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Getreidefungizide

Ramularia: Folpan jetzt mit dauerhafter Zulassung in Gerste

Ramularia ist mittlerweile nicht mehr nur im Süden ein Problem in der Gerste. Azole wirken nicht mehr und die Bekämpfungsstrategie fußt auf einem Wirkstoff: Folpet.
am Freitag, 04.11.2022 - 10:21 (Jetzt kommentieren)

Bisher war der Wirkstoff Folpet in Gerste nur als Notfall erlaubt. Ein Fungizid hat jetzt die reguläre Zulassung, eins noch nicht.

Darauf haben viele Gerstenanbauer gewartet: Gegen Ramularia gibt es jetzt mit einer Zulassungserweiterung Planungssicherheit.

Ramularia collo-cygni hat sich zur wichtigsten Blattkrankheit in Gerste entwickelt – vor allem in Süddeutschland. Besonders in strahlungsreichen und feuchten Frühsommermonaten kann sich die Sprenkelkrankheit rasant vermehren und für Mindererträge sorgen.

Nach dem Zulassungsende von Chlorthalonil war Ramularia in Gerste nur noch schwer zu bekämpfen. Zugelassene Wirkstoffklassen, vor allem aus der Gruppe der Azole, sind allesamt von Resistenzen betroffen.

Bisher nur Notfallzulassungen mit Folpet

Folpet ist der einzige verbleibende Wirkstoff mit einer guten Wirkung gegen Ramularia. Er ist ein Kontaktwirkstoff und Multi-Site-Inhibitor (MSI) mit geringem Resistenzrisiko.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) als zuständige Zulassungsbehörde hat in den vergangenen Jahren wiederholt zwei Notfallzulassungen mit dem Wirkstoff Folpet ausgesprochen: Für Folpan 500 SC von Adama und für Amistar Max von Syngenta.

Folpan 500 SC jetzt regulär zugelassen

Für Folpan 500 SC hat das BVL jetzt eine lange erwartete, dauerhafte Zulassung auch für Gerste erteilt. In Weizen war es bereits seit 2020 gegen Septoria tritici erlaubt.

Die Zulassungserweiterung erlaubt den Einsatz zur Befallsminderung von Ramularia collo-cygni, Netzflecken und Rhynchosporium in der Gerste. Es darf höchstens zweimal mit je 1,5 l/ha eingesetzt werden. Dazwischen müssen 14 Tagen Abstand eingehalten werden und der Einsatz muss zwischen BBCH 30 und 59 erfolgen.

Folpan nie solo einsetzen

Aus Gründen der Resistenzvorsorge ist Folpan 500 SC nicht ohne Mischungspartner aus einer anderen Wirkungsklasse einzusetzen.

Der Hersteller Adama empfiehlt den Einsatz mit 1,5 l/ha Folpan 500 SC gemeinsam mit einer Kombination aus Azol und Carboxamid, wie dem eigenen Produkt Avastel Pack (Prothioconazol + Fluxapyroxad), das es ab 2023 gibt. Dieser Mix soll neben Ramularia auch Netzflecken, Zwergrost und andere relevante Gerstenkrankheiten erfassen.

Auch Syngenta – im selben Konzern wie Adama – bietet Folpan in einem Pack an. Elatus Era Folpan enthält neben Folpet die Wirkstoffe Prothioconazol und Solatenol. Die Aufwandmenge beträgt auch hier 1,5 l/ha Folpan 500 SC mit 1,0 l/ha Elatus Era.

Auch Amistar Max hat eine Zulassung beantragt

Neben Folpan enthält auch Amistar Max den Wirkstoff Folpet. Auch dieses Fungizid war in den vergangenen Jahren über Notfallzulassungen in Gerste erlaubt.

Eine reguläre Zulassung für Amistar Max ist noch nicht erteilt, der Hersteller Syngenta hat sie aber für Gerste, Weizen, Durum, Roggen und Triticale beantragt und erwartet sie rechtzeitig zum Einsatz im Frühjahr 2023.

Wie bei Folpan wird Syngenta auch Amistar Max im Pack mit Elatus Era (Prothioconazol + Solatenol) anbieten. Das Pack soll nach erteilter Zulassung als Elatus Era Max vermarktet werden.

Mit Material von BVL, Adama, Syngenta
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