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Regenerative Landwirtschaft

Regenerativer Ackerbau: Wann Komposttee und Blattdünger lohnen

Regenerativ-Deilmann-Marc-Speuser-Andreas
am
22.05.2019

Neue Ideen im Ackerbau sind gefragt. Den Pflanzenbau als regeneratives Gesamtkonzept sehen und alle Bestandteile intelligent verzahnen, das wollen immer mehr Berater und Anbauer. Neue Produkte sollen dabei helfen.

Einerseits gibt es einen enormen Wissenszuwachs mitsamt Digitalisierung in den Einzeldisziplinen Landtechnik, Aussaat, Düngung, Pflanzenschutz und Sortenzüchtung.

Andererseits ist der Blick auf das Gesamtsystem zum Teil sehr stark ins Hintertreffen geraten, sagt Dr. Ulrich Koch, Berater beim Landhändler sgl im rheinischen Erftstadt-Gymnich. Der Grund ist oft die fehlende Wirtschaftlichkeit.

In Systemen denken

Auch wegen klimatischer und politischer Rahmenbedingungen rückt bei den Regenerativen das Handeln „in Systemen“ wieder mehr in den Vordergrund. Basis dafür ist die optimale Analyse des Bodens. Wichtig bei der Strategie ist, sich das Verhältnis von Mikro- und Makronährstoffen intensiver anzusehen. Dabei rücken Humusgehalt und Wasserspeichervermögen des Bodens wieder mehr in den Mittelpunkt. 

Nötig seien schlagspezifische und betriebsindividuelle Düngeempfehlungen, sagt Koch. In deren Mittelpunkt müsse nicht nur die optimierte Nährstoffversorgung und die biologische Aktivität im Boden stehen, sondern auch die Pflanzenernährung und die Stärkung der Pflanzen in Stresssituationen.

Vom Komposttee...

Etliche Produkte sollen helfen, das Ziel zu erreichen. Komposttee etwa filtert und vermehrt Kleinstlebewesen aus Kompost. Die Nährsubstanzen sind etwa Rübenmelasse, Zuckerrohr, Gesteinsmehl und Huminstoffe. Zugefügt werden damit „Katalysatoren“, welche die Mikroorganismen fördern und letztlich lenken sollen.

Der Tee wird auf den Boden als auch auf das Blatt ausgebracht. Er wirkt nicht direkt als Dünger, sondern als Katalysator für stärkende Prozesse im Boden und auf dem Blatt. Damit werden lebende Mikroorganismen zugeführt. Das soll den Boden langfristig stabilisieren. Die Pflanzen wachsen besser, sind gesünder und kräftiger.

...über den Blattdünger

Weiter hat der Landhändler sgl, der rund 400 ha im Rheinland und 500 ha in Sachsen-Anhalt bewirtschaftet und ein eigenes Versuchswesen unterhält, etliche Produkte in mehrjährigen Versuchen mit verschiedenen Herstellern geprüft.

Zur Praxisreife gebracht wurde etwa der Blattdünger N-Eco 18, der „Nitrat ohne Ertragsverlust reduzieren“ soll. Die wässrige Stickstofflösung enthält 18 % Carbamid-N und wirkt schnell. Sie bringe „eine vier- bis fünffache N-Effizienz“, sagt Koch. Das entlaste die N-Bilanz.

Neu sind auch Wigor S und Wigor S+B. Die streufähigen Granulate bestehen aus 77 % elementarem Schwefel und zusätzlich 2 % Bor aus Borax-Pentahydrat, der Rest sind Quellmittel. Zur aktuellen Saison gibt es den „komplexierten Spurennährstoffdünger“ natrel top auf Basis Ligninsulfat. Das wasserlösliche Pulver wirkt schnell und nutzt Huminsäure, um Spurenelemente zu mobilisieren, etwa Kupfer (Cu), Eisen (Fe), Mangan (Mn) oder Zink (Zn).

...bis zur Nährstoffbeizung

Weiterer Bestandteil im regenerativen Konzept ist das sgl-Saatgut+ von Getreide. Angebeizt wird der Zusatzstoff Kantor plus Nutri-Phite Magnum S. Das soll den Feinwurzelanteil erhöhen und die Winterhärte verbessern. Der Aufpreis beträgt 5 Euro/100 kg.

Vorteile sollen systemangepasste Saatstärken bringen. Alles zusammen verbessere die Nährstoffaneignung der Pflanzen vor allem in der Jugend. Jährlich bereitet sgl rund 10.000 t Saatgetreide auf, sagt Geschäftsführer Jörg Hartmann. Das wird an rund 600 regionale Anbauer und etliche Händler in Deutschland und BeNeLux vertrieben.

Fluorimetrie-Messungen: Blattanalysen zeigen Nährstoffmängel

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