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Zwei Junglandwirte unterwegs

Was kann man von Lettlands Ackerbaubetrieben lernen?

Erster Erntetag bei Gerhard Odinga.

Strip Till-Verfahren und Direktsaat, Wölfe, arbeiten mit schlechter Werkstattanbindung und eindrucksvolle Landschaften – Clemens und Lukas ziehen Bilanz nach ihrem Arbeitseinsatz in Lettland. Und wie geht es jetzt weiter?

am Sonntag, 23.10.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Zusammen starteten Sie Mitte Juli ihre Reise als Erntehelfer in Lettland. Clemens war insgesamt zehn Wochen vor Ort und Lukas sechs Wochen. In dieser Zeit erledigten sie alle anfallenden Arbeiten von der Ernte bis zur Aussaat. Was sie bei ihrer Reise und Arbeit in Lettland besonders beeindruckt hat, was sie für ihre Betrieb mitnehmen und wie es für sie weitergeht, verraten sie uns in ihrem dritten Teil der Serie.

Kontraststarke Landwirtschaft

Uns beiden hat es gut gefallen. Neben unserer Arbeit haben wir es auch geschafft die Hauptstadt Riga und die Ostsee an der Küste zu besuchen. Die Natur in Lettland ist beeindruckend. Neben vielen Seen konnten wir unteranderem die in Kritik stehenden Wölfe sehen. An meinem letzten Abend sind mir, Lukas, zwei Wölfe über das Feld gelaufen. Auf dem Land ist wenig Zivilisation. Viele sind Selbstversorger und bewirtschaften wenige Hektar in Eigenregie mit sehr alter Mähdruschtechnik und kleinen alten Traktoren. In einigen Fällen sogar mit Handarbeit. Auf der anderen Seite gibt es sehr große Betriebe mit modernster Technik, wie unsere. Der Kontrast zwischen den großen und kleinen Betrieben ist dabei in Lettland größer als bei uns in Deutschland. Biogasanlagen und Tierhaltende Betriebe gibt es in den Regionen, in denen wir uns befanden, nicht viele. Ackerbau war bei den meisten Betrieben der primäre Sektor.

Schlechtes Werkstattnetz fördert Kreativität

Das Werkstattnetz ist teilweise nicht gut ausgebaut. Aus diesem Grunde war man teilweise auf sich gestellt, wenn etwas kaputt gegangen ist. So haben wir gelernt aus möglichst wenig das meiste herauszuholen. Generell hat man sich dann intensiver mit der Funktion der Maschine beschäftigt und kannte ihre Schwachstellen schneller und konnte Defekte teilweise frühzeitig vorbeugen. Wir haben viel geschraubt und geschweißt. Je mehr man macht, um so mehr Wege findet man an manche Dinge heranzugehen und es möglichst effizient zu reparieren.

Nach der Ernte direkt in die Aussaat

Interessant war für uns, dass nach der Ernte direkt die Aussaat startete. Während wir zuhause um den 20 August mit der Rapssaat beginnen, war in Lettland die Aussaat so gut wie abgeschlossen. Auch interessant für uns war der Niederschlag. In der großen Trockenperiode in Deutschland in diesem Sommer, gab es bei uns in Lettland keinen Wassermangel. Teilweise waren nasse Stellen ein Problem, sodass es auch vorkam, dass ein Mähdrescher mal rausgezogen werden musste.

Generell haben wir viel über das Strip Till-Aussaatverfahren und der Direktsaat lernen können. In Deutschland hatten wir bis dahin damit wenig Berührungspunkte. Die kostentechnischen Ertragsfaktoren sind dabei interessant: hat man vielleicht bei wenig Bearbeitung und dem augenscheinlich ertragsmindernden Risiko mehr verdient, als wenn man intensiver mit mehreren Überfahrten und höherer Ertragserwartung arbeitet? Gerade in Zeiten, wo Energie teuer ist, ist die Frage sehr interessant. Bei diesem Verfahren spielen Zeit und Witterungen auch eine große Rolle.

Und nun?

Und wie geht es nun weiter mit unserer Reise? Wenn ihr diese Zeilen lest, sitzen wir schon im Flieger nach Perth, an die Westküste Australiens. Dort ist unser Ziel ein großer Ackerbaubetrieb mit Schafhaltung. Wir werden berichten.

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