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Schweizer Volksinitiative

Ohne Pflanzen- und Vorratsschutz: Weniger Nahrung, mehr Risiken

Unkrautbekämpfung-Wintergetreide
am Freitag, 16.10.2020 - 07:00 (Jetzt kommentieren)

Der Verzicht auf chemische Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel verringert die Lebensmittelerzeugung und erhöht die Produktionskosten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität St. Gallen.

Der Verzicht auf chemische Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel verringert die Lebensmittelerzeugung . Sie erhöht Produktionskosten und Hygienerisiken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität St. Gallen in der Schweiz. Sie untersucht die die Folgen der Volksinitiative „Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide“. Die Initiative will den Einsatz chemischer Pflanzen- und Vorratsschutzmittel nicht nur im Inland verbieten, sondern auch für importierte Lebensmittel.

Die Studie wurde unter anderem vom Schweizer Bauernverband (SBV), der Föderation der Schweizerischen Nahrungsmittel-Industrien und der Interessengemeinschaft Zukunft Pflanzenschutz in Auftrag gegeben.

Studie: Ohne Pflanzen- und Vorratsschutz problematisch

Hätte das Referendum Erfolg, würden die pflanzliche und tierische Produktion gesenkt. Es wäre nur noch Biolandwirtschaft möglich. Und Biobetriebe hätten niedrigere Erträge, höhere Grünlandanteile und rund 30 Prozent weniger Tiere pro Hektar.

So käme es demnach in der Schweiz zu einem Rückgang des Selbstversorgungsgrads von heute

  • 60 Prozent auf nur noch
  • 42 Prozent.

Zu erwarten sei zudem, dass sich das Produktsortiment stark ändere. Das regionale Angebot an Zucker, Obst, Gemüse, Kartoffeln und Fleisch würde demnach drastisch gesenkt oder sogar ganz wegfallen. 

Desinfektions- und Schädlingsbekämpfungsmittel ebenfalls betroffen

Die öffentliche und politische Debatte fokussiert sich auf Pflanzenschutzmittel. Laut dem SBV spielen aber auch die Vorratsschutzmittel und Desinfektionsmittel wichtige Rolle. Sie seien beim Lagern und Verarbeiten von Lebensmitteln kaum durch nicht-synthetische Produkte ersetzbar.

Die Schweizer Volksinitiative gefährde deshalb die Sicherheit und Qualität der Lebensmittel, besonders von Fleisch. Die gesamten Wertschöpfungsketten seien stark betroffen. Laut SBV sei es dann es kaum mehr möglich, unter Einhaltung der geltenden Hygienestandards Tiere zu schlachten und Fleisch zu verarbeiten.

Ohne Schädlingsbekämpfung enorme Verluste zu erwarten

Ebenfalls betroffen seien die Vorratsläger von Lebensmitteln und Rohstoffen. Ohne chemische Schädlingsbekämpfung würden die dortigen Verluste zunehmen. Um den Bedarf der Schweizer Nahrungsmittelindustrie zu decken, würden bei einer vollen Umsetzung der Volksinitiative zum Beispiel

  • 21 % der weltweiten Biokaffeeproduktion und
  • 50 % der globalen Biokakaoproduktion benötigt.

Der Schweizer Bauernverband gibt zu bedenken, dass die Importbeschränkungen der Volksinitiative mit den internationalen Abkommen kaum vereinbar seien. Außerdem drohe die Gefahr, dass viele Lebensmittelhersteller in der Schweiz ihre Produktion ins Ausland verlagerten.

Mit Material von AgE, SBV
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