Landwirten drohen Ertragsausfälle durch neue Getreidekrankheit
Weizenbrand kann zu fatalen Ertragsaufällen bis hin zum Totalausfall führen. In welchen Ländern die Krankheit bisher auftritt, wie man sie erkennt und was Landwirte dagegen tun können:
Der Pilz Magnaporthe oryzae Pathotyp Triticum löst die Getreidekrankheit aus. Die Krankheit bedroht die Weizenproduktion. Durch den Klimawandel findet der Pilz in Zukunft auch auf bisher nicht befallenen Teilen der Welt immer bessere Vermehrungsbedingungen.
Auch interessant: 5 Fakten zu fruchtbaren Böden: Das sollten Landwirte über Humus wissen
1. Weizenbrand hat nichts mit Weizenflugbrand oder Weizensteinbrand zu tun
Weizenbrand und die in Deutschland verbreiteten Pflanzenkrankheiten Weizenflugbrand oder auch Weizensteinbrand haben nichts miteinander zu tun. Weizenflugbrand wird von einem Pilz namens Ustilago tritici, Weizensteinbrand von Tilletia tritici und Weizenbrand von Magnaporthe oryzae Pathotyp Triticum ausgelöst.
Auch die Symptome der Krankheiten sind vollkommen unterschiedlich. Weizenflugbrand verursacht braune Brandähren und bei Weizensteinbrand bilden sich braune Brandbutten anstatt Weizenkörnern. Weizenbrand hat andere Infektionsbedingungen und äußert sich in verblichenen, silbrigen Ähren und Blattflecken.
2. Diese Kulturen kann der Pilz befallen
Weizenbrand kann Weizen und nahe Verwandte, wie Triticale, Gerste und Durum befallen. Es gibt auch Pathotypen, die Hirsearten, Reis, Hafer und viele andere ein- oder mehrjährige Gräserarten wie zum Beispiel Weidelgras befallen können. Kreuzinfektionen, sodass Weizenbrand Reis befällt und Reisbrand auslöst, oder umgekehrt, gibt es bisher nicht.
Die genetische Variabilität des Pathotyps Triticum ist jedoch größer als die der anderen Pathotypen. Weizenbrand verändert und entwickelt sich deshalb schneller als andere Pathotypen, die nur Reis oder Hirsen befallen.
3. Das sind die Symptome von Weizenbrand
Das markanteste Symptom der Krankheit sind silbrig verfärbte Ähren, während die Blätter der Pflanze grün bleiben. Die Ähren können je nachdem wo der Pilz die Pflanze infiziert hat, teilweise oder komplett silbrig oder ausgeblichen sein.
Befallene Blätter haben elliptische graue oder weißliche Läsionen. Auf Keimblättern sind diese ebenfalls elliptisch und grau oder weißlich, jedoch sind diese Flecken zusätzlich braun abgegrenzt. Am Stängel sind die grauen oder weißlichen elliptischen Läsionen im Gegensatz dazu dunkelbraun abgegrenzt.
4. Hier bedroht die Getreidekrankheit den Weizen
Die Krankheit tritt bisher nur in wenigen tropischen und subtropischen Regionen auf. Der erste Ausbruch war 1985 in Südamerika, genauer in Brasilien. Mittlerweile sind auch Getreidebestände in Argentinien betroffen. In Asien brach Weizenbrand in Bangladesh aus. Auch in Sambia in Afrika trat die Krankheit bereits auf.
5. In diesen Ländern könnte Weizenbrand in Zukunft auftreten
Eine aktuelle Studie hat mit Hilfe eines Modells herausgefunden, dass auch Weizenbestände anderer Länder durch den Klimawandel in Zukunft betroffen sein könnten. Vor allem in den Tropen und auf der Südhalbkugel findet Weizenbrand laut dem Modell zwischen 2040 und 2070 günstige Bedingungen vor. Dazu zählen:
- in Südamerika: Argentinien, Bolivien und Paraguay
- in Afrika: Sambia, Äthiopien, Kenia und Congo
- die USA und Mexico
- Uruguay, Japan, Italien, Spanien und Neuseeland
Viele dieser Länder sind bisher nicht von der Krankheit betroffen. Wenn der Pilz jedoch beispielsweise durch befallenes Saatgut oder die Sporen durch Winde verschleppt wird, findet er dort in Zukunft günstige Bedingungen vor sich auszubreiten.
6. Diese Infektionsbedingungen braucht Weizenbrand
Die besten Infektionsbedingungen hat der Pilz bei Temperaturen von 30 °C Temperatur und mindestens 10 Stunden Benetzungszeit in der die Luftfeuchtigkeit höher als 90 % ist (Zeit, in der die Blätter feucht bleiben). Bei mehr als 40 Stunden Benetzungszeit kann sich die Krankheit auch bei 25 °C entwickeln.
Diese Bedingungen sind in Europa bisher sehr unwahrscheinlich. Laut den Prognosen steigt das Risiko durch den Klimawandel in Zukunft jedoch an, sodass auch südeuropäische Länder wie Spanien und Italien betroffen sein könnten.
7. Ertrag: Diese Schäden verursacht Weizenbrand
Das größte Schadpotential entfaltet der Pilz, wenn er die Pflanzen während der Blüte, im Kornfüllungsstadium oder die Basis der Ähre befällt. In diesem Fall schränkt die Krankheit die Ährenentwicklung ein.
Die Ertragsausfälle variieren je nach Krankheitsschwere, Genotyp, Entwicklungsstadium bei Infektion, Aussaatzeitpunkt, Wetterbedingungen und Schweregrad des Befalls. In tropischen und subtropischen Regionen kann Magnaporthe oryzae zum Totalausfall des Weizens führen.
8. Weizenbrand und Reisbrand haben unterschiedliche Erreger
Reisbrand, eine viel bekanntere Krankheit, die beim Reisanbau auftritt, und Weizenbrand werden durch Magnaporthe oryzae ausgelöst. Bei den Krankheiten handelt es sich aber um unterschiedliche Erreger, auch Paythotypen genannt.
Reis wird vom Subtyp Orzyae befallen, während im Weizen der Subtyp Triticum den Weizenbrand auslöst. Früher wurde fälschlicherweise davon ausgegangen, dass der Reisbrand-Erreger auch Weizenbrand auslöst. Die Erreger sind sich zwar ähnlich, jedoch lösen unterschiedliche Subtypen die Krankheiten aus.
9. Das hilft gegen Weizenbrand
- Weizen-Urlaub: Indien hat an der Grenze zu Bangladesh nach dem Ausbruch von Weizenbrand in eine Bannzone für Weizen errichtet, um die Ausbreitung einzudämmen. In diesem Bereich durften Bauern keinen Weizen anbauen, sondern mussten auf Leguminosen und Ölsaaten umsteigen. Damit die Aussetzung des Weizenanbaus erfolgreich ist, ist auch der Anbau von alternativen Wirten wie Gerste, Durum oder Triticale verboten.
- Resistenzzüchtung: Die hohe genetische Variabilität von Magnaporthe oryzae Pathotyp Triticum erschwert die Resistenzzüchtung. Es gibt jedoch verschiedene Ansätze resistente Sorten zu züchten.
- Agrarmanagement: Weizenbrand kann mit einem integrierten Ansatz bekämpft werden. Zwischenwirte wie Gräser sollten Landwirte in betroffenen Regionen kontinuierlich bekämpfen. Auch weite Fruchtfolgen können den Krankheitsdruck mindern, jedoch sind viele Gräser Zwischenwirte für den Pilz. Das begrenzt die Möglichkeiten über die Fruchtfolgegestaltung. Der Pilz überlebt auf Pflanzenresten, weshalb es förderlich ist deren Rotte zu fördern oder zu pflügen. Die Auswahl eines geeigneten Saatzeitpunkts kann verhindern, dass die Pflanzen in einer warmen Regenphase blühen. So kann das Infektionsrisiko gesenkt werden. Auch unterschiedliche Sorten helfen das Risiko einer Infektion zu streuen.
- Fungizide: Beizen mit Wirkstoffen wie zum Beispiel Benomyl oder Difenoconazol helfen gegen den Pilz. Auch die Blattapplikation von Mancozeb-haltigen Mitteln oder Kombinationen aus Triazolen und Strobilurinen dämmen die Krankheit ein.
- Mineralische Ernährung: Die Versorgung mit den Nährstoffen Calcium und Eisen hat einen Einfluss auf den Schweregrad der Getreidekrankheit. Sind Calcium und Eisen im Mangel, ist die Abwehr der Pflanze gegen der Erreger geschwächt. Stickstoff sollte den Kulturen in betroffenen Regionen nur in Maßen zur Verfügung gestellt werden, denn hohe Stickstoffgaben erhöhen die Anfälligkeit der Pflanzen.
- Vorhersagen-Modelle: Vorhersagemodellen, die Temperatur und Luftfeuchtigkeit nutzen, können Landwirten in betroffenen Regionen helfen, um potentielle Infektionzeiträume zu identifizieren. So können prophylaktische Fungizidmaßnahmen Infektionen verhindern.