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Genome Editing Züchtung

Regierungsberater fordern modernes Gentechnikrecht

lpx-Gewächshaus-Keimlinge
am Mittwoch, 05.09.2018 - 12:01 (Jetzt kommentieren)

Der Bioökonomierat empfiehlt, die Vorschriften zum Gentechnikrecht zu lockern. Er spricht sich für neue Züchtungstechniken wie Crispr/Cas aus. Zwischen Punktmutationen und Genübertragungen sei zu unterscheiden.

Der Rat bewertet das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu den neuen Züchtungstechniken von Juli 2018 differenziert. Deutschland und die EU müssten Bioinnovationen mitgestalten. Das Genome-Editing, auch für die Züchtung neuer Nutzpflanzen, sei eine „biologische Revolution“ und biete enorme Chancen.

Der Bioökonomierat besteht aus forschungspolitischen Beratern der Bundesregierung. Sie fordern, das EU-Recht zur Gentechnik zu lockern und gründlich zu überarbeiten. Erlaubt werden solle ein reglementierter Zugang zu den neuen Techniken.

Biologische Revolution

In einer Stellungnahme weist der Rat darauf hin, dass sich die Genome-Editing-Züchtung weltweit rasant entwickelt. Die Experten befürchten, dass Deutschland bei der „biologischen Revolution“ den Anschluss verlieren könnte. 

Deshalb appelliert das Gremium an die Politik, das jetzige EU-Gentechnikrecht zu modernisieren und an den Fortschritt anzupassen. Zwar könne die Lösung nicht in einer kompletten Freigabe der neuen Methoden liegen. Wichtig sei aber eine Regulierung, die zwischen Mutationen und Gentransfers unterscheide. 

Weiter sei es nötig, risikoorientierte Verfahren für die Zulassung und Freisetzung vorzusehen, sagt die Vorsitzende des Rats, Prof. Christine Lang. Das gewährleiste das jetzige EU-Recht nicht.

Prof. Joachim von Braun ist überzeugt, dass Genome-Editing bedeutende Innovationen in der Bioökonomie anstößt. Für ihn steht außer Frage, dass die Techniken zu einer besseren Welternährung, mehr Chancengleichheit sowie mehr Klima- und Naturschutz beitragen.

Gegen Pflicht zur Kennzeichnung

Der Bioökonomierat empfiehlt Gesetze, welche die Risiken besser bewerten. Dazu gehören etwa abgestufte Genehmigungs- und Zulassungsverfahren mit verschiedenen Risikoklassen. Nötig seien auch die amtliche Registrierung. Und ein Monitoring der guten Praxis bei kommerziellem und akademischem Einsatz von Genome-Editing. 

Verpflichtenden Kennzeichnungen der Produkte erteilt der Rat eine Absage. Grund: die globalen Wertschöpfungsketten. Und: Die Veränderungen seien wissenschaftlich-technisch nicht immer nachweisbar. 

Um die Verbraucherinformation und die Transparenz zu fördern, sei die Infrastruktur für freiwillige Zertifizierungen zu stärken, so das Gremium. Auch müsse der internationale Austausch stärker werden. Regelwerke gehörten abgestimmt. Nur das bringe letztlich mehr Transparenz.

Mit Material von AgE
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