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Sommerungen

Darum profitiert die Braugerste von der Düngeverordnung

Dieser Artikel ist zuerst in der DLZ erschienen.

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Gülleausbringung auf Gerstenfeld
Bei der Gülledüngung zu Braugerste ist Fingerspitzengefühl gefragt. Zu schnell können die Proteinwerte über das Ziel hinausschießen. © agrarfoto
von , am
06.01.2017

Heimische Sommergerste als Marktfrucht wurde durch starke Winterungen in eine Nische gedrängt. Die Düngeverordnung könnte einen Aufschwung für Malzware bieten, kommt sie doch mit weniger Stickstoff zurecht und entlastet die betriebliche Nährstoffbilanz.

Geerntete Gerstenkörner
© agrarfoto.com

Sommergerste ist seit einem Vierteljahrhundert stark rückläufig. Die deutsche Anbaufläche sank seit 1990 von 913.000 auf heute 341.000 ha und somit auch die Erntemenge auf ein Drittel. Die Versorgung der deutschen Brauindustrie mit einheimischen Rohstoffen lässt sich damit nicht mehr sichern. Die möglichen Auswirkungen des geänderten Düngemittelrechts auf die deutsche Landwirtschaft werden seit Jahren vielfach diskutiert. Im Fokus stehen dabei vor allem der Qualitätsweizenanbau und der Einsatz flüssiger organischer Dünger wie Gülle und Gärreste aus Biogasanlagen.

Düngerverordnung begrenzt N-Gaben für Braugerste nicht

Im bekannten Reformentwurf bezieht sich der N-Bedarf von Gerste ausschließlich auf Futtergerste. Er liegt dabei über den bisher praktizierten Empfehlungen in den einzelnen Anbauregionen. Die Verordnung begrenzt somit die Düngung zu Braugerste nicht. Für die Bemessung der N-Gaben zu Braugerste ist es weiterhin möglich, die regionalen Beratungsempfehlungen und betriebliche Erfahrungen zu nutzen. Braugerste profitiert von der novellierten Düngeverordnung, da keine Einschränkungen auf Ertrag und Qualität zu erwarten sind.

Brauereien fordern engen Eiweißkorridor bei Braugerste

Welcher Eiweißgehalt ist in der Sommerbraugerste optimal und wie lässt er sich erreichen? Die bisher allgemein bekannte Meinung “je niedriger der Eiweißgehalt in der Braugerste desto besser“ gilt nicht mehr. Tatsächlich sind die Brauereien an einem sehr engen Eiweißkorridor interessiert. Im Sinne von optimaler Verarbeitbarkeit und Bierqualität liegt der optimale Malzeiweißgehalt zwischen 10 und 11 Prozent, stellt Dr. Bertram Sacher von der Technischen Universität München fest. Das entspricht wegen der Eiweißverluste im Mälzungsprozess einem Gerstenrohproteingehalt von etwa 10,5 bis 11,5 Prozent. Dieser sehr enge Bereich ist auf dem Feld jedoch nur schwer zu erreichen. Deshalb gelten für Braugerste auch weiterhin die bekannten Anforderungen an den Eiweißgehalt von 9,5 bis 11,5 Prozent und die Stoßgrenzen sind höchstens 12 Prozent und mindestens 9 Prozent.
 

Neue Düngeverordnung fördert Braugerstenanbau

Der zulässige Überschuss im Stickstoffsaldo des betrieblichen Nährstoffvergleichs soll ab 2018 auf 50 kg N/ha abgesenkt werden. Bei intensivem Winterweizen- und Rapsanbau wird das nur durch Einbeziehung von Fruchtarten mit niedrigem N-Bedarf zu erfüllen sein, wie zum Beispiel der Braugerste. Die gegenwärtigen bekannten Vorgaben der neuen Düngeverordnung behindern den Anbau von Qualitätsbraugerste nicht, sie könnten ihn sogar fördern: Die vorgesehen Restriktionen bei der Düngung N-intensiver Kulturen könnten abhängig von den Vermarktungsmöglichkeiten zu Anbaueinschränkungen bei Weizen und Raps führen. Und sie könnten ein Ausweiten des Braugerstenanbaus mit sich bringen.

Der vollständige Beitrag ist im dlz agrarmagazin Januar 2017 erschienen.

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Mit Material von Dr. Martin Farack, Thüringer Braugerstenverein e.V.
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