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Getreide

Ratgeber: Herbizideinsatz bei Ungräsern im Frühjahr

© dlz
von , am
10.03.2015

Bei der Auswahl der geeigneten Herbizidstrategie im Frühjahr gilt es einiges zu beachten. Wie man
Trespe, Windhalm und Weidelgras optimal beikommt, lesen Sie in unserem Ratgeber zum Herbizideinsatz.

Die blattaktiven Herbizide Axial 50 und Traxos sind die Mittel der Wahl bei Windhalm. © dlz
Herbizidbehandlungen im Herbst sind besonders bei frühen Saatterminen vorteilhaft. Der optimale Termin für die chemische Bekämpfung von Trespenarten wie Taube und Roggen-Trespe liegt jedoch im Frühjahr. Bei Windhalm, Ackerfuchsschwanz und Weidelgras kann ebenfalls eine Behandlung im Frühjahr nötig sein. Massiver Besatz von Weidelgras kann bereits im Herbst einen Einsatz erforderlich machen. Damit erübrigt sich allerdings nicht  die Nachbehandlung im Frühjahr. Die ist häufig effektiver und nachhaltiger, was sich in zahlreichen Versuchen bestätigt hat, schreibt das dlz agrarmagazin.

Windhalm: Anwendung bis 2-Koten-Stadium

Die blattaktiven HerbizideAxial 50 und Traxos sind die Mittel der Wahl bei Windhalm. Während Axial 50 in sämtlichen Winterungen angewendet werden kann, hat Traxos aus Verträglichkeitsgründen keine Zulassung für Wintergerste. Hier ist Ralon Super mit 1,0 l/ha eine Option, vom 3-Blatt-Stadium bis zum Bestockungsende. Gelegentlich werden jedoch nach dem Einsatz Blattaufhellungen beobachtet.
 
Treten außer Windhalm dikotyle Unkräuter wie Kamille, Vogelmiere und Ausfallraps auf, sind Atlantis WG, Broadway, Caliban Duo und Ciral geeignete Mittel. Das neu zugelassene Husar Plus enthält neben Iodosulfuron den von Atlantis WG bekannten Wirkstoff Mesosulfuron. Diese Kombination erhöht die Wirksicherheit gegen Gräser. Das Spektrum erstreckt sich neben Windhalm auf Weidelgrasarten, Flughafer, Einjährige und Gemeine Rispe sowie dikotyle Unkräuter. Die Zulassung von Husar Plus liegt für alle Winter- und Sommergetreide mit Ausnahme von Wintergerste vor.
 
Die Aufwandmenge für Winterungen beträgt 0,2 l/ha, bei Sommerungen sind maximal 0,15 l/ha einsetzbar. Die Anwendung muss mit Ausnahme von Sommergerste (bis BBCH 30) spätestens im 2-Knoten-Stadium abgeschlossen sein. Der Zusatz von Mero beträgt für Wintergetreide 1,0 l/ha, bei Sommergetreide 0,75 l/ha. Additive sind hier bei allen Produkten ratsam. Besonders bei stark ausgebildeter Wachsschicht infolge von Trockenheit und großen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht haben sich die Zusatzstoffe bewährt. Sie verbessern und beschleunigen die Aufnahme der blattaktiven Wirkstoffe.

Weidelgräser: Nachbehandlung im Frühjahr

Eine Nachbehandlung im Frühjahr ist bei hohem Besatz ratsam. Die ist häufig effektiver und nachhaltiger, was sich in zahlreichen Versuchen bestätigt hat. Im Frühjahr stehen mit Atlantis WG + FHS oder Atlantis OD, Axial 50, Broadway + Netzmittel, Husar Plus + Mero und Traxos leistungsfähige Gräsermittel zur Verfügung.
 
Alle Produkte sind vorrangig blattaktiv, weshalb die Anwendung auf den Blattapparat erfolgen muss. Mit angepasster Aufwandmenge und im Mix mit Additiven erreichen alle Produkte die erforderlichen Resultate. Das gelegentlich nicht mehr überzeugende Husar OD wurde durch Husar Plus abgelöst. Die Wirkstoffkombination verspricht eine größere Wirksicherheit. Lentipur 700 besitzt keine explizite Zulassung gegen Weidelgras; akzeptable Nebenwirkungen sind aber von CTU bekannt und lassen sich nutzen. Ein weiterer Vorteil liegt in der Einsatzmöglichkeit in Wintergerste.

Trespen im Führjahr bekämpfen

Der optimale Termin für die chemische Bekämpfung von Trespenarten wie Taube und Roggen-Trespe liegt eindeutig im Frühjahr. Die meistverbreitete Art ist die Taube Trespe (Bromus sterilis). Herbstbehandlungen mit Atlantis WG (maximal 0,4 kg/ha) können bei massivem frühzeitigen Auftreten erforderlich sein, garantieren aber keine ausreichende Wirkung. Mindestens 60 Prozent Luftfeuchte und wüchsiges Wetter für 10 bis 14 Tage nach dem Einsatz sind Voraussetzungen für die optimale Wirkung des Sulfonylharnstoffs. 
 
Die Produktpalette für den Frühjahrseinsatz hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. Atlantis WG + FHS, Attribut, Broadway + Netzmittel, Caliban Duo und Monitor stehen gegen Trespen zur Verfügung. Alle Wirkstoffe gehören zur HRAC-Gruppe B und sind somit hochgradig resistenzgefährdet. Die geprüften Herbizide erreichen im günstigsten Fall Wirkungsgrade von 95 Prozent. Beste Ergebnisse ließen sich bei Spritzfolgen zu BBCH 13 bis 29.

Ackerfuchsschwanz: Hohe Aufwandmengen

Beim Ackerfuchsschwanz ist ein zuverlässiger Herbsteinsatz noch wichtiger als beim Windhalm. Die Aufwandmengen sind aber deutlich höher zu wählen. Das macht den Einsatz teuer. Am erfolgreichsten ist eine Spritzung zum Auflauf der Gräser. Die Palette zur Nachbehandlung im Winterweizen ist relativ breit: Atlantis WG + FHS, Axial 50, Broadway + Netzmittel oder Caliban Duo + Additiv (etwa Acxcess). Die Wirkungsgrade geprüfter Herbizide lagen in Versuchen bei 95 Prozent und darüber. Auf Praxisflächen sind vermehrt Minderwirkungen zu beobachten. Die Ursachen sind aber vielfältig und nicht ausschließlich in Resistenzen zu suchen.
 
Traxos hat sich bewährt. Das Mittel mit den Wirkstoffen Pinoxaden (Axial 50) und Clodinafop (Topik 100) wird mit 1,2 l/ha in Weizen, Roggen und Triticale eingesetzt. Die Neuzulassung Sword (Clodinafop) ist mit 0,25 l/ha in allen Wintergetreiden wie Traxos einsetzbar. Beide Produkte sind in Gerste nicht verträglich. Die Wirkung erfolgt ebenso wie bei den oben genannten Herbiziden vorrangig über das Blatt. Sowohl Herbst- als auch Frühjahrsbehandlungen sind vom 3-Blatt-Stadium bis BBCH 31 zugelassen. Ausschließlich noch sensitive Formen des Ackerfuchsschwanzes werden erfasst.

Resistenzbildung

Seit mehreren Jahren nehmen Fälle mit Minderwirkungen durch Resistenzbildung zu. Im Fokus stehen dabei erwartungsgemäß Ungräser:
  • Windhalm: 2013 wurden beim Windhalm an mehreren Standorten Resistenzen gegenüber ALS- (HRAC-Klasse B) und ACCase-Hemmern (A) und ein Fall gegenüber IPU (C) nachgewiesen.
  • Ackerfuchsschwanz: fiel bei Untersuchungen im Nordosten an mehreren Standorten deutlich auf: Auch hier waren ACCase-Hemmer nicht mehr wie gewünscht wirksam.
  • Weidelgras: breitet sich auf den Ackerflächen aus und ist zunehmend bekämpfungswürdig. 2012 ließ sich bei einem Verdachtsfall vollständige Resistenz gegenüber einem Produkt aus der HRAC-Gruppe A nachweisen. Hier lag die Ursache primär in der Missachtung der Grundsätze, die Resistenzbildung verhindern. 2013 wurden keine Verdachtsfälle beobachtet.
  • Kamille: Obwohl bundesweit an diversen Standorten von Minderwirkungen der ALS-Hemmer auf Kamillearten berichtet wird, blieben Tests im Nordosten bislang negativ.
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