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Getreide

Roggen mit Turboeffekt

von , am
19.04.2013

Berlin - Rund um "Turbohybride" ging es bei einer Veranstaltung der Saaten-Union zur Roggenzüchtung. Auch Struktur und Umsatz des Züchterbundes waren Thema.

Die Roggenanbaufläche wurde in Europa in den letzten Jahren kontinuierlich ausgedehnt. © Mühlhausen/landpixel
Bei einer Presseveranstaltung zum Thema Hybridroggenzüchtung erläuterten Saaten-Union-Mitarbeiter, weshalb die Züchtung der "Turbohybriden" der richtige Weg gewesen sei.
 
Geschäftsführer Wolfgang Glaser beschrieb die Struktur des Züchterverbundes, der mit mittlerweile acht Tochtergesellschaften, vier Vertriebskooperationen und Handelspartnern in mittlerweile allen europäischen Ländern unterwegs ist.
 
Zum Gesamtumsatz des Unternehmens zwischen 170 und 180 Millionen Euro tragen diese Töchter nicht unerheblich bei: Allein die wichtigste Tochter SU France liefert 30 Millionen Euro Umsatz, die nächstgrößeren Gesellschaften in Polen, Tschechien und Ungarn beteiligen sich jeweils mit sieben bis zehn Millionen Euro. Neu in der Saaten-Union-Familie ist ein in Kooperation mit Rapool betriebenes, in diesem Frühjahr gegründetes Tochterunternehmen in Weißrussland.

Roggenmarkt im Überblick

Zur Entwicklung auf dem europäischen Roggenmarkt betonte der Vertriebsleiter Mais und Hybridroggen, Sönke Koop, dass in den letzten Jahren die Roggenanbaufläche in Europa kontinuierlich ausgedehnt wurde, besonders stark in den wichtigen Anbauländern Polen, Deutschland, Spanien und Dänemark.
 
In den weiteren großen Anbauländern Russland, Weißrussland und der Ukraine sei der Roggenanbau stabil. Dort hat die Saaten-Union nun Vertreter der "Turbohybriden"-Familie in der Wertprüfung angemeldet. Die positive Entwicklung, betonte Koop, liege vor allem an der steigenden Wettbewerbsfähigkeit des Roggens gegenüber anderen Getreidearten, die im höheren Ertragsfortschritt und den günstigeren Produktionskosten begründet sei. Daneben sei die hohe Umweltstabilität der Kultur ein großer Vorteil - die gute Winterhärte, Trockentoleranz und Nährstoffeffizienz.
 
Der schnellere Zuchtfortschritt, anders als bei Triticale und Gerste, sei ein Plus bei der Sortenwahl des Landwirts. Inzwischen wachse auch auf leichten Standorten der Hybridanteil, so Koop, vor allem wegen der um 20 Prozent über den Populationssorten liegenden Erträge. Dank der breiten Nutzungsmöglichkeit - für Brot, Futter, Bioenergie (Biogas und Bioethanol) und Stroh - böten sich dem Roggen in den nächsten Jahren erfreuliche Marktperspektiven.

Roggen in Polen

Leszek Golinski, Geschäftsführer des polnischen Tochterunternehmens, erläuterte den Roggenmarkt in seinem Land. Bei einer Fläche von zwei Millionen Hektar mit unter 30 Bodenpunkten sei Roggen schon fast zwangsläufig eine zuverlässige Alternative. 75 Prozent der Marktware werde in über 100 Hektar großen Betrieben produziert. Dort werde Roggen zunehmend intensiv angebaut, immer häufiger kämen Hybridsorten zum Einsatz.
 
Die Absatzpotenziale liegen auch in Polen in der Fütterung von Mastschweinen und Milchkühen, in der menschlichen Ernährung, als GPS-Roggen und als Rohstoff für Bioethanol.

Leistungsvorsprung der Turbohybriden

Sven Böse, Wolfgang Glaser, Leszek Golinski und Sönke Koop erläuterten in Berlin die Marktchancen des Hybridroggens. © Hahn
Der Leiter der Fachberatung Sven Böse beschrieb den Stand und die Perspektiven der Hybridroggenzüchtung aus dem Hause Saaten-Union. Wertprüfungsergebnisse, Landessortenversuche sowie die Praxiserfahrungen des vergangenen Jahres hätten gezeigt, das die Vertreter der "Turbohybriden"-Familie zwischen fünf und zehn Prozent Mehrerträge gegenüber den bisherigen Hybridroggensorten liefern. Besonders deutlich seien die Mehrerträge auf benachteiligten Standorten: Mit 20 Prozent höheren Erträgen und einer messbar besseren Blattgesundheit sei Hybridroggen inzwischen auch auf Grenzertragsstandorten wirtschaftlicher als Populationssorten.
 
Sven Böse begründet diese deutlichen Ertragsvorteile mit einem neuen züchterischen Ansatz. Der Züchter habe gezielt auf volle Einkörnung mit voll besetzten Ähren selektiert. Ein zusätzlicher "Turboeffekt" könnte aus der Einmischung von zehn Prozent Populationsroggen resultieren, vermutet Böse: Fremder Pollen steigert möglicherweise den Heterosiseffekt. Hier seien aber weitere Untersuchungen nötig. Die Neuzulassungen SU Performer, SU Forsetti und SU Mephisto hätten jedenfalls in der Wertprüfung ihre hohe Vitalität und ihre Ertragsüberlegenheit deutlich unter Beweis gestellt.
Mit dem im Vorjahr gestarteten Projekt SU BestSeed möchte die Saaten Union die Turbohybriden in der Praxis begleiten. Im Vorjahr hatten bereits etwa 100 Landwirte auf einer online-Plattform ihre Erfahrungen mit dem Anbau von SU Mephisto miteinander geteilt. Das Projekt soll in diesem Jahr weitergeführt werden, die Zahl der Teilnehmer hat sich bislang knapp verdoppelt. Wissenschaftlich begleitet wird es durch Studenten der Hochschule Anhalt. Die Erfahrungen mit dem praktischen Anbau seien für den Züchter enorm wichtig, betont Böse. Aber auch die Teilnehmer würden profitieren, indem sie ihre Erfahrungen mit anderen Anbauern austauschen könnten.
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