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Zulassung

Pflanzenschutz: "Überregulierung verliert Umsetzbarkeit aus dem Blick"

Syngenta-Agro_kb_2019
am Donnerstag, 14.03.2019 - 09:05

Europa sorgt mit seinem extrem konservativen Vorsorgeprinzip dafür, dass die Entwicklung neuer Wirkstoffe immer mehr abwandert. Die Regulierung indes nimmt immer mehr zu.

Vielen Kulturen fehlen die Wirkstoffe, die integrierten Pflanzenbau ermöglichen. Nicht nur die Risiken, sondern auch der Nutzen von Pflanzenschutz und moderner Züchtung müssen diskutiert werden, fordert Dr. Manfred Hudetz, Geschäftsfüher von Syngenta in Deutschland.

Sorgen machen ihm die unbefriedigende finanzielle Lage vieler Betriebe und die sich zuspitzende Situation im Zulassungsbereich. „Wir verlieren nicht nur Wirkstoffe, sondern müssen immer öfter Zulassungsauflagen akzeptieren, die einem Anwendungsverbot gleichkommen.“ Auf einen neuen Wirkstoff kommen vier verlorene alte.

Verschärfte Lage in Deutschland

Zu den immer weiter reichenden Verschärfungen bei der Zulassung sagte Dr. Günther Peters, Leiter der Produktzulassung: „Aktuell werden wegen der hohen Regulierung nur noch rund 16 Prozent der Wirkstoffe mit dem Fokus Europa entwickelt“.

16 Prüfrichtlinien der EU, die künftig zum Einsatz kommen, sorgen dafür, dass vor allem bei Insektiziden und Herbiziden immer weniger Wirkstoffe die Hürden schaffen.

Neue Auflagen für Wind und Biodiversität

In Deutschland sind für die Zulassung zwei Ministerien zuständig. Das bringt Probleme. Zudem geht Deutschland entgegen den EU-Vorschriften umständliche Sonderwege.

So werden etwa EU-Entscheidungen noch einmal überprüft und neue Risiken bewertet. Dazu zwei Beispiele:

  • die geplante Windauflage (NH681): Keine Aussaat von gebeiztem Saatgut bei Wind von mehr als 5 m/sec. Nachvollziehbar ist das für insektizide Beizmittel, gelten soll sie aber auch für fungizide Beizen in allen Kulturen. An der Küste führt das schnell in eine Sackgasse für Betroffene. Fraglich bleibt, ob verwehter Staub bei höheren Windgeschwindigkeiten Risiken für die Umwelt bringt. 
  • die neuen Biodiversitätsauflagen (BioDiv1 und 2). Sie zwingen Landwirte, bei Einsatz von als biodiversitätsschädigend eingestuften Mitteln ab 1. Januar 2020, auf der gesamten Betriebsfläche 10 Prozent Ausgleichsflächen als Kompensation nachzuweisen. Praxistauglich ist das nicht, sondern ein bürokratisches Monstrum.

Alle Fachbehörden müssen auch Nutzen darstellen

Für den Zulassungsleiter ist die sich zuspitzende Situation bei chemischen Präparaten die Folge einer einseitigen Risikokommunikation. Er meint, dass die Fachbehörden auch den Nutzen aktiv nach außen darstellen müssten.

Im Julius-Kühn-Institut (JKI) sei dafür die gesamte Expertise vorhanden. "Ansonsten ist die ausgewogene Bewertung von Technologien vor allem für die Öffentlichkeit kaum möglich.“ Es sei Aufgabe der Politik, die Ansprüche von Landwirtschaft und Umweltschutz klug zu vereinen.

Neue Sorten und Präparate

Syngentas Marketingleiter Dr. Thomas Räder stellte die neue Generation Hybridgersten mit SY Gallileoo und SY Baracooda vor. Eigene Versuche zeigten, dass die Hybriden auch bei der Dürre im Vorjahr extreme Bedingungen kompensieren. Die Hyvido-App als digitales Hilfsmittel zur Sortenwahl soll helfen, Saatstärken und Bestandesführung zu optimieren.

Die digitale Herbizid-App Proximais identifiziert wassersensible Gebiete und gibt standortgerechte Tipps zum Einsatz von Syngenta-Herbiziden. Bei Mais gibt es vier neue Sorten, mit denen der Konzern die Position bei Körnermais ausbauen will. Mit Unix Top und Kaya kommen zwei Getreidefungizide für den frühen Einsatz. Die Zulassung der Getreidebeize Vibrance Trio lasse noch auf sich warten.

In Getreide konnte das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr von den beiden Herbiziden Avoxa und Boxer Cadou profitieren und auch von den Elatus-Fungiziden. Gestützt wurde das Ergebnis auch durch Präparate in Kartoffeln.