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Getreide

Nordafrika-Krise: Exporthandelsströme nicht gestört

von , am
08.03.2011

Wien - Sowohl die EU als auch die USA bekamen die durch die Krisen in Nordafrika und dem Nahen Osten befürchteten Störungen der Exporthandelsströme bisher nicht zu spüren.

© Mühlhausen/landpixel
Die EU erteilte in der vergangenen Woche Exportlizenzen für 244.000 Tonnen Weichweizen und die USA brachten es auf 560.000 Tonnen Weizenexport, wovon knapp ein Drittel auf Ägypten entfiel. Dennoch konnte sich die Euronext in Paris dem jüngsten neuerlichen Aufwärtstrend der Weizenfutures an der CBOT in Chicago nicht anschließen. Die europäischen Notierungen leiden unter einem starken Euro und am Mangel an frischen Impulsen, während die US-Notierungen umgekehrt von einem schwachen Dollar und dementsprechend rosigen Exportaussichten profitieren und anhaltende Trockenheit im Winterweizenanbaugebiet zusätzlich für Befestigung sorgt.
Während etwa der europäische Weizenfutures für den Liefertermin März 2011 an der Euronext in Paris kurzfristig um 11,5 Prozent gegenüber seinem Kontrakthoch vom 9. Februar abgestürzt war, sei das Minus bei Premium- und Qualitätsweizen von 6,6 beziehungsweise 5,6 Prozent vergleichsweise moderat.

Russland schließt Verlängerung des Exportstopps bis Ende 2011 nicht aus

Russland könnte sein Exportverbot für Getreide bis Ende des laufenden Kalenderjahres 2011 verlängern. Der erste stellvertretende Ministerpräsident, Viktor Subkow, erklärte in der vergangenen Woche vor Journalisten, darüber gebe es in der Regierung ernste Überlegungen. Dennoch, so Subkow laut dem Moskauer Informationsdienst Finmarket, wolle das Kabinett zuvor die Situation am Getreidemarkt im März gründlich analysieren. Der in Russland Mitte August vergangenen Jahres ursprünglich bis Jahreswechsel 2010/11 verhängte Ausfuhrstopp wurde bereits einmal, bis Ende des laufenden Wirtschaftsjahres, verlängert. Allerdings hat schon Landwirtschaftsministerin Jelena Skrynnik eine Verschiebung der Aufhebung auf Oktober nicht ausgeschlossen.
Als Auslöseschwelle für eine Wiederaufnahme der Exporte wurde immer wieder ein Ernteziel von zumindest 85 Millionen Tonnen Getreide im kommenden Sommer kolportiert. Russland, Weißrussland und Kasachstan erleichtern Getreideimporte Weizen sowie Roggen und Hafer dürfen nach Russland, Weißrussland und Kasachstan bis 30. Juni dieses Jahres zollfrei importiert werden. Das hat die Kommission der Dreiländer-Zollunion beschlossen. Den vorübergehenden Verzicht auf den fünfprozentigen Einfuhrzoll hatte zuvor die Russische Getreideunion angesichts der Ernteausfälle 2010 empfohlen. Wie aus der Mitteilung hervorgeht, wurde jedoch dem Vorschlag in Bezug auf Gerste und Körnermais vorerst nicht entsprochen.

Ukraine debattiert weiterhin Staatseinfluss auf Getreideexporte

Der Agrarausschuss im ukrainischen Parlament hat den Abgeordneten empfohlen, einer Neufassung des umstrittenen Gesetzesentwurfs für ursprünglich quasi ein Staatsmonopol im Getreideexport zuzustimmen. Das Papier wurde auf Vorschlag des Agrarausschusses überarbeitet. Der Neufassung nach seien zu Exporten von Getreide nun Landwirtschaftsbetriebe im Rahmen der eigenen Produktionsmengen sowie eine Handelsgesellschaft mit staatlicher Beteiligung von mindestens 25 Prozent zu berechtigen, aber auch andere Unternehmen unter strengen Auflagen. Diese Auflagen sehen unter anderem den Abschluss von Verträgen mit Agrarproduzenten über die Erzeugung entsprechender Mengen von Getreide sowie Vorschusszahlungen von mindestens 50 Prozent des Börsenpreises für das jeweilige Produkt vor, berichten die Landesmedien unter Berufung auf eine Mitteilung des Parlamentspressedienstes.

Investitionen in landwirtschaftliche Technologien dringend notwendig

Laut der ursprünglichen Fassung hätte Getreide nur von den Produzenten selbst und der staatlichen Handelsgesellschaft ausgeführt werden dürfen. Wie berichtet, wurde diese wegen des praktischen Ausschlusses privater Händler von Exportgeschäften scharf im In- und Ausland kritisiert. Inzwischen hat Landwirtschaftsminister Nikolai Prisjashnjuk die im Land tätigen Agrarhandelsgesellschaften aufgefordert, sich aktiv an der Getreideerzeugung zu beteiligen. Nicht mehr akzeptabel sei ihm zufolge, dass die Händler im Juli Getreide bei Produzenten billig aufkauften und ab August schon Überprofite aus Exporten erzielten.
Insofern müssten sie bereits ab Herbst gemeinsam mit der Landwirtschaft und dem Staat in Landtechnik und Bodenbearbeitung zur folgenden Ernte investieren und auch sämtliche Produktionsrisiken mit ihnen teilen. Bislang, so der Minister, hätten die Handelsgesellschaften ihr Geld allein in den Ausbau der Exportinfrastruktur investiert. Heute seien aber die Investitionen in die technologische Umrüstung der Landwirtschaft dringend notwendig.

Karten in österreichischer Biogetreidevermarktung werden neu gemischt

Indes scheinen in Gesprächen zwischen der neu gegründeten BGA Bio Getreide Austria GmbH, einem Unternehmen der Raiffeisen Ware Austria AG, und den Biobauernverbänden sowie der Bio-Qualitätsgetreide GmbH mit Beteiligung der Biobauernlandesverbände substanzielle Fortschritte erzielt worden zu sein, heißt es in Branchenkreisen. Die neue BGA wird demnach ab der Ernte 2011 ausschließlich Ware - auch von Codex-Betrieben - übernehmen, die nach dem strengen Bio Austria-Standard zertifiziert wurde. Unabhängige Kontrollstellen werden den Zertifizierungsstatus der landwirtschaftlichen Betriebe festlegen. Entsprechende Übernahmeverträge zwischen Lagerhäusern und Landwirten werden ab dem Frühjahr aufliegen. Die BGA wird vorerst zumindest über ein Netz von Biolagerstellen der niederösterreichischen und burgenländischen Lagerhäuser Ware übernehmen und wird das System der Poolvermarktung auch im Biobereich etablieren. Den Biolandwirten beziehungsweise deren Verbänden sollen über einen Beirat entsprechende Mitsprache beziehungsweise Mitgestaltungsmöglichkeit an der Biovermarktung durch die BGA eingeräumt werden - die Verbände sollen aber im Gegensatz zu ihren Beteiligungen an der Bio-Qualitätsgetreide GmbH und zur Agentur für Biogetreide kein direktes finanzielles Engagement eingehen.

Forderungsverzicht der Österreichischen Agentur für Biogetreide - Insolvenz droht

In Branchenkreisen heißt es, dass diese Direktbeteiligungen der Bioverbände schon ein erhebliches Risiko darstellten, da der Aufkauf des Getreides einen hohen Kapitalaufwand erfordere beziehungsweise im Falle der Agentur für Biogetreide die Insolvenz nunmehr sicher scheint. So wandten sich die Agentur und ihre Gesellschafter Bio Austria Niederösterreich und Burgenland Mitte Februar in gemeinsamen Schreiben an jene Biobauern, die von der Agentur für ihre Ernte 2009 noch immer kein Geld gesehen haben: Darin bietet die Agentur in einer Zustimmungserklärung den betroffenen Biobauern eine 30-prozentige Quote für die Ernte 2009 an, die sie - "um einen erfolgreichen Weiterbestand der Österreichischen Agentur für Bio Getreide GmbH zu gewährleisten" - in drei Raten zum jeweils 31.03.2011, 2012 und 2013 bezahlen will. Im Begleitschreiben der beiden Biolandesverbände sprechen die Gesellschafter offen davon, sollte der Forderungsverzicht nicht von an die 100 Prozent der Biolandwirte akzeptiert werden, "besteht Insolvenzgefahr für die Agentur für Biogetreide". Weiters übt das Schreiben zumindest sanften Druck auf das Unterzeichnen des Forderungsverzichts aus, indem es heißt, dass "alle Zahlungen, die die Agentur sechs Monate rückwirkend ab Insolvenzantrag getätigt hat, vom Masseverwalter im Falle einer Insolvenz rückgefordert werden können beziehungsweise werden". Dem Vernehmen stehe die Insolvenz der Agentur nunmehr fest und sei eine Bereinigung der Vermarkterstruktur immer wahrscheinlicher, weil zahlreiche Landwirte sich doch nicht mit diesem Forderungsverzicht hätten abspeisen lassen und ihre offenen Forderungen eingeklagt hätten.

Hören Sie in unserem Podcast, wie die aktuelle Situation am Düngermarkt ist und welchen Einfluss die Unruhen in Nordafrika darauf haben. anhören ...
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