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Getreide

Marktreport: Große Ernte - schlechte Preise?

© Rico Kammerer/fotolia
von , am
10.07.2014

Kurz vor Beginn der Haupternte 2014 sind die Getreidepreise in Europa auf das Niveau der Ernte 2013 zurückgefallen. Die europäischen Rapspreise rutschten sogar auf den tiefsten Stand seit vier Jahren.

© Mühlhausen/landpixel
Mit solch einem drastischen Preisrückgang hatte bis vor wenigen Wochen eigentlich kaum jemand gerechnet. Die Weizenpreise sind von Mitte April bis Mitte Juli um 17 Prozent (%) bzw. knapp 40 Euro/t gefallen und der Raps hat in der gleichen Zeit 21 % bzw. 90 Euro verloren. Auch die Preise für Gerste und Mais haben demnach kräftig nachgegen.
 
"Diese überaus kräftige Korrektur hat viele Landwirte überrascht. Die meisten Analysten hatten viel eher - spätestens Ende Juni - mit einer Konsolidierung der Getreidepreise auf dem bereist deutlich ermäßigten Niveau gerechnet", erklärt Dr. Olaf Zinke, Redaktionsleiter marktkompass im Marktreport-Interview.
Die Ursachen für den starken Druck auf die Preise macht Zinke an mehreren Punkten fest: "Hauptsächlich führten wohl die sehr guten und im Verlauf des Juni immer besser werdenden Ernteprognosen sowohl in Europa bei Weizen, Raps als auch in den USA bei Mais, Soja und Sommerweizen zu einer Anpassung der Preise an die sich verändernden Marktverhältnisse. Ende Juni hatten zudem aktuelle Daten zur Anbauentwicklung und zu den Lagerbeständen in den USA die Kurse an den internationalen Märkten auf Talfahrt geschickt." Zusätzlich wäre dann Anfang Juli der Druck aus der laufenden Winterweizenernte in den USA hinzugekommen. Diese laufe trotz der widrigen Witterungsbedingungen (Regen) überraschend zügig und ohne die zunächst befürchteten Qualitätseinbußen ab.

Geringe Anzahl an abgeschlossenen Vorkontrakten

Für die Europäer werden in den kommenden Wochen vor allem die wirklich eingebrachten Erntemengen als auch die Entwicklung an den Exportmärkten über das endgültige Niveau der Getreidepreise entscheiden, blickt Zinke voraus. "Vor allem bei Weizen und Gerste hatte der außergewöhnlich starke europäische und deutsche Export im letzten Jahr die Preise in der ersten Hälfte des Wirtschaftsjahres kräftig nach oben gezogen. Auch für das neue Wirtschaftsjahr sind die bislang erwarteten Exportmengen der Europäer bei Weizen und Gerste hoch, so dass ein deutlich preisstützender Effekt entstehen könnte," erklärt der Marktexperte weiter. Dieses mögliche Szenario hätten offenbar auch viele Landwirte erwartet, wenn man die geringe Anzahl der abgeschlossenen Vorkontrakte zur Ernte 2014 sehe. 

Weizenexport: EU-Kommission rechnet mit Rückgang

Bei den Weizenexporten erwartet die EU-Kommission laut Zinke im neuen Wirtschaftsjahr 2014/15 (wie die anderen Analysten auch) einen Rückgang. Allerdings rechnet man nach dem Ausfuhrrekord im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2013/14 immer noch mit der zweitgrößten jemals erreichten Ausfuhrmenge. Mit geschätzten 22 Mio. t (Weichweizen), bleibt die erwartete Exportmenge jedoch 7,0 Mio. t bzw. 24 % unter der von der Kommission für die letzte Saison ermittelten Rekordausfuhr von 29,0 Mio. t. "Das USDA erwartet bislang bei weitem nicht so einen deutlichen Rückgang der Ausfuhren wie die Kommission und ist für die neue Saison deutlich optimistischer", so Olaf Zinke abschließend.
 
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