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Getreide

Preisdruck erfasst Weizen - wie gehts weiter?

© Mühlhausen/landpixel
von , am
08.08.2013

Nachdem bislang vor allem die Preise für Mais und zuletzt für Soja und Raps unter Druck standen, gaben in dieser Woche auch die Weizenpreise spürbar nach.

Englische Landwirte holten sich dank einer perfekten Saison den Weltrekord für die Weizenernte. © Mühlhausen/landpixel
In Europa sind die Weizenpreise am Terminmarkt in Paris zuletzt unter die Marke von 184 Euro gefallen und damit auf den niedrigsten Stand seit November 2010. In den USA rutschten die Preise in Chicago bis auf 177 Euro nach unten und US-Brotweizen in Kansas kostete 194 Euro. Gleichzeitig kostete der US-Mais der neuen Ernte nur noch 126 Euro und in Europa lagen die Preise für den neuen Mais bei 167 Euro/t.  
 
Der Angebotsdruck aus der laufenden Ernte in Europa, am Schwarzen Meer und auch in den USA macht sich zuvorderst bemerkbar. Dabei könnte es in einer ganzen Reihe von Ländern zu Korrekturen der Ernteergebnisse nach oben kommen. So deutet alles darauf hin, dass die Weizenernte in Frankreich größer ausfällt als bislang gedacht, auch die Qualitäten sind besser als man zum Start der Ernte glaubte.
 
Hinzu kommen aber auch sehr gute Ernteergebnisse in der Ukraine. So fällt die Weizenernte mit 22 Millionen (Mio.) t etwa 2 Mio. t größer als bisher erwartet aus und ist damit rund 6 Mio. t größer als im letzten Jahr. Auch für die USA zeigen die Ergebnisse der Winterweizenernte bessere Erträge und die Gesamtproduktion wird wohl nach oben korrigiert werden müssen.

Weitere Gründe für den Preisdruck

Großen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Weizenpreise wird desweiteren die neue Maisernte in den USA haben. Zuletzt hatten sich die Aufwuchsbedingungen in den USA deutlich verbessert. Aktuelle Feldtouren bestätigen die sehr hohen Ertragserwartungen. Möglichweise muss die ohnehin schon große US-Ernte nochmals nach oben korrigiert werden. Am Weltmarkt und in den USA beträgt der Preisabstand zwischen Weizen und Mais derzeit rund 30 Prozent. Im letzten Jahr war Mais und Weizen lange Zeit fast gleich teuer, zeitweise war der Mais im Export sogar teurer als Futterweizen. Da beide Getreidearten bei der Fütterung gegeneinander austauschbar sind, sorgt der große Preisrutsch bei Mais auch für erheblichen Druck auf die Weizenpreise.

Trend bei den Getreidepreisen

Viele Analysten halten den derzeitigen Preisabstand zwischen Mais und Weizen am Weltmarkt für zu groß. Vor allem vor dem Hintergrund einer ebenfalls rekordverdächtigen Weizenernte, die vielleicht noch weiter nach oben korrigiert werden muss. Die Austauschbeziehung zwischen beiden Getreidearten wird über kurz oder lang zu einer Annährung der Preise führen. Den Ausschlag gibt neben der weiteren Entwicklung der US-Maisernte auch die Entwicklung der globalen Weizenproduktion.
 
Neue Informationen wird der nächste USDA-Bericht am kommenden Montag bringen. Dann wird man sehen, wie die Märkte auf die aktualisierten Produktions- und Bestanddaten reagieren. Bei Weizen muss man nach der derzeitigen Informationslage davon ausgehen, dass das USDA die globale Erntemenge noch etwas nach oben setzt und somit die neue Rekordernte noch größer wird. Die Bestände werden wohl weniger stark wachsen, da der Verbrauch sehr hoch ist. Hinzu kommt, dass die globale Nachfrage derzeit sehr robust ist und der Export entsprechend rege.
 
Angesichts der guten Wachstumsbedingungen könnte das USDA allerdings auch die US-Maisernte nach oben setzen. Davon geht nach den Ergebnissen der jüngsten Feldtouren eine ganze Reihe von Analysten aus. Das würde den Druck auf die Weizen- und die übrigen Getreidepreise erhöhen, da das Angebot an Futtergetreide noch größer und damit noch preiswerter würde.
Autor: Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass © dlv
 
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