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Lebensmittelsicherheit

Pflanzenschutz: Mehrheit hält Rückstände für illegal

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Karl Bockholt, agrarheute
am
19.11.2018

Mit modernen Analysemethoden lässt sich alles nachweisen. Akzeptable Risiken blenden viele Verbraucher aber komplett aus. Das sagt selbst der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung.

Ganz ohne Spuren geht es nicht, auch wenn noch so nachhaltig geackert wird. Die Erwartbarkeit von Pflanzenschutzmittelrückständen und auch ihre Legalität in Lebensmitteln sind einem Großteil der Bevölkerung aber nicht bewusst. Das sagt der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Prof. Andreas Hensel. 

Nach einer Erhebung des BfR vom Februar 2018 zählen Antibiotikaresistenzen, Rückstände bei Pflanzenschutzmitteln, Glyphosat und Mikroplastik zu den Themen, die die Verbraucher bei der Lebensmittelsicherheit am meisten beunruhigen.

Wenn jegliches Maß verlorengeht

Zwei Drittel der Menschen halten demnach das Vorkommen entsprechender Stoffe in Nahrungsmitteln für illegal. Hensel sieht dabei zwei Gründe für den Vertrauensverlust gegenüber öffentlichen Stellen. Erstens: das mangelnde Wissen über die staatliche Vorsorge zur Minimierung von Risiken. Zweitens: die falsche Einschätzung akzeptabler Risiken.

„Diese Aspekte haben mit der Gefährdung der Bevölkerung aber nichts zu tun“, stellt Hensel klar. Ernst zu nehmen seien dagegen die häusliche Hygiene oder Campylobacter-Bakterien in Lebensmitteln. Die gelangen durch mangelnde Küchenhygiene dorthin.

Allerdings tauchen diese Gefahrenquellen in der öffentlichen Wahrnehmung kaum auf. Dabei erkranken jedes Jahr mehrere Hunderttausend Menschen daran. „Wäre das aber bei nur fünf Personen aufgrund von Pflanzenschutzmittelrückständen der Fall, würde die Bundeslandwirtschaftsministerin sofort ihr Amt verlieren“, so der BfR-Präsident.

Ein Zuckerwürfel im Starnbeger See nachzuweisen

Pflanzenschutzmittelwirkstoffe und Lebensmittelzusatzstoffe unterliegen laut Hensel einer strengeren Kontrolle als Spielzeug oder Kosmetika. Die Grenzwerte für Rückstände würden mit einem großen Abstand zur Schwelle angesetzt, in der sie für einen Menschen gesundheitsgefährdend wirken könnten. 

Für Produkte, die in größeren Mengen in den Verzehr gelangten, wie beispielsweise Weizen, liegen sie relativ betrachtet noch einmal niedriger. So ist es wichtig, sich die Verhältnismäßigkeit von Analysen zu vergegenwärtigen. Denn Labore sind heute ohne weiteres in der Lage, einen Zuckerwürfel im Starnberger See nachzuweisen.

Gefahr ist nicht gleich Risiko

Krebserregende Stoffe und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln sind inzwischen überall in der Umwelt zu finden. Aber nicht alle müssen sofort gefährlich sein. Deshalb ist zwischen Gefahr und Risiko zu unterscheiden:

Gefahr meint die grundsätzliche Toxizität, die von einem reinen Wirkstoff ausgeht. Das Risiko berücksichtigt dagegen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gesundheitsrisiko tatsächlich eintreten kann. Für diese Bewertung existieren Schwellenwerte.

Mit Material von AgE, BfR

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