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Getreide

'Rohproteingehalt beim Weizen als Qualitätsmerkmal nicht mehr zeitgemäß'

von , am
17.03.2010

Kiel - "Der Rohproteingehalt ist als alleiniges Qualitätsmerkmal beim Weizen nicht mehr zeitgemäß", meint Dr. Ulfried Obenauf von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein.

© agrarfoto.com

Dr. Ulfried Obenauf von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein spricht sich gegen die Angabe des Rohproteingehaltes als alleiniges Qualitätsmerkmal beim Weizen aus. Stickstoffspätdüngung bringe in Schleswig-Holstein keinen wirklichen Mehrertrag.

"Die Bewertung der Weizenqualität anhand des Rohproteingehaltes halte ich für nicht mehr zeitgemäß", kritisierte Obenauf die aktuelle Praxis. Es sei erforderlich, sich hinsichtlich der Stickstoffdüngung und des geforderten Rohproteingehaltes neue Wege auszudenken. Verarbeitungsqualitäten beim Weizen müßten anders definiert werden.

Stickstoffbilanzen: Zusätzliche Parameter entscheidend

Dies sei insbesondere angesichts der angestrebten Senkung der Stickstoffüberhänge von Bedeutung. "Das Problem für die Bewertung der Weizenpartien ist, dass man anhand des Rohproteingehaltes schnell und unkompliziert eine vermeintliche Qualität des Weizens ableiten kann", erklärte Obenauf. Wenn man aber Stickstoffbilanzen einhalten wolle, müsse man auch andere Parameter miteinbeziehen. Fraglich sei, ob man den für die Vermarktung geforderten Rohproteingehalt wirklich für die Verarbeitung brauche.

Einmaldüngung und geteilte Stickstoffgabe erfolgreich

"Die richtige Stickstoffanpassung zu finden, ist jedes Jahr wieder ein schwieriges Problem", erläuterte Obenauf mit Blick auf seine neuesten Forschungsergebnisse. So seien sowohl Einmaldüngung zu Vegetationsbeginn ohne weitere Stickstoffsteuerung in der Vegetationsperiode, als auch die geteilte Stickstoffgabe erfolgreich gewesen. "Wichtig war unter den Bedingungen Schleswig-Holsteins bei hohen Erträgen bis 130 Dezitonnen pro Hektar, dass zusätzliche Stickstoffspätdüngung auf den Lehmstandorten keinen Mehrertrag und nur einen marginalen Zugewinn an Rohprotein gebracht haben", berichtete Obenauf.

Entwicklung eines Indikators für Backqualität forcieren

Damit werde sowohl die Stickstoffbilanz, als auch der Geldbeutel des Landwirtes unnötig belastet. Hohe N-Salden und unzureichende N-Effizienz seien neben der Intensität der Nutzung auf ein unzulängliches N-Management der Betriebe zurückzuführen. Weitere pflanzenbauliche Maßnahmen zur Verbesserung der N-Effizienz sind beispielsweise der Anbau von N-effizienten Sorten, der Anbau von Qualitätsweizensorten mit hoher Backqualität auch bei geringerem Rohproteingehalt und die exakte Bestandesführung. Die Entwicklung eines Indikators für Backqualität alternativ zum Rohproteingehalt ist zu forcieren, fordert Obenauf. (pd)

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