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Cocktaileffekte

Pflanzenschutz: Rückstände senken und Bodenschutz verbessern

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Karl Bockholt, agrarheute
am
20.11.2018

Forschern der niederländischen Universität Wageningen reicht der Bodenschutz nicht. Sie monieren, dass die EU kein Konzept hat, um die Risiken von Rückständen aus dem Pflanzenschutz samt Mischungen im Boden zu minimieren.

Kombinationen von Rückständen verschiedener Pflanzenschutzmittel in landwirtschaftlich genutzten Böden sind eher die Regel als die Ausnahme. Das zeigen Untersuchungen der holländischen Forscher. Sie veröffentlichten dazu Anfang November die Studie Pestizidrückstände in europäischen landwirtschaftlichen Böden ("Pesticide residues in European agricultural soils - a hidden reality unfolded“).

Rückstände in gut 80 Prozent der Böden

Darin sind in elf EU-Ländern 317 Proben von Oberböden gezogen worden. Sie wurden auf jeweils 76 Rückstände von Pflanzenschutzmitteln getestet. Von den Bodenproben enthielten mehr als 80 Prozent Rückstände. 

Insgesamt fanden die Forscher 166 verschiedene Kombinationen. Unter all den Cocktails am häufigsten war der Wirkstoff Glyphosat und dessen Abbauprodukt AMPA (Amino-methyl-phosphonsäure), weiter das Insektizid DDT und seine Metaboliten sowie die Breitbandfungizide Boscalid, Epoxiconazol und Tebuconazol. 

Bei diesen Substanzen wurden die höchsten Konzentrationen im Boden festgestellt. Der maximale Gehalt betrug 2,87 mg/ kg Boden. In 58 Prozent der Böden wurde mehr als ein Rückstand gefunden. sagt Prof. Violette Geissen von der Gruppe Bodenphysik und Landmanagement der Uni Wageningen. 

Bisherige Grenzwerte selten überschritten

Der Studie zufolge übertrafen die Messwerte nur vereinzelt die jeweiligen von der EU- Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgesetzten Sicherheitsfaktoren. Die sind als vorhergesagte Umweltkonzentration (predicted environmental concentration, PEC) quasi die niedrigsten Effektwerte.

Wie die giftigen Mischungen aus Pflanzenschutzrückständen auf die Bodenorganismen wirken, ist aber weitgehend unbekannt. Mehr als ein halbes Jahrhundert  Pflanzenschutzeinsatz ohne Bodenüberwachung werfe viele Fragen auf, meint die Professorin.

Aus ihrer Sicht ist es fragwürdig, ob die Sicherheitsfaktoren realistisch und vorsichtig genug festgelegt sind. Die ökotoxikologischen Endpunkte der einzelnen Substanzen für Bodenlebewesen, also die Grenzwerte für giftige Konzentrationen, wurden zwar nicht überschritten. Allerdings gebe es keine „ökotoxikologischen Endpunkte" oder Sicherheitsfaktoren für Cocktails aus verschiedenen Substanzen.

Cocktaileffekte weitgehend unbekannt

Deren Giftwirkungen seien weitgehend unbekannt, betonen die Wageninger Wissenschaftler. Nach ihrer Ansicht muss das Ausmaß der Verschmutzung mit Rückständen von chemischen Präparaten ein wichtiger Bestandteil sein, um die Bodenqualität zu charakterisieren.

Sie fordern zunächst weitere Programme zum Monitoring. Dabei müssten mehr Böden ökotoxikologisch untersucht werden, um die Wirkung von Verunreinigungen der Rückstände von Pflanzenschutzmitteln zu erkennen. Das könne die Risikobewertung verbessern. 

Mit Material von AgE, Uni Wageningen

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