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Dünger

Neues EU-Düngemittelrecht: Biostimulanzien werden jetzt mitgezählt

Schossdüngung-Gerste
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Karl Bockholt, agrarheute
am
04.04.2019

Das EU-Parlament hat Ende März 2019 dem neuen EU-Düngemittelrecht zugestimmt. Neu geregelt sind Biostimulanzien. Für Schadstoffe und Schwermetalle werden Grenzwerte eingeführt.

Mit den neuen Rechtsvorschriften werden die altbekannten Düngemitteltypen abgeschafft. Stattdessen wird ein völlig neues System für EU-Düngeprodukte etabliert. Für Anwender und Hersteller von Düngemitteln, die auf EU-Ebene zugelassen werden, ändert sich damit Einiges.

Biostimulanzien und Recyclingprodukte geregelt

Erstmals sind neben mineralischen Düngern auch Recyclingprodukte ins Recht einbezogen. Weiter wird die neue Produktgruppe der Biostimulanzien geregelt. Sie galten bisher als Hilfsstoffe für Böden und Pflanzen, manchmal gar als Pflanzenschutzpräparate.

Im EU-Recht werden zudem auch Grenzwerte für Schwermetalle und andere Schadstoffe eingeführt. Gleichzeitig gibt es neue Vorschriften bei Kennzeichnung, bei Toleranzen und bei der Produktzulassung für Hersteller und Händler.

Die Abkehr vom bisherigen Typensystem und die zahlreichen Neuregeln fordern laut Industrieverband Agrar (IVA) „große Kraftanstrengungen“. Für die Anwender, vor allem Landwirte, heißt das, sich an etliche neue Bezeichnungen und Produkte zu gewöhnen.

Im Trialog-Verfahren zum EU-Kompromiss

Der Beschluss des EU-Parlaments ist der vorletzte Schritt auf dem Weg zu einem neuen EU-Düngemittelrecht. Nach Zustimmung des Rats treten die neuen Rechtsvorschriften wahrscheinlich Ende Mai 2019 in Kraft. Anwender, Hersteller und Anbieter von EU-Düngeprodukten haben dann drei Jahre Zeit, sich auf die Veränderungen einzustellen. 

Für die Produktgruppen gibt es dann etliche stoffliche Anforderungen, etwa Mindestgehalte an Nährstoffen, Höchstwerte an Schadstoffen, Angaben an Trockenmasse, Gehalte an organischem Kohlenstoff oder Höchstgehalte für Ammoniumnitrat und viele weitere.

Sieben Definitionen für Produkte

Demnach gibt es künftig diese Definitionen für sogenannte Produkt-Funktion-Kategorien:

1: Ein Düngemittel ist ein Düngeprodukt  mit CE-Kennzeichnung, das der Nährstoffversorgung von Pflanzen dient. 

2: Ein Calcium-/Magnesium-Bodenverbesserungsmittel ist ein Düngeprodukt mit CE-Kennzeichnung, das zur Korrektur des Säuregehalts des Bodens bestimmt ist und Oxide, Hydroxide, Kohlenstoffe oder Silikate von Calcium (Ca) oder Magnesium (Mg) enthält. 

3: Ein Boden-Verbesserungsmittel ist ein Düngeprodukt mit CE-Kennzeichnung, das in den Boden eingebracht wird, um seine physikalischen oder chemischen Eigenschaften, die Struktur oder die biologische Aktivität zu erhalten, zu verbessern oder zu schützen. 

4: Ein Kultursubstrat muss aus einem anderen Stoff als Erdboden bestehen und ist als Substrat für die Wurzelentwicklung bestimmt.

5: Ein agronomischer Zusatzstoff ist ein CE-gekennzeichnetes Düngeprodukt, das einem Produkt, mit dem Pflanzen mit Nährstoffen versorgt werden, hinzugefügt wird, um die Freisetzung von Nährstoffen zu verbessern. 

6: Ein Pflanzen-Biostimulanz ist ein Düngeprodukt mit CE-Kennzeichnung, das pflanzliche Ernährungsprozesse unabhängig vom Nährstoffgehalt stimuliert, wobei es ausschließlich auf verbesserte Pflanzenmerkmale abzielt: effizientere Nährstoffverwertung, Toleranz gegenüber abiotischem Stress oder Qualitätsmerkmale der Kulturpflanze. 

7: Eine Düngeproduktmischung ist ein Düngeprodukt mit CEKennzeichnung, das aus einem oder mehreren Düngeprodukten mit CE-Kennzeichnung der Kategorie 1 bis 6 besteht.

Die Kategorien der Komponenten sind im Wesentlichen Stoffe und Gemische aus unbearbeiteten Rohstoffen, unverarbeiteten oder mechanisch verarbeiteten Pflanzen, Pflanzenteilen oder –extrakten, Komposte, Gärrückstände von Energiepflanzen und andere Gärrückständen, aber auch Nebenprodukte der Nahrungsmittelindustrie, weiter Mikroorganismen, agronomische Zusatzstoffe, Nährstoff- und sonstige Polymere und sogar bestimmte tierische Nebenprodukte.

Mit Material von BMEL, IVA
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