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Pflanzenschutz

Nationaler Plan: So treibt Frankreich den Glyphosatausstieg voran

Kanister mit Pflanzenschutzmitteln
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Karl Bockholt, agrarheute
am
14.11.2018

Ende 2020 wollen die Franzosen den Glyphosatausstieg abschließen. Im Gegensatz zu Deutschland sind sich Landwirtschafts- und Umweltminister beim EU-Nachbarn einig.

Die französische Regierung hat ihre Pläne konkretisiert, wie sie den Einsatz von Glyphosat senken will. Sie setzt alle Hebel in Bewegung, um den Übergang gemeinsam mit den Landwirten zu meistern. In Deutschland sind sich Agrar- und Umweltministerien nicht einig.

Mit einem jährlichen Absatz von zuletzt 8.800 t ist Glyphosat in Frankreich nach wie vor das meistverwendete Herbizid. Um diese Zahl zu senken, werden fünf Punkte umgesetzt.

1. Anbauer über Alternativen besser informieren

Ein Ressourcenzentrum, das über bestehende Alternativen und Optionen für alle landwirtschaftlichen Einsätze informiert, soll noch vor Jahresende die Arbeit aufnehmen. Das kündigten Landwirtschaftsminister Didier Guillaume und Umweltminister François de Rugy bei einer gemeinsamen Anhörung vor dem Glyphosatausschuss der französischen Nationalversammlung an.

2. Alle relevanten Daten veröffentlichen

Zudem werden detaillierte Daten zum Handel mit dem Totalherbizid veröffentlicht. Kürzlich wurde ein Gesetzt verabschiedet, dass die Erzeuger stärken soll und die Trennung von Beratung und Verkauf im Pflanzenschutz vorsieht. Dafür wird derzeit eine Verordnung vorbereitet, die bis Ende März 2019 in Kraft treten soll.

3. Koordinator zwischen den Ministerien einsetzen

Fortschritte melden die beiden Ressortchefs auch bei dem interministeriellen Koordinator. Der Beauftragte soll den Glyphosatausstieg begleiten und helfen bei der schwierigen Aufgabe, einen Anbau hinzukriegen, die weniger vom chemischen Pflanzenschutz abhängig ist. 

Diesen Posten soll der im baden-württembergischen Lörrach geborene Präfekt Pierre-Étienne Bisch übernehmen. Seine Aufgabe wird es sein, den kontinuierlichen Dialog mit Fachleuten, Anwendern, Forschern, Umweltaktivisten, Landwirtschaftsberatern und Behörden sicherzustellen. So sollen sich alle Akteure bewegen. Regelmäßig soll er über Fortschritte berichten.

4. Gegebenenfalls Einsatzverbote in Betracht ziehen

Umweltminister De Rugy bekräftigt die Pläne der französischen Regierung, den Glyphosatausstieg bis Ende 2020 abzuschließen. Sollten bis dahin keine Fortschritte zu verzeichnen sein, werde ein Anwendungsverbot in Betracht gezogen. 

Auch Agrarminister Guillaume bekennt sich zu dem Ziel. Er mahnt jedoch, dass der stark verringerte Aufwand an Pflanzenschutzmittel einen „tiefgreifenden Wandel“ der Produktionsmodelle erfordere.

5. Vorreiterrolle einnehmen wie bei Neonicotinoiden

Seit dem 1. September gilt auch in Frankreich das Verbot von Neonicotinoiden. Der französische Dachverband der Pflanzenschutzindustrie will das aber zu Fall zu bringen. Er sieht EU-Recht verletzt und hat beim obersten Verwaltungsgericht Beschwerde eingelegt. Er scheiterte jedoch mit dem Versuch, das Verbot unmittelbar aussetzen zu lassen. 

Die französische Regierung indes hält ausdrücklich an ihrem Kurs fest. Die Minister erklärten bei einer Anhörung im Senat, das Anwendungsverbot für Neonicotinoide sei und bleibe Realität. Frankreich sei entschlossen, bei Neonicotinoiden wie beim Glyphosat eine Vorreiterrolle einzunehmen.

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