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HRAC-Codes

Resistenzen vermeiden: Neue Einstufungen für Herbizide

Resistenter Ackerfuchsschwanz in Weizen
am Donnerstag, 01.10.2020 - 15:25 (Jetzt kommentieren)

Gerade haben wir uns an die HRAC-Codes gewöhnt. Jetzt werden sie umbenannt: Aus Buchstaben werden Zahlen. Wir sagen, warum sie trotzdem so wichtig sind. Unten finden Sie Beispiele für die neuen Wirkstoffklassen.

Ungräser reagieren nicht mehr auf Herbizide – eine große Gefahr und in manchen Regionen bereits bittere Realität. Ackerfuchsschwanz breitet sich immer weiter aus.

Waren zunächst nur intensive Weizenregionen auf den küstennahen Marschböden betroffen, findet man Resistenzen längst auch auf Löss- und Tonböden im Binnenland. Haben alle Mittel ihre Wirkung verspielt, bleibt mancherorts nur, den Weizenanbau aufzugeben.

Ein Ackerfuchsschwanz produziert 400 Nachkommen

Resistenzen entstehen immer dann, wenn Wirkstoffe mit ähnlichen Wirkmechanismen über Jahre eingesetzt werden, und manches Mal in zu niedriger Dosis.

Immer mehr Pflanzen überleben und vererben ihre Widerstandsfähigkeit weiter. Man spricht von einem „Shifting“. Der Samenpool wächst rasant: Eine überlebende Ackerfuchsschwanzpflanze kann 400 weitere produzieren.

Resistenz ist nicht gleich Resistenz

Zwei Resistenzarten sind zu unterscheiden:

  • Die metabolische Resistenz führt dazu, dass die verwendeten herbiziden Wirkstoffe im Zielorganismus, also beispielsweise dem Ackerfuchsschwanz, relativ schnell abgebaut werden. Diese Art von Resistenz überwiegt in Deutschland.
  • Daneben gibt es die wirkortspezifische Resistenz („target-site-Resistenz“), die dazu führt, dass mittels Mutation einzelner Pflanzen bestimmte Wirkstoffe unwirksam werden.

Resistenzen ackerbaulich vorbeugen

Um Resistenzen vorzubeugen, gilt es, alle ackerbaulichen Möglichkeiten auszuschöpfen. Dazu gehören

  • das Vermeiden reiner Winterungen-Fruchtfolgen. Sommerungen entzerren das Problem,
  • der Pflugeinsatz und eine sehr flache erste Bearbeitung, um die ausgefallenen Samen zur Keimung anzuregen.
  • eine späte Aussaat, die den Ackerfuchsschwanzbesatz begrenzt,
  • das Fördern konkurrenzstarker Bestände,
  • eine optimale Anwendungstechnik,
  • volle Aufwandmengen, um Wirkungsverluste zu verhindern.

Warum fallen bei Resistenzen ganze Wirkstoffgruppen aus?

Alle Wirkstoffe innerhalb einer Gruppe arbeiten nach einem ähnlichen Prinzip.

Entwickelt eine Pflanze beispielsweise eine Resistenz gegen einen der Wirkstoffe aus der Gruppe der hochgefährdeten ACCase-Hemmer, etwa gegen einen FOP-Wirkstoff, sind auch alle DIMs und DENs wirkungslos.

Gleiches gilt beispielsweise bei einer Resistenz in der Gruppe der ALS-Hemmer, die unter anderem die Sulfonylharnstoffe beinhaltet.

Nur der Wechsel von Wirkstoffgruppen beugt Resistenzen vor

Neben den oben genannten ackerbaulichen Maßnahmen ist also der Wirkstoffgruppenwechseln ganz entscheidend.

Wichtig: Der Wechsel von Wirkstoffen allein beugt der Resistenzbildung nicht vor! Erst wenn zwischen unterschiedlichen Wirkmechanismen gewechselt wird, können vorhandene Wirkstoffe geschont werden.

Um dem Anwender die Mittelauswahl – und vor allem den Wechsel zwischen den Gruppen – leichter zu machen, hat das Herbicide Resistance Action Committee (HRAC), ein Verband von Chemieunternehmen – vor Jahren eine Klassifizierung nach Buchstaben eingeführt, die sogenannten HRAC-Klassen.

Neue Bezeichnungen für die Wirkstoffklassen: Zahlen statt Buchstaben

Viele Bauern haben sich auf die HRAC-Klassen mittlerweile eingestellt: Von A (ACCase-Hemmer) über B (ALS-Hemmer) und C (Photosystem-Hemmer) bis N (Lipidsynthese-Hemmer).

Diese Buchstaben-Klassifizierung gilt nicht mehr, das HRAC hat sich darauf geeinigt, künftig die Zahlenkürzel der Weed Science Society of America (WSSA) zu übernehmen. Die Codes reichen von 0 bis 34. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) als deutsche Zulassungsbehörde unterstützt die neue Nomenklatur.

Die Gebrauchsanweisungen der Herbizide müssen künftig neben der alten Buchstabenkennung auch die Zahlencodes der Wirkstoffklassen enthalten.

Und so heißen die Wirkstoffgruppen jetzt

Hier einige Beispiele:

  • Klasse 1 (neu), bisher HRAC-A: ACCase-Hemmer – z. B. DIMs und FOPs
  • Klasse 2 (neu), bisher HRAC-B: ALS-Hemmer – z. B. Sulfonylharnstoffe, Imidazole, Triazole
  • Klasse 3 (neu), bisher HRAC-K1: Zellwachstumshemmer – z. B. Pendimethalin, Propyzamid
  • Klasse 4 (neu), bisher HRAC-O: Wuchsstoffe – z. B. Fluroxypyr, 2,4-D, Dicamba
  • Klasse 5 (neu), bisher HRAC-C1: Photosystem-II-Hemmer – z. B. Terbuthylazin, Metribuzin, Chloridazon, PMP und DMP.

In einer Online-App des HRAC-Komitees lassen sich die alten und neuen Bezeichnungen der Wirkstoffgruppen miteinander vergleichen.

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