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Getreide

Marokko: Bald doppelt soviel Getreideimporte?

von , am
21.03.2012

Nicht nur in Spanien müssen die Erwartungen an die Getreideernte 2012 wegen der Trockenheit nach unten geschraubt werden. Auf der anderen Seite des Mittelmeers, in Marokko, herrscht das gleiche Problem.

© Beuermann/landpixel
Bereits ohne größere Produktionsausfälle gehört das nordafrikanische Land zu den Top 10 der großen Weizenimporte und auch bei Gerste gehört Marokko zu den größten sieben Importeuren. Nach derzeitigen Schätzungen des USDA könnte die Getreideproduktion gegenüber dem Vorjahr um 60 Prozent einbrechen. Der Einfuhrbedarf könnte im Vergleich zum Vorjahr um rund drei auf 6,6 Millionen Tonnen zunehmen.
 
Das eröffnet neue Exportmöglichkeiten für die EU. Aus der EU bezieht das nordafrikanische Land zwei Drittel seines Import-Getreides. Weiter wichtige Lieferanten waren zuletzt Kanada, Argentinien und die USA. Der Anteil Russlands und der Ukraine an den Importen war bislang relativ gering.

Weizenproduktion mehr als halbiert

Die Weizenproduktion im laufenden Wirtschaftsjahr betrug 5,8 Millionen Tonnen (Weichweizen und Durum). Die Importmenge dürfte etwa bei 3,2 Millionen Tonnen liegen - und damit bei rund 40 Prozent (%) des Verbrauchs von 8,75 Millionen Tonnen.
 
Aus der EU wurden über mehr als zwei Millionen Tonnen Weizen eingeführt, davon 95 % aus Frankreich. Die Produktionsschätzungen für dieses Jahr gehen lediglich von einer Erntemenge von etwa 2,3 Millionen Tonnen aus. Damit erhöht sich der Importbedarf bei Weizen auf 5,6 Millionen Tonnen. Hintergrund ist der wenige Regen seit Herbst 2011, der in einigen Regionen zu einer deutlichen zeitlichen Verzögerung der Aussaat bis in den Dezember geführt hat. Dazu kam ein ungewöhnlicher Kälteeinbruch im Februar der die aufgelaufenen Saaten zusätzlich schädigte.
 
Lokale Wetterdienste melden von September bis März ein Niederschlagdefizit von 50 % im Vergleich zum Vorjahr und von knapp 40 % im langjährigen Vergleich. Mehr als 90 % der Ackerfläche werden nicht bewässert, was immer wieder zu straken Ertragsschwankungen führt. Der letzte dramatische Produktionseinbruch liegt nur wenige Jahre zurück und war 2007. Damals ging die Getreideproduktion insgesamt auf 2,3 Millionen Tonnen zurück.

Gerste schon jetzt knapp

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Gerste erzeugten die marokkanischen Landwirte im laufenden Wirtschaftsjahr etwa 2,34 Millionen Tonnen. Der Einsatz erfolgt vor allem in der Tierfütterung. Bei einem Gesamtbedarf von 3,1 Mio. t wurden rund 0,5 Millionen Tonnen importiert. Die kommende Ernte schätzt das USDA lediglich auf 0,9 Mio. t, so dass trotz geringeren Verbrauchs ein Importbedarf von gut einer Millione Tonnen entsteht.
 
Wegen der Trockenheit sind in diesem Jahr auch die Weiden in schlechtem zustand, so dass die Bestände an Futtergerste wegen der Zufütterung noch vor Erntebeginn deutlich geschrumpft sind. Gleichzeitig sind die Preise für Futtergeste an den lokalen Märkten nach oben geschossen.
 
Größter Gerstenlieferant für den marokkanischen Markt war im letzten Jahr Frankreich. In der Vergangenheit kamen auch größere Mengen aus der Ukraine.
 
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