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Getreide

Landessortenversuche 2009

von , am
04.09.2009

Oldenburg - Der Winterroggenanbau konnte erneut eine Ausweitung der Anbaufläche erfahren. Letztlich resultiert aus den Ernteergebnissen eine Gesamtroggenmenge für Niedersachsen von rund 960.000 Tonnen, die zwölf Prozent über dem Vorjahr liegt.

© agrarfoto

Das Sortiment in den Landessortenversuchen besteht fast ausschließlich aus Hybriden. Dieser Sortentyp ist den Populationssorten inzwischen haushoch überlegen, so dass die höheren Saatgutkosten mehr als kompensiert werden.

Um einen Vergleich zu haben wird aber nach wie vor eine Populationssorte in die Versuche eingestellt. Bei den Hybridsorten der neuen Generation ist das Problem des Mutterkornbesatzes inzwischen züchterisch gelöst, indem diese Sorten über ein erhöhtes Pollenschüttungsvermögen verfügen.

Bei älteren Typen ist es nach wie vor erforderlich, etwa zehn Prozent Populationssaatgut beizumischen, um eine ausreichende Bestäubung sicher zu stellen.

Synthetisch hergestellte Sorten

Eine "Zwischenstellung" nehmen seit einigen Jahren die synthetischen Sorten ein. Die Produktion des Saatgutes erfolgt hierbei stets aus definierten, identisch reproduzierbaren Komponenten, die zusammen angebaut werden und dann gemeinsam abblühen.

Die Saatgutkosten liegen hier nur geringfügig über denen, der Populationssorten. Im Ertragsniveau übertreffen die synthe­tischen Sorten die Populationssorten häufig. Im diesjährigen Landessortenversuch wurde in der Standortregion der Sandböden Nordhannover, in der der Roggenanbau landesweit mit Sicherheit die größte Anbaubedeutung besitzt, ein Kandidat dieses Sortentyps geprüft.

Ein Nachbau des Erntegutes von Hybriden und synthetischen Sorten ist auf Grundlage des Sortenschutzgesetzes verboten. Ein Nachbau empfiehlt sich auch aus ackerbaulicher Sicht in jedem Fall nicht, weil hier Versuchsergebnisse bei beiden Sortentypen ähnlich un­wirtschaftliche Ertragsrückgänge gezeigt haben.

Ergebnisse der Sorten

Das Ertragsniveau in den Landessortenversuchen liegt ähnlich hoch wie im Vorjahr und gestaltet sich somit erneut sehr erfreulich. Vor allem auf den besseren Standorten wurde die Marke von 100 Dezitonnen pro Hektar (dt/ha) wiederum deutlich überschritten. Auf den Sandböden West fällt das Ertragsniveau gegenüber 2008 leicht ab. Unter diesen Bedingungen erbringt Amato einen durchschnittlichen Ertrag und liegt etwa auf Höhe des Vorjahres. Visello dagegen fällt gegenüber den Leistungen der vorangegangenen Prüfjahre deutlicher ab. Bellami positioniert sich nach einem besseren Ergebnis in 2008 im Bereich des Standardmittels. Minello rangiert etwas darunter und bestätigt somit das letztjährige Ergebnis.

Unter den neuen Sorten können Guttino und Palazzo die viel versprechenden Zahlen aus der Wertprüfung mit erfreulichen Erträgen bestätigen, was Helltop dagegen nicht gelingt. Conduct beweist, dass Populationssorten im Ertrag mit den Hybriden nicht konkurrieren können. In der Anbauregion der Sandböden Nord zeigt Amato ein Ergebnis, das ihm den Gruppensieg einbringt. Damit ist das letztjährige unterdurchschnittliche Abschneiden wohl als Ausrutscher zu werten. Umgekehrt ist die Situation bei Visello, der deutlich schlechter abschneidet als im Vorjahr. Auch Bellami und Minello können sich mit unterdurchschnittlichen Erträgen nicht so erfreulich präsentieren wie im Jahr 2008. Palazzo und Guttino schneiden leicht überdurchschnittlich ab. Helltop als dritte neue Hybridsorte kann weniger überzeugen. Wie bereits erwähnt erfolgte in dieser Anbauregion die Prüfung einer synthetischen Sorte. Das Ergebnis zeigt, dass Kapitän aus ertraglicher Sicht in etwa an die schwächeren Hybriden heranreicht.

Die Populationssorte Conduct rangiert unter den Bedingungen des hohen Ertragsniveaus weit abgeschlagen. Auf den Lehmböden erreicht Amato unter den mehrjährig geprüften Sorten einen durchschnittlichen Ertrag und ist somit wieder besser als im Vorjahr. Visello präsentiert sich schwächer und kann das gute Ergebnis aus 2008 nicht wiederholen. Er schneidet im Relativvergleich eher ähnlich wie 2007 ab. Minello verfehlt das Standardmittel knapp. Knapp dahinter liegt Bellami, der im Vorjahr deutlich besser war. Unter den neuen Sorten können Guttino und Palazzo erfreuliche Ergebnisse erzielen, was Helltop dagegen nicht gelingt. Wie in den anderen Anbauregionen beweist die Sorte Conduct auch hier, dass sie aus ertraglicher Sicht keine Alternative darstellt.

Qualitätsergebnisse

Aus den Ernteproben des Roggens werden als Qualitätsmerkmale nur das Hektolitergewicht und die Fallzahl bestimmt. Die Hektolitergewichte fallen in etwa in Höhe des Vorjahres aus. Insgesamt sind auch die Schwankungen zwischen den Sorten eher gering. Immer wieder stellen widrige Witterungsbedingungen in der Ernte eine Gefahr für beginnenden Auswuchs und somit gesteigerte Enzymaktivität im Korn dar, was letztlich zu einem Absinken der Fallzahlen führen kann.

Handelspartien des Roggens sollten Fallzahlen von mindestens 100 bis 120 Sekunden aufweisen. Die Untersuchungen zeigen, dass die diesjährigen Werte im Schnitt über die Sorten deutlich höher liegen als in den Vorjahren. Die Mindestanforderungen werden von allen Sorten erreicht. Eine schwächere Tendenz zeigt, wie auch bereits in der Vergangenheit, Amato. Eine sehr hohe Fallzahl erreichtGuttino.

Zur Beschreibung des Backverhaltens von Roggen ist aber der so genannte Amylogrammwert, der in keiner Beziehung zur Fallzahl steht, von wesentlich größerer Bedeutung. Zur Ermittlung dieses Parameters ist jedoch keine geeignete Schnellbestimmungsmethode vorhanden. Um Erntepartien abliefern zu können, die den Anforderungen entsprechen, stehen dem Landwirt neben Sortenwahl, der Vermeidung von Lager sowie möglichst zeitgerechter Ernte leider keine gezielten Steuerungsmöglichkeiten zur Verfügung. (pd)

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