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Getreide

Wann rentieren sich Wachstumsregler im Getreide?

Wachstumsreglereinsatz in Wintergerste
am
25.03.2019

Die Getreidearten unterscheiden sich in ihrem Lagerrisiko. Unser Check zeigt, welche Wachstumsregler sich unter welchen Bedingungen eignen.

Unter welchen Bedingungen rentiert sich ein Wachstumsreglereinsatz, und in welcher Intensität? Dr. Friedrich Merz vom Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Stuttgart gibt eine süddeutsche Sicht zum Thema Lagergefahr.

Zum Vergleich finden Sie hier die Empfehlungen für Norddeutschland von Dr. Hans-Joachim Gleser von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein zusammengefasst.

Im Sommergetreide ist oft nur bei sehr hoher Lagerneigung eine Behandlung mit Wachstumsreglern zu empfehlen. Auch im Winterweizen kann darauf verzichtet werden, wenn eine standfeste Sorte gewählt, spät mit geringer Bestandsdichte gesät und nur mineralisch gedüngt wurde.

Passen diese pflanzenbaulichen Faktoren nicht, nimmt das Lagerrisiko zu. Halmverkürzer helfen dann, den Halm zu festigen und die Standfestigkeit zu erhöhen.

Den unteren Halmteil stabilisieren

„Eine gute Standfestigkeit lässt sich vor allem dann erreichen, wenn im unteren Teil des Halms die Abschnitte zwischen den Knoten verkürzt werden“, sagt Berater Dr. Merz. Das gelingt bei einem möglichst frühzeitigen Einsatz am besten.

Ein verspäteter Einsatz verkürzt den oberen Teil des Halmes mit der unerwünschten Folge, dass die Ähren nur wenig über das Fahnenblatt hinausragen. Unter solchen Bedingungen trocknen die Ähren schlechter ab und werden anfälliger für Krankheiten.

Welche Mittel wie stark wirken

Chlormequat-Mittel wie CCC720, Stabilan 720, Manipulator oder Shortcut kürzen im Vergleich zur Kontrolle die Halme am geringsten. Eine Kombination mit Moddus wirkt besser.

Die stärksten Einkürzungen erzielen Medax Top + Turbo und Prodax. In Gerste führt die zusätzliche Anwendung eines Ethephon-Mittels zu einer weiteren Reduzierung der Halmlänge.

Arten- und Sortenunterschiede

In Winterroggen ist meist eine Maßnahme erforderlich. In der Reihe folgen Wintergerste und Triticale. „Hohe Lagergefahr besteht auch in Hafer. Hier können beispielsweise die Chlormequat-Mittel Moddus, Countdown NT, Flexa, Modan 250 EC oder Medax Top sowie Prodax während des Schossens angewendet werden.“

Die meisten Winterweizensorten sind sehr standfest und haben den geringsten Bedarf. In standfesten Sorten wie Barranco, Beryll, Boss, Kamerad, KWS Fontas, Partner, Poniticus oder RGT Reform ist, besonders in trockenen Jahren, kein Einsatz erforderlich. Anwendungen können unter diesen Bedingungen sogar zu Mindererträgen führen.

Mischungen mit Pflanzenschutzmitteln vorher prüfen

Achtung bei Tankmischungen von Wachstumsreglern mit Azol-Fungiziden wie etwa Adexar, Ascra Xpro, Capalo, Ceriax, Eleando, Elatus Era, Epoxion Top, Folicur, Gigant, Input Classic, Matador, Seguris, Opus Top sowie mit Herbiziden, beispielsweise Wuchsstoffen. Beachten Sie die Gebrauchsanleitung!

Azol-Fungizide verstärken die Wirkung der Wachstumsregler. Deshalb kürzen diese Tankmischungen trotz verringerter Aufwandmenge der Wachstumsregler gleich stark ein. Versuche zeigten das sowohl bei Winterweizens als auch bei Wintergerste.

Auch wenn das Getreide nicht ins Lager geht, können Wachstumsregler Mehrerträge bringen. Behandlungen mit hohen Aufwandmengen sind aber oft unrentabel oder bringen nur geringe Mehrerlöse. Das gilt besonders bei standfesten Winterweizensorten.

Mit Material von Dr. Friedrich Merz, RP Stuttgart

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