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Kommentar

Pflanzenschutz: Verbot in Landschaftsschutzgebieten kontraproduktiv

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am Montag, 15.08.2022 - 10:14 (9 Kommentare)

Gegen die Pläne der EU zum Pflanzenschutz-Verbot in ökologisch sensiblen Schutzgebieten regt sich heftiger Protest. Das Maß scheint langsam voll. Ein Kommentar von agrarheute-Redakteur Karl Bockholt.

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Die Pläne der EU-Kommission zum Pflanzenschutz machen viele Betriebsleiter fassungslos. Das Ziel, den Einsatz chemischer Mittel bis 2030 um mehr als die Hälfte zu senken und in sogenannten sensiblen Gebieten künftig total zu verbieten, empört Betroffene. Sie sehen das zu Recht als Angriff auf die Existenz ihrer Betriebe. Die Folge wäre das Aus für viele Höfe. Das gefährdet die Selbstversorgung durch die heimische Erzeugung von Nahrungsmitteln.

Totalverbot vor allem in Landschaftsschutzgebieten nicht zielführend

Das gilt vor allem für Äcker, Weiden und Wiesen in Landschaftsschutzgebieten. Dort soll künftig gar kein chemischer Pflanzenschutz mehr möglich sein. Die Brüsseler Bürokraten haben mit dem Verbot ganz offensichtlich nicht nur Natur-, Flora-Fauna-Habitat (FFH)- und Vogelschutzgebiete im Blick.

In Ersteren dürfen seit dem Insektenschutzpaket sowieso keine Herbizide und Insektizide mehr eingesetzt werden. Vielmehr geht es nun auch um die weitläufig ausgewiesenen Flächen zum Landschafts- und Wasserschutz.

Das ist aber zu viel des Guten. Es weiß nicht einmal jeder Betriebsleiter genau, wieso seine Flächen den  Landschaftsschutz überhaupt genießen. Abgesehen davon waren die EU-Pläne zum Vorschlag einer sofort rechtsgültigen Verordnung über die „nachhaltige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln“ von vornherein schwammig formuliert. Solange nur von ökologisch sensiblen Gebieten die Rede ist, macht sich niemand ein Bild, welches Ausmaß das Verbot annimmt. Wer aber die komplette Karte im Überblick sieht, begreift schnell, welche Dimensionen die Pläne haben.

Ernährungssicherung muss obenan stehen

Schutzgebiete-Deuitschland-Umweltagentur

Wenn das so kommt, bleiben künftig kaum noch Flächen, auf der es primär um Nahrung und Futter geht. Da stellt sich schon die Frage, welche Funktion die Landwirte in dieser Gesellschaft künftig haben sollen und wie weit Nahrungsmittel künftig von Importen abhängen sollen.

Das geplante EU-Naturschutzpaket jedenfalls würde die bisherige Bewirtschaftung komplett auf den Kopf stellen. Dabei schreien selbst Naturschützer auf, wenn Hacke oder Striegel die Gelege von Bodenbrütern zerstören. Alternativen zu chemischen Mitteln sind gegen wichtige Krankheiten und Schädlinge überdies noch immer kaum vorhanden. Gekürzte Finanzmittel für Agrarforschung und -beratung machen die Sache nicht besser. Tragfähige Konzepte für echte Perspektiven im Klimawandel fehlen.

Zu den Ertragsverlusten kommt der Wertverlust der Flächen

In Landschaftsschutzgebieten haben die Bewirtschafter zu Recht darauf vertraut, dass sie konventionell mit guter fachlicher Praxis und neuen Auflagen einen ökologisch guten Zustand erhalten und integrierter Pflanzenschutz weiter zählt. Nun werden sie bitter enttäuscht.

Zu ihren Ertrags- und damit Einkommensverlusten kommt hinzu, dass die Pläne das Vertrauen in die EU als Institution schwächen. Die Politik entfernt sich zu weit von den Problemen auf den Höfen. Dazu kommt der Wertverlust der Flächen. Irgendwann ist das Maß voll. Heftige Proteste wie etwa in den Niederlanden und heute in Bonn bleiben dann nicht aus.

Äußern Sie bis 19. September 2022 Ihre Meinung

Zum Verordnungsentwurf zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln kann jeder seine Meinung der EU-Kommission mitteilen. Das ist bis zum 19. September möglich unter diesem Link:

https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/12413-Pestizide-nachhaltige-Verwendung-aktualisierte-EU-Vorschriften-_de

Hier finden Sie den Vorschlag zur EU-Verordnung über die nachhaltige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln

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