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Getreideaussaat

Nässe: Was tun, wenn das Wintergetreide nicht ausgesät werden konnte?

Gummistiefel auf Acker
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Klaus Strotmann, agrarheute
am
22.12.2017

Im Norden stehen nach wie vor vielen Regionen unter Wasser. Was kann man tun, wenn der Weizen nicht mehr in den Boden kommt? Wir ordnen die Möglichkeiten ein.

Das Regenwetter der letzten Monate beschert den Ackerbauern in der gesamten Nordhälfte seit der Ernte enorme Probleme. Vielfach stecken immer noch Kartoffeln oder Zuckerrüben im Boden, Mais konnte trotz der Rekorderträge nicht gehäckselt werden. Auf ein Abtrocknen der Felder ist jetzt nicht mehr zu hoffen. Die drohenden Strukturschäden im Boden stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Winterweizen, -gerste und teilweise auch der Raps konnten nicht wie geplant ausgesät werden. Das spiegeln auch die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamts wider. Bundesweit ist die aktuelle Anbaufläche von Weizen um knapp 5 Prozent gesunken, in den nördlichen Bundesländern noch deutlich stärker: In Schleswig-Holstein um -27 Prozent, in Niedersachsen um -12 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern um -12 Prozent. In der Praxis sind die Rückgänge örtlich deutlich stärker, etwa entlang der Nordseeküste.

Noch bis in den Januar Weizen säen?

Die Aussaat von Wintergetreide scheint für dieses Jahr vorbei zu sein. Pflanzenbauberater Jan Juister aus Hude im nördlichen Niedersachsen sieht die Situation noch relativ entspannt. „Wir können bei uns in der Region noch bis Ende Januar Weizen säen.“

Vorausgesetzt ist, dass anhaltender Frost den Boden abtrocknen lässt. Juister: „Unsere Ackerbauern nehmen das aber relativ gelassen hin. Sie wissen, dass wir mit der Natur arbeiten und nicht gegen sie.“

Sommergetreide ist fast ausverkauft

Der Run auf das Sommergetreide hat längst begonnen, vielfach sind Sorten schon ausverkauft. Der Landhandel in Nordniedersachsen hat sich nach einer agrarheute-Abfrage aber frühzeitig eingestellt und hält noch Saatgut bereit. Berater raten aber unbedingt zu zertifizierter Saatware.

Eigener Nachbau und der Handel unter Nachbarn birgt das Risiko von mangelhafter Keimfähigkeit. „Jetzt wird es ganz entscheidend darauf ankommen, die Landwirte fit zu machen für die Bestandesführung beim Sommergetreide“, berichtet Jan Juister aus der Praxis.

Deckungsbeitrag selbst kalkulieren

Die im Handel erhältlichen Sorten stammen mangels heimischem Angebot häufig aus Frankreich oder Dänemark. Es ist damit zu rechnen, dass sie für unsere Anbaubedingungen nicht optimal angepasst sind. Fest steht aber: Es geht in diesem schwierigen Winter und Frühjahr um Schadensbegrenzung, nicht darum, maximale Erträge herauszuholen.

Die Preise für Sommergetreidesaatgut sind entsprechend der Nachfrage in die Höhe geschossen. Hier empfiehlt es sich genau zu rechnen, was sich lohnt und was nicht. Ein kostenloses Berechnungs-Tool der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) kann dabei hilfreich sein

Hier lassen sich die Deckungsbeiträge unterschiedlicher Kulturen anhand aktueller und anpassbarer Grundannahmen selbst ausrechnen.

Alternative: 2018 als Brache

Erste Betriebe spielen mit dem Gedanken, aufgrund mangelnder Rentabilität und um weitere Schäden zu vermeiden, die Flächen über das Frühjahr hinaus brachliegen zu lassen. Je nach Eigentumsverhältnis bleibt dann zwar nur die Prämie. Die deckt die Pacht nicht komplett, aber es fallen auch keine weiteren Zusatzkosten an.

Chance für die Fruchtfolge

Auch wenn es für die betroffenen Landwirte zynisch klingen mag - die Wetterkapriolen bergen eine gute Chance für Sommerungen. Gerade im von resistentem Ackerfuchsschwanz, Quecke oder Kohlhernie geplagten Norden ist Sommergetreide eine sinnvolle Ergänzung der Fruchtfolge. Hafer beispielsweise bietet eine völlig unterschätzte Vorfruchtwirkung: Nachfolgende Wintergerste profitiert ertraglich enorm!

Allerdings ist klar, dass die Vermarkungswege passen müssen. Sommergerste ist in den Veredelungsregionen attraktiv, wo die Abnahme garantiert ist, Hafer könnte preislich absacken, wenn die Menge steigt und Sommerweizen ist vor allem Protein- und weniger ein Ertragsbringer.

Vermarktung muss passen

Es ist damit zu rechnen, dass sich der Maisanbau in der kommenden Saison weiter ausdehnen wird. Wobei Silomais nur dort sinnvoll ist, wo er auch verkauft werden kann.

In klimatisch begünstigten Regionen wie der Köln-Aachener Bucht werden sich mit dem Schwenk auf Körnermais Alternativen auftun, die im Deckungsbeitrag mit dem Weizen in einer Liga spielen, ähnliches gilt für die Sojabohne. Auch Ackerbohnen und Erbsen sind von Interesse. Allerdings sind immer die vorhandene Technik, das Knowhow und der Vermarktungskanal die limitierenden Faktoren.

Nässe, Schlamm und Schnee: So sieht es auf norddeutschen Feldern aus

Wasser auf Wiese
Schlamm auf Feld
Voller Wassergraben
Nasse Wiese
Überschwemmung auf Wiese
Überschwemmung auf Wiese
Verschlammte Weide
Hochwasser auf Maisstoppeln
Hochwasser auf Maisacker
Überschwemmtes Stoppelfeld
Festgefahrener Traktor
Festgefahrener Traktor
Gefrorener, gepflügter Acker mit Stauwasser
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