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Ratgeber: 9 Tipps zur Aussaat von Sommerweizen

Traktor bei der Aussaat
© Mühlhausen/landpixel
von , am
15.03.2016

Eine gute Vorbereitung auf die Aussaat des Sommerweizens steigert die Erträge. Hier die 9 wichtigsten Tipps: vom optimalen Saatzeitpunkt über die Saatbeetbereitung bis zur Düngung.

1. Aussaatzeitpunkt

Während der Weizen für die neue Ernte gesät wird, stellt sich die Frage nach den Preisen. © Mühlhausen/landpixel

Bei der Frostbodenbestellung werden winterfeste Sorten des Sommerweizens zwischen Januar und März ausgesät. Nicht winterfeste Sorten sollten erst zu Vegetationsbeginn ausgebracht werden. Entscheidendes Kriterium ist der Bodenzustand. Das Saatbeet sollte ausreichend abgetrocknet sein: unten fest, oben locker.

2. Saatbeetbereitung

Verfestigter Boden sollte in der Regel einmalig bearbeitet werden, um lockeres Bodenmaterial zur Bedeckung des Saatgutes zu erhalten. Die dadurch geförderte Erwärmung führt zu einer zügigeren Keimung. Ob ein zweiter Arbeitsgang notwendig ist, hängt auch von der eingesetzten Sätechnik ab:

  • Bei Einsatz eines Sägrubbers oder einer Zinkenrotor- bzw. einer Kreiseleggen-Drillkombination kann auf eine zweite Bearbeitung verzichtet werden, da diese Sägerätetypen den Boden zusätzlich bearbeiten.
  • Dagegen ist bei Scheibenschar-Sägeräten im Einzeljahr, insbesondere auf verfestigten Böden, unter Umständen ein zweiter Arbeitsgang erforderlich, um eine ausreichende Bedeckung des Säschlitzes mit lockerem Bodenmaterial sicherzustellen.

Die Saatbettbereitung (z. B. mit Flachgrubber, Saatbettkombination usw.) sollte möglichst nur bis zur Saatgutablagetiefe erfolgen. Wird deutlich tiefer bearbeitet, z. B. um Fahrspuren zu beseitigen, kann dies das Kapillarsystem des Bodens, und damit die Wasserversorgung für den Keimling, unterbrechen. Hier sollte das Saatbett z. B. mit einer nachlaufenden Walze bei der Bearbeitung rückverfestigt werden. Dies sorgt auch bei ausbleibenden bzw. zu geringen Frühjahrsniederschlägen für einen gleichmäßigen und zügigen Feldaufgang. (Quelle: Sächsisches Landesamt für Landwirtschaft)

3. Aussaat in Strohmulch, Zwischenfruchtmulch und Grasmulch

  • Aussaat in Strohmulch: Ist der Strohmulch auf Grund von Winterfrösten sehr mürbe, dann reicht eine einmalige flache Saatbettbereitung des trockenen Bodens. Dadurch wird der Strohmulch flach eingearbeitet und die Erde gekrümelt.
     
  • Aussaat in Zwischenfruchtmulch: Hier ist zu prüfen, ob auf Grund günstiger Bodengare kostensparend ohne Saatbettbereitung bei abgetrockneter Krume mit Mulch- bzw. Direktsaattechnik die Getreideaussaat unter die aufliegende Mulchschicht in 2 bis 3 Zentimeter (cm) Bodentiefe erfolgen kann. Bei dichterer Mulchbedeckung ist i. d. R. eine flache Saatbettbereitung empfehlenswert (z. B. vorbeugend gegen das Verstopfen von Mulchsägeräten sowie zur rascheren Bodenerwärmung). Hierzu muss das Mulchmaterial  trocken und mürbe sein. Es bricht dann leicht bei der Bearbeitung mit der Scheibenegge oder mit einem Flachgrubber bzw. einer Saatbettkombination, ohne die Geräte zu verstopfen.
     
  • Aussaat in Grasmulch einer Untersaat: Soll Sommergetreide in den Grasmulch einer Untersaat (z. B. Deutsches Weidelgras) aus dem Vorjahr gedrillt werden, empfiehlt sich im Frühjahr ein nochmaliges Scheiben der Fläche sowie, bei Bedarf, frühzeitig vorher eine Behandlung mit einem Glyphosat-Präparat. Glyphosat wirkt jedoch nur bei wachstumsaktiven, grünen Pflanzen und sollte deshalb ausschließlich bei wüchsigem Wetter ausgebracht werden. Dies kann die Aussaat von Sommergetreide etwas verzögern. Aber nur auf diese Weise wird Glyphosat voll wirksam und vermindert so den Grasdurchwuchs im Sommergetreide. (Quelle: Sächsisches Landesamt für Landwirtschaft/http://www.landwirtschaft.sachsen.de/landwirtschaft/11939.htm)

4. Aussaatmenge/Saatdichte

Die Saatstärke auf Mulchsaatflächen unterscheidet sich nicht von gepflügten Flächen und richtet sich nach standörtlichen Erfahrungswerten. Grundsätzlich müssen bei allen Sommergetreidearten spätere Aussaatzeitpunkte wegen der dann geringeren Bestockung durch höhere Saatmengen kompensiert werden, empfiehlt das sächsisches Landesamt für Landwirtschaft.

Als Richtwerte für Sommerweizen im Öko-Landbau gelten 450 Körner pro Quadratmeter (m 2). (Quelle: www.oekolandbau.de)

Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein gibt folgende Empfehlung heraus:

  • Frostbodenbestellung: 380 - 420 keimfähige Körner / m 2
  • Optimaler Saattermin (Frühjahr zu Vegetationsbeginn): 280 - 320 keimfähige Körner / m 2
  • Spätsaat(Ende März bis Mitte April): 350 - 380 keimfähige Körner / m 2
  • Ungünstige Boden- und Bestellbedingungen: höhere Saatmenge zum jeweiligen Aussaattermin

Berechnung der Saatdichte:
Saatmenge in kg/ha = Keimfähige Körner/m2 x Tausendkorngewicht in Gramm x 100
                                           Keimfähigkeit (%) x Feldaufgang (%)

5. Saattiefe

2 bis 4 Zentimeter (cm); Je nasser der Unterboden ist, umso flacher aussäen.

6. Düngung

Bezüglich der Stickstoff-Düngung (N) muss laut Sächsischem Landesamt für Landwirtschaft berücksichtigt werden, dass durch Pflugverzicht in der Regel zunächst weniger Stickstoff mineralisiert wird. Dadurch wird über Winter tendenziell weniger N aus dem Krumenbereich ausgetragen. Dies gilt im Besonderen für Ackerflächen, auf denen Winterzwischenfrüchte angebaut wurden. Dieser Stickstoff kann im Verlauf des Frühjahrs zunehmend freigesetzt werden. Auf Böden mit klimatisch bedingter geringerer Geschwindigkeit der N-Umsetzung kann z. B. mit Sägrubbern eine Unterfußdüngung im Sinne einer Start-N-Gabe erfolgen. Dies wird in Größenordnungen von 20 bis 30 kg N/ha praktiziert.

Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein empfiehlt folgende Düngung:

  • 1. Stickstoffgabe zur Saat bzw. zu Vegetationsbeginn: 50 - 80 kg N/ha
  • 2. Schösserdüngung EC 30/32: 50 - 70 kg N/ha
  • 3. Spätdüngung EC 47/49: 50 - 60 kg N/ha
  • Niedrigere N-Menge auf besseren Böden und bei gutem N-Nachlieferungsvermögen (Gülle) bzw. auf Böden mit niedrigerer Ertragserwartung (< 50 Bodenpunkte)
  • Wird Sommerweizen nach Winterweizen angebaut, sind in der Regel höhere N-Mengen erforderlich 

7. Pflanzenschutz sowie Bekämpfung von Durchwuchs und Unkräutern

Fungizide: In der Regel sind eine Blattbehandlung (EC 32/37) gegen Septoria und eine späte Blatt/frühe Ährenbehandlung (EC 49/55) gegen Gelbrost, Braunrost und Ährenkrankheiten nötig.

Insektizide: Auf Befall mit Blattläusen (Ähre) und mit Getreidehähnchen (besonders in trockenen Jahren) ist zu achten.

Die Unkrautbekämpfung kann sowohl im Herbst als auch im Frühjahr vorrangig mechanisch im Rahmen der Bodenbearbeitung erfolgen. Auf einen Glyphosateinsatz sollte im der Regel im frühen Frühjahr verzichtet werden. Sommerweizen entwickelt sich bei günstigen Wachstumsbedingungen sehr rasch und hat dann eine gute unkrautunterdrückende Wirkung. Bei geringer Ausgangsverunkrautung kann bei Bedarf im Nachauflauf gezielt gegen Unkräuter vorgegangen werden. Auf Mulchsaatflächen sollten im Nachauflauf vorrangig Blattherbizide eingesetzt werden, da die Wirkung von Bodenherbiziden durch die Mulchauflage eingeschränkt sein kann, meint das sächsisches Landesamt für Landwirtschaft.

8. Fruchtfolge

  • sichere Sommerweizen-Erträge gibt es nach Raps, Rüben, Kartoffeln und Kohl (Blattvorfrucht)
  • geeignete Getreidevorfrüchte sind Winterweizen und Hafer (aber: 2x Sommerung - lange Zwischenbrache laut Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein).

9. Bodenanspruch des Sommerweizens

  • Kalkhaltige, nährstoffreiche, tiefgründige Böden
  • optimaler ph-Wert: 6,5 - 7,0     
  • Mit hohen und sicheren Kornerträge kann ab 50 Bodenpunkten gerechnet werden; Grenzstandorte zwischen 30 und 40 Bodenpunkten sind nur bei ausreichender Wasserversorgung (gleichmässige Niederschlagsverteilung) zu empfehlen.
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