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Zulassungen

Prochloraz: Fungizid droht in Gerste ein sofortiges Verbot

Kontrolle einer Feldspritze
am Mittwoch, 22.01.2020 - 13:52 (Jetzt kommentieren)

Wie agrarheute erfahren hat, könnte aufgrund geänderter Rückstandshöchstwerte ein weiteres Fungizid kurzfristig verboten werden. Jetzt hat sich auch einer der Hersteller geäußert.

In der Gerste könnte ein weiterer wichtiger Fungizidwirkstoff noch in dieser Saison verboten werden: Prochloraz dürfte aufgrund geänderter Rückstandshöchstwerte dann mit sofortiger Wirkung nicht mehr verwendet werden. Das hat agrarheute aus Beraterkreisen erfahren.

+++ Update 22.1.2020 +++ Jetzt hat sich auch der Hersteller Nufarm geäußert, der neben Adama den Wirkstoff in Deutschland vertreibt. Hintergrund der Entscheidung sei nach Nufarm-Angaben "die Absenkung des (akzeptablen) Rückstandshöchstgehalts (RHG) auf die analytische Nachweisgrenze im Zuge der EU-Neubewertung aller RHG für den Wirkstoff Prochloraz". +++

Prochloraz aus der Gruppe der Azole/Imidazole ist in Deutschland in den Gerstenfungiziden Ampera, Eleando, Kantik und Mirage enthalten. Der Wirkstoff wirkt lokalystemisch vorbeugend und kann mit guter Anfangswirkung auch bereits vorhandenen Befall stoppen.

Zugelassen ist der Wirkstoff in Gerste beispielsweise gegen Rhynchosporium-Blattflecken, Netzflecken, Zwergrost und Echten Mehltau zum frühen Einsatz von Schossbeginn bis Blütebeginn.

Prochloraz gehört zu den jüngeren Azolen und hat damit bei einem drohenden Zulassungs-Aus diverser Wirkstoffe dieser Wirkstoffgruppe theoretisch noch die längste Zulassungszeit. Damit wird nach Einschätzung von Experten die Bedeutung dieses Wirkstoffs künftig eher steigen, vor allem im Weizen.

Verbot droht nur in der Gerste

Prochloraz ist EU-weit seit 2012 zugelassen. Derzeit überprüfen nach agrarheute-Informationen die europäische Zulassungsbehörde EFSA und im Nachgang das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Zulassung in Gerste.

Andere Getreidearten außer Gerste sind von dem drohenden Anwendungsverbot nicht betroffen.

+++ Update 22.1.2020 +++ Der Hersteller Nufarm, der Ampera vertreibt, teilt jetzt mit, dass diese Regelung keine Auswirkung auf das Produkt Orius Universal habe. Dieses enthalte zwar auch den Wirkstoff Prochloraz. Da es sich bei diesem Produkt aber um eine Saatgutbehandlung und keine Blattspritzung handele, blieben alle Indikationen (Weizen, Gerste, Roggen, Triticale und Hafer) bestehen, teilt Dr. Jan Wunderle, Marketingleiter bei Nufarm mit. +++

Noch im Januar bis Februar 2020 rechnen Berater mit einer Veröffentlichung des Zulassungsendes. Die Verordnung würde 20 Tage nach der Veröffentlichung in Kraft treten und sofort, ohne Abverkaufs- und Aufbrauchfristen gelten.

Aus möglicherweise noch vor Saisonstart

Wenn der Zeitplan so eingehalten wird, stehen prochlorazhaltige Fungizide in der Saison 2020 in der Gerste nicht mehr zur Verfügung.

Verzögert sich das Verbotsverfahren, könnte das sofortige Zulassungsende auch in die bereits angelaufene Spritzsaison fallen. In jedem Fall sollten sich Anwender informieren und ihren Mitteleinkauf entsprechend planen.

Sobald das BVL die Verordnung veröffentlicht, halten wir Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden.

Diese Fungizide sind bereits verboten

  • Propiconazol: Bereits seit 2019 verboten. War in Achat, Bolt XL, Desmel, Tilt 250 EC, Agent, Cirkon, Gladio und Taspa enthalten. Restbestände mussten 2019 aufgebraucht sein bzw. müssen jetzt ordnungsgemäß entsorgt werden.
  • Fenpropimorph: Die Zulassung endete im Frühjahr 2019. Die Verkaufsfrist für Corbel, Capalo, Diamant, Opus Top und Juwel Top endete am 31. Oktober 2019. Bis 31. Oktober 2020 müssen sie aufgebraucht sein, also in der Frühjahrssaison 2020.
  • Triadimenol: Der Verkauf von Ceralo und Matador endet am 29. Februar 2020. Auch diese Mittel müssen im Frühjahr 2020 aufgebraucht werden.
  • Chlorthalonil: Die Aufbrauchfrist dieses Ramularia-Wirkstoffs, beispielsweise in Amistar Opti, endet am 20. Mai 2020. Ein Einsatz in Wintergerste ist damit noch möglich, eine Abschlussbehandlung in Sommergerste eher nicht mehr.
  • Epoxiconazol und wahrscheinlich auch Tebuconazol: beide sind in der Saison 2020 noch zugelassen, stehen aber nach Informationen aus Beraterkreisen ebenfalls auf der Abschussliste.

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