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Wintergerste

Laternenblütigkeit: Darum sind so viele Gersten leer

Laternernblütigkeit an Wintergerste nach Frost
am Freitag, 12.06.2020 - 06:03 (Jetzt kommentieren)

In Nordbayern sind tausende Hektar Gerste betroffen: Keine befruchteten Körner in den Ähren. Der Schaden entstand am 12. Mai.

In den empfindlichen Stadien zum Schossen um den 14. April und vor allem zur Blüte in der Nacht auf den 12. Mai haben wiederholte Spätfroste in Unterfranken massive Schäden in der Wintergerste verursacht, die sich jetzt bemerkbar machen.

Zusätzlich zu den schon trockenen Verhältnissen Nordbayerns sorgt der Frost nun vereinzelt für Totalausfälle ganzer Flächen: Zeichen der sogenannten Laternenblütigkeit sind einzelne Spindelstufen, teilweise ganze Ähren oder gar Teile ganzer Gerstenbestände, die nicht ausreichend befruchtet sind. Der Frost traf die Gerste während der Blüte und die Ährchen sind nun leer.

Leere Ähren bei allen Sorten und zwei- und mehrzeiligen Typen

Schimmert durch die Ähren das Licht, werden sie kein Korn ausbilden. Drückt man die Spelzen zusammen, tritt kein wässrig-milchiger Saft und bei schon sehr weit entwickelten Beständen auch keine teigige Masse aus.

Sortenunterschiede sind nicht festzustellen und sowohl zweizeilige als auch mehrzeilige Sorten sind betroffen. Entscheidend war das Entwicklungsstadium des Bestands an diesen Terminen.

In Mittelfranken gut die Hälfte der Gerste im Schadensgebiet

Jürgen Hufnagel vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ansbach berichtete unseren Kollegen vom Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt, dass in Mittelfranken gut die Hälfte der gesamten Wintergerstenbestände im Schadensgebiet liege.

Von diesen rund 20.000 ha seien etwa 5.000 ha schadensfrei – beim Rest reiche die Spanne von geringen Schäden bis hin zu 90 Prozent Ertragsverlust. „Je weiter nördlich, desto stärker die Schäden“, weiß Hufnagel. Dementsprechend seien auch in Unterfranken massive Schäden aufgetreten. In Oberfranken beliefen sie sich gebietsweise auf 50 bis 80 Prozent.

Ganzpflanzensilage oder abwarten?

Vielfach sind betroffene Flächen bereits als Ganzpflanzensilage (GPS) geerntet worden. Die Entscheidung, ob der GPS-Schnitt oder das Stehenlassen die sinnvollere Entscheidung ist, hängt von einzelbetrieblichen Faktoren ab.

Etwa, ob die Gerste als Futter und das Gerstenstroh im eigenen Betrieb gebraucht wird, inwieweit sich die Zweitfrucht – oft Mais, Kleegras oder Sorghumhirse – in die Fruchtfolge integrieren lässt, ihr ausreichend Wasser zur Verfügung steht und  ob diese Entscheidung in Konflikt mit förderrechtlichen Begrenzungen steht (Maisanteil, Kulap-Förderung).

„Viele Bauern machen sich Sorgen um die Futterverfügbarkeit, daher ist Mais oft das Mittel der Wahl“, sagt Anton Huber, Getreidereferent beim Bayerischen Bauernverband. „Der Mais kommt noch mit am besten mit unseren Wetterkapriolen zurecht und liefert gutes Futter.“

Frühzeitig „höhere Gewalt“ melden und mit dem Amt reden

Frank Strauß vom Bayerischen Bauernverband Nürnberg/Fürth/Erlangen rät, rasch die eigenen Gersten- und Triticalebestände auf Frostschäden zu prüfen. Betroffene Landwirte sollten dann umgehend ihre geschädigten Flächen dem AELF. Das sollte spätestens 15 Tage nach dem Feststellen des Schadens durch „höhere Gewalt“ infolge Frost passieren und am besten rechtzeitig vor einer GPS-Verwertung.

Die regionalen Pflanzenbauberater empfehlen, die Schläge genau zu prüfen, da die Situation von Schlag zu Schlag und auch innerhalb der Schläge stark variiert.

Düngeverordnung einhalten

Es ist zulässig, die Wintergerste beispielsweise zur GPS-Nutzung zu ernten und dann eine Zweitfrucht anzubauen. Klären Sie aber mit den regionalen Beratern, inwieweit sich der Aufwuchs aufgrund von Behandlungen verwerten lässt und welche Zweit-, Zwischen- und Folgefrüchte sinnvoll und möglich sind.

Dabei sind auch die Schritte und Regeln der Düngeverordnung zu beachten.

BBV-Berater Frank Strauß: „Bei rechtzeitiger Meldung ihrer geschädigten Flächen als Fälle „höherer Gewalt“ haben die Betriebe keine förderrechtlichen Nachteile zu erwarten.“

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Mit Material von BLW, AELF Ansbach, BBV Nürnberg
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