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Checkliste

Pflanzenschutzmittel transportieren: Das ist bei Eigenbedarf erlaubt

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am Freitag, 09.09.2022 - 09:15 (Jetzt kommentieren)

Worauf ist beim Transport von Pflanzenschutzmitteln zu achten? Wie viel und welche Mittel darf ich im Pkw überhaupt mitnehmen? Was gilt für Gefahrgüter? Die agrarheute-Checkliste gibt Antworten.

Sachkunde steht beim Einsatz und auch beim Transport von Pflanzenschutzmitteln obenan. Ob ein Präparat als Gefahrgut eingestuft ist, ist auf der Verpackung gekennzeichnet.

  • Pflanzenschutzmittel, die nicht als Gefahrstoffe eingestuft sind, können mengenmäßig unbegrenzt transportiert werden.
  • Mittel, die dagegen als Gefahrstoffe gekennzeichnet sind, unterliegen grundsätzlich den Bestimmungen des Gefahrgutbeförderungsrechts.

Allerdings gilt das nur für Transporte mit bestimmten Fahrzeugen, nämlich

  • solche, die bauartbedingt schneller als 25 km/h fahren;
  • die mit bis zu 25 km/h Höchstgeschwindigkeit unterwegs sind, betrifft das nicht.

Das erklärt Pflanzenschutzexperte Dr. Friedrich Merz vom Regierungspräsidium Stuttgart.

Welche Anforderungen gelten beim Transport von Pflanzenschutzmitteln?

Ausnahmen gibt es nur für den Transport kleiner Mengen. Das gilt zum Beispiel für Fahrten vom Händler zum eigenen Hof oder vom landwirtschaftlichen Betrieb zum Acker. Der Transport darf nur eigenen Zwecken dienen. Dabei gelten folgende Anforderungen:

  • beim Beladen kontrollieren, ob die Gebinde unbeschädigt sind,
  • checken, dass sie ordnungsgemäß und fest verschlossen sind,
  • überprüfen, dass sie frei sind von gefährlichen Anhaftungen sind,
  • die Ladung gut sichern, etwa gegen Verrutschen, beispielsweise mit Spanngurten,
  • mindestens einen geprüften 2-kg-ABC-Feuerlöscher mitführen,
  • keine anderen Gefahrgüter gleichzeitig mitbefördern, etwa Kraftstoff,
  • Pflanzenschutzmittel von Nahrungs- und Futtermitteln getrennt halten.

Eigene Beförderungspapiere sind dann nicht erforderlich. Wichtig ist zudem, dass angebrochene Packungen nicht in der Fahrerkabine mitgenommen werden dürfen. Für den Transport der Präparate sind auslaufsichere Transportkisten oder das Mitführen möglicher Bindemittel ratsam.

Was ist im Falle eines Falles beim Auslaufen von Pflanzenschutzmitteln zu tun?

Treten während des Transports tatsächlich Pflanzenschutzmittel aus Kanistern oder Behältern aus und gelangen womöglich auf die Fahrbahn, etwa durch einen Unfall oder eine Vollbremsung, ist im Notfall die Feuerwehr zu informieren. Gegebenenfalls ist ein Bindemittel zu streuen.

Welche Ausnahmen gelten für den Transport kleinerer Mengen?

Bei Transporten von Pflanzenschutzmitteln, die vom Gefahrgutbeförderungsrecht ausgenommen sind, gilt Folgendes:

  • die höchstzulässigen Mengen sind unbedingt einzuhalten
  • beziehungsweise die „1.000-Punkte-Regel“ ist zu beachten.

Was sagt die 1.000-Punkte-Regel beim Transport verschiedener Mittel?

Werden verschiedene Stoffe gemeinsam transportiert, so wird die Menge mit Faktoren zur Berechnung (1, 3, 20 oder 50) multipliziert. Informationen dazu sind in Produktlisten zu finden. Sie lassen sich auch beim Händler erfragen.

Die Höchstmengen beziehungsweise die 1.000 Punkte dürfen nicht überschritten werden. Ist das der Fall, müssen Beförderungspapiere mitgeführt und weitere Vorschriften eingehalten werden.

Was gilt beim Transport von Gefahrgut?

Die tatsächlichen Beförderungsmengen der als Gefahrgut eingestuften Pflanzenschutzmittel (in kg oder l) sind dann je nach Einstufung der Präparate nach drei Beförderungskategorien (1 bis 3) mit dem entsprechenden Faktor zu multiplizieren. Hier die drei Kategorien samt Faktor:

  • Kategorie 1 = x Faktor 50 oder 1a – Faktor 20 (für bestimmte UN-Nr.),
  • Kategorie 2 = x Faktor 3,
  • Kategorie 3 = x Faktor 1.

Die daraus resultierende Summe darf den Wert von 1.000 Punkten nicht überschreiten.

Stoffe, die nicht explizit in einer Tabelle nach dem Europäischen Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) ausgewiesen sind, werden gemäß ihrer Verpackungsgruppe einer Beförderungskategorie zugewiesen.

Wie werden Punkte für den Transport von Pflanzenschutzmitteln errechnet?

Eine eigene ADR-Übersicht zeigt, bis zu welchen Packungsgrößen der Transport von Gefahrgütern von den Vorschriften befreit ist. Hier ein Beispiel für die Ermittlung der Punkte:

  • UN-      Mittel   Verpackungs-  Beförderungs- Höchst-     Faktor  Menge     Punkte
  • Nr.       Name   gruppe            kategorie        menge (kg/l)         (kg/l)       Summe
  • 3077     Broadwax      III         3                      1.000                1        200          200
  • 3082     Input Xpro      III         3                      1.000                1          50           50
  • insgesamt                                                                                                     250

Die Tabelle ADR 1.1.3.6.3 gibt also an, bis zu welchen Behälterinhalten die Beförderung von Gefahrgütern von den ADR-Vorschriften befreit ist.

Mit Material von ISIP, LWK NRW, GQS
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