube an eine leicht unterdurchschnittliche Ernte, gemessen am langjährigen Durchschnitt, nicht an den letzten zwei Jahren, die auch bei uns Rekordjahre waren. Auf der Erlösseite deutet sich trotzdem ein Plus zum Vorjahr an. Ich habe bereits einen Teil der Ernte zu recht guten Preisen verkauft. Zur Sortenfragen sollte man sich meines Erachtens in Extremjahren zurückhalten, denn die Aussagen sind begrenzt. Robuste, gesunde und stresstolerante Sorten werden aber sicher besonders in so einem Jahr profitieren. Ich nenne hier exemplarisch Akratos oder auch Lahertis.

Hoher Weizenanteil aufgrund Vermehrung

Getreide spielt mit fast 70 Prozent eine wesentliche Rolle. Dies nicht zuletzt, weil wir seit vielen Jahren direkt für das Haus Strube in Söllingen Winterweizen vermehren. Im Grunde ist dabei der Winterweizenanteil etwas zu hoch, weil wir auch immer wieder einige Hektar Weizen zum dritten Mal in der Fruchtfolge haben. Dies geht selten sehr gut aus. Bisher fahren wir aber überwiegend getrennte Raps- und Rübenfruchtfolgen und tasten uns nur sehr vorsichtig an eine gemischte Raps-/Rübenfruchtfolge heran. Erbsen oder ähnliche Blattfrüchte sind gut für die Gesundung aber verkomplizieren die betrieblichen Abläufe und bringen einen zu geringen Erlös."

Friedrich Heins
Klostergut Uehrde
38170 Uehrde Niedersachsen

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