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Getreide

Lohnt sich der Braugerstenanbau?

von , am
09.07.2010

Niedersachsen/Baden-Württemberg - Bei der Braugerste scheiden sich die Geister. agrarheute.com fragt drei Landwirte aus drei verschiedenen Regionen nach dem Umfang des Braugerstenanbaus auf ihrem Betrieb und ihrer Einschätzung zur allgemeinen Braugerstensituation.

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Preise rechtfertigen Aufwand nicht
Gerhard und Christian Düvel, 29393 Groß Oesingen Niedersachsen

"Von ursprünglich 130 Hektar in den letzten Jahren sind noch 55 Hektar übrig geblieben. Wir hatten gute bis feuchte Saatbedingungen. Die Bestände entwickelten sich gut, auch die Wasserversorgung stimmte bis Anfang Juni. Der Krankheitsdruck ist gering bis normal. Wir erwarten eine normale Ernte, wenn die Wasserversorgung durch Beregnung sichergestellt werden kann, da seit Anfang Juni extreme Dürre herrscht. Die Preise in der Ernte werden eher schwach sein. Der hohe Aufwand ist bei der derzeitigen Preissituation nicht zu rechtfertigen." mehr ...

Zwölf Euro pro Dezitonne realistisch
Doris und Franz-Josef Dertinger GbR, 97990 Weikersheim Baden-Württemberg

"Wir hatten einen langen und frostigen Winter mit viel Schnee. Es war bis ins späte Frühjahr kalt. Der April war trocken und kühl, der Mai nass und kalt, der Juni normal. Es herrscht kein großer Krankheitsdruck. Momentan (7. Juli) herrscht Hitze, es "brennt" leider alles in Notreife zusammen. Wir erwarten durchschnittliche Erntemengen, die Qualitäten hängen von der weiteren Witterung ab. Als realistische Preiserwartung sehe ich zwölf Euro pro Dezitonne, besser wären jedoch 20 Euro. Ab Februar sind eventuell höhere Preise möglich." mehr ...

Erlöse unter Erzeugungskosten
Heinrich Edeler, Rittergut Ankensen, 31234 Edemissen Niedersachsen

"Eine Prognose zur Ernte ist schwierig, es hängt davon ab, wie lange die Pflanzen diese Hitze noch mitmachen. Bei der extremen Wärme kommt es zu einer unterschiedlichen Abreife und zu Notreife. Dann bekommen wir Probleme mit dem Vollgerstenanteil. Die Ware wird sicher abgenommen, höchstwahrscheinlich ziehen auch die Preise wieder ein wenig an, aber zu Preisen von zwölf Euro pro Dezitonne wie in den letzten Jahren können wir nicht produzieren." mehr ...

Lohnt sich der Braugerstenanbau?

Nachgefragt - Die agrarheute.com-Frage der Woche

Niedersachsen - Bei der Braugerste scheiden sich die Geister. agrarheute.com fragt Gerhard und Christian Düvel nach dem Umfang des Braugerstenanbaus auf ihrem Betrieb und ihrer Einschätzung zur allgemeinen Braugerstensituation.


Braugerste auf sandigen Böden mit Beregnung

Wir bewirtschaften einen 270 Hektar großen Ackerbaubetrieb im Nordkreis Gifhorn in der Ostheide. Die leichten sandigen bis humosen Sandböden mit durchschnittlich 24 Bodenpunkten sind zu 95 Prozent beregnungsfähig. Das Anbauverhältnis besteht aus 15 Hektar Speisekartoffeln für die Direktvermarktung und als freie Ware, 70 Hektar Industrie- und Stärkekartoffeln, 25 Hektar Zuckerrüben, 30 Hektar Wintergetreide (Roggen und Triticale), 65 Hektar Silomais, unter anderem für die Gemeinschafts-Biogasanlage, zehn Hektar Stilllegung und 55 Hektar Braugerste. Die Vermarktung geschieht über die heimische Genossenschaft und den Landhandel, bislang als Vertragsware.

Preise rechtfertigen Aufwand nicht

Von ursprünglich 130 Hektar in den letzten Jahren sind noch 55 Hektar übrig geblieben. Wir hatten gute bis feuchte Saatbedingungen. Die Bestände entwickelten sich gut, auch die Wasserversorgung stimmte bis Anfang Juni. Der Krankheitsdruck ist gering bis normal. Wir erwarten eine normale Ernte, wenn die Wasserversorgung durch Beregnung sichergestellt werden kann, da seit Anfang Juni extreme Dürre herrscht. Die Preise in der Ernte werden eher schwach sein. Der hohe Aufwand ist bei der derzeitigen Preissituation nicht zu rechtfertigen.

Eher Einschränkung als Ausdehnung

Sollten die Preise so bleiben bzw. nur leichte Preiserhöhungen zu verzeichnen sein, wird der Braugerstenanbau noch weiter eingeschränkt werden. Wir haben unseren Betrieb durch die vertragliche Bindung an den Maisanbau für die Biogasananlage festgelegt, deshalb wäre eine Ausdehnung des Braugerstenanbaus nur noch eingeschränkt möglich.

Gerhard und Christian Düvel
29393 Groß Oesingen Niedersachsen

Lohnt sich der Braugerstenanbau?

Nachgefragt - Die agrarheute.com-Frage der Woche

Baden-Württemberg - Bei der Braugerste scheiden sich die Geister. agrarheute.com fragt Doris und Franz-Josef Dertinger nach dem Umfang des Braugerstenanbaus auf ihrem Betrieb und ihrer Einschätzung zur allgemeinen Braugerstensituation.


Konzentration auf eine Sorte

Unser Betrieb liegt im Main-Tauber-Kreis im Nordosten von Baden-Württemberg. Die Höhe beträgt 360 m über NN, der durchschnittliche Jahresniederschlag ist 695 mm und die Jahrestemperatur liegt bei 8,9 Grad Celsius. An Boden haben wir Kalkbraunerde bis toniger Lehm, Muschelkalkverwitterungsböden mit Lößlehmauflage, die teils sehr steinig sind, teilweise auch reine Parabraunerde. Im Durchschnitt haben wir 55 Bodenpunkte. Die Betriebsfläche beträgt 98 Hektar, davon 87 Hektar Ackerland, sechs Hektar Grünland, vier Hektar Wald und ein Hektar Hof- und Gebäudeflächen sowie Ödland/Hecken. Die 87 Hektar Ackerland teilen sich auf in 30 Hektar Weizen, 20 Hektar Braugerste, zehn Hektar Wintergerste, 22 Hektar Raps, vier Hektar Mais und ein Hektar Blühmischung. 19 der 20 Hektar Braugerste sind mit Marthe bestellt, ein Hektar ist ein Sortenversuch. Vermarktet wird die Braugerste über die BAGeno Bad Mergentheim.

Zwölf Euro pro Dezitonne realistisch

Wir hatten einen langen und frostigen Winter mit viel Schnee. Es war bis ins späte Frühjahr kalt. Der April war trocken und kühl, der Mai nass und kalt, der Juni normal. Es herrscht kein großer Krankheitsdruck. Momentan (07.07.) herrscht Hitze, es "brennt" leider alles in Notreife zusammen. Wir erwarten durchschnittliche Erntemengen, die Qualitäten hängen von der weiteren Witterung ab. Als realistische Preiserwartung sehe ich zwölf Euro pro Dezitonne, besser wären jedoch 20 Euro. Ab Februar sind eventuell höhere Preise möglich.

In Zukunft Flächenrückgang bei Braugerste

Durch miserable, nicht kostendeckende Erzeugerpreise wird es zu einem dramatischen Flächenrückgang bei der Braugerste kommen. Auf dem eigenen Betrieb wird die Braugerste vermutlich leicht eingeschränkt werden. Sie passt zwar eigentlich von der Arbeitswirtschaft und vom Herbizidmanagement gut in die Fruchtfolge aber es sollten mindestens 17 bis 18 Euro je Dezitonne erlöst werden, wir Bauern wollen auch leben!

Doris und Franz-Josef Dertinger GbR
97990 Weikersheim Baden-Württemberg

Lohnt sich der Braugerstenanbau?

Nachgefragt - Die agrarheute.com-Frage der Woche

Niedersachsen - Bei der Braugerste scheiden sich die Geister. agrarheute.com fragt Heinrich Edeler nach dem Umfang des Braugerstenanbaus auf ihrem Betrieb und ihrer Einschätzung zur allgemeinen Braugerstensituation.


Vermarktung ohne Verträge

Unser Betrieb liegt im Nordkreis Peine. Der Ackerbau umfasst 45 Hektar Braugerste, 20 Hektar Zuckerrüben, 25 Hektar Mais, 20 Hektar GPS-Roggen, der an eine Biogasanlage geliefert wird und Stillegungsfläche. Der Ackerbau wird bis auf den Roggen beregnet. An Braugerstensorten haben wir Marthe, Quench und Sunshine. Die Vermarktung erfolgt ohne Verträge an Genossenschaften und Mälzereien.

Erlöse unter Erzeugungskosten

Eine Prognose zur Ernte ist schwierig, es hängt davon ab, wie lange die Pflanzen diese Hitze noch mitmachen. Bei der extremen Wärme kommt es zu einer unterschiedlichen Abreife und zu Notreife. Dann bekommen wir Probleme mit dem Vollgerstenanteil. Die Ware wird sicher abgenommen, höchstwahrscheinlich ziehen auch die Preise wieder ein wenig an aber zu Preisen von zwölf Euro pro Dezitonne wie in den letzten Jahren können wir nicht produzieren.

Aufwand wird nicht honoriert

Die Arbeit soll einem Spaß machen, ist aber kein Selbstzweck. Wir erzeugen ein gutes Produkt zum Bier brauen, wir machen die Sortenpolitik auf diesem Markt mit, da die Brauereien und Mälzereien sortenreine Ware brauchen aber wir bekommen den Aufwand nicht honoriert. Bei diesen schwachen Preisen wird der Braugerstenanbau sicher noch mehr eingeschränkt, dann ist weniger mehr. Wir wollen schließlich keinen Geldwechsel auf dem Acker. Die Entscheidung für die zukünftige Fruchtfolge auf dem eigenen Betrieb ist aber nicht einfach. Mais für Biogasanlagen gibt es in unserer Region genug, dieser Markt ist nicht mehr aufnahmefähig. Bei Kartoffeln würde ich Probleme mit der Arbeitswirtschaft und der Beregnung bekommen. Die Braugerste ist großflächig nicht zu ersetzen, sonst müsste ich Grünbrache machen.

Heinrich Edeler
Rittergut Ankensen, 31234 Edemissen Niedersachsen

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