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Getreide

Muss Russland bald Weizen importieren?

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von , am
22.11.2012

Moskau - Russlands Weizenexporte sinken immer stärker. Gleichzeitig klettern die Preise am russischen Binnenmarkt sowohl im freien Handel als auch beim Interventionsverkauf weiter nach oben.

© Mühlhausen/landpixel
Nun hat die russische Vereinigung der Mühlenindustrie auf der Grundlage der aktuellen Export-, Bestands- und Verbrauchsdaten sogar ein Defizit in der Versorgungsbilanz für die letzten Monate des Jahres errechnet.
 
Das würde bedeuten, dass Russland am Ende des Wirtschaftsjahres sogar Weizen importieren müsste, um seinen Bedarf zu decken.

Exporte stark rückläufig

Von 1. Juli bis1 November exportierte Russland 10,3 Millionen Tonnen (Mio. t) Getreide. Davon waren etwa 8,2 Mio. t Weizen und damit fast so viel wie das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) und auch das russische Landwirtschaftsministerium (neun Millionen Tonnen) eigentlich für das gesamte Wirtschaftsjahr erwartet haben. Das Exporttempo hat sich wegen des immer knapper werdenden Angebotes jedoch deutlich verlangsamt.
 
Lag die Ausfuhrmenge im Oktober noch bei 2,2 Mio. t, rechnet die russische Getreideunion für den November nur noch mit Exporten von 1,5 Mio. t und im Dezember allenfalls noch mit einer Million Tonnen. Für den Zeitraum Januar bis Februar gehen die Experten der Getreideunion noch von 0,5 bis 0,6 Mio. t Exportvolumen aus.
 
Dabei geht die Ausfuhr von Weizen ganz besonders deutlich zurück, während der Export von Mais zunimmt.

Weizenpreise steigen und steigen

Die russische Weizenernte war mit rund 38 Mio. t ein Drittel kleiner als im letzten Jahr und sogar 2,5 Mio. t kleiner als im Dürrejahr 2010. Aufgrund der schwachen Versorgung und der steigenden Preise hat das russische Landwirtschaftsministerium bereits mit dem Verkauf von Interventionsgetreide begonnen und auch hier steigen die Preise von Woche zu Woche.
 
Während Interventionsgetreide der Qualität drei am 13. November noch 7.951 Rubel/t (254 USD) kostete, waren es eine Woche später bereist 8.036 Euro/t (256 USD). Der vergleichbare Preis im freien Handel lag Anfang dieser Woche bei 10.250 Rubel/ t (327 USD/t) und damit 2,5 % höher als ein Woche zuvor. Futterweizen kostet 9750 Rubel (311 USD) und damit 2,1 % mehr.

Mühlenwirtschaft errechnet Bilanzlücke

Die Lagerbestände an Getreide wurden vom russischen Statistikamt für den ersten November mit 32,9 Mio. t angegeben und damit rund 29 % kleiner als im letzten Jahr und acht Prozent unter dem Bestand vom letzten Monat (35,8 Mio. t). Auf der Grundlage der stark abgebauten Bestände und der kleinen Ernte sowie der bislang erfolgten Exporte errechnet der Verband der russischen Mühlenindustrie für die letzten Monate des Wirtschaftsjahres ein Bilanzdefizit am Getreidemarkt und forderte das Landwirtschaftsministerium auf, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
 
Danach ergeben sich nach Abzug der Exporte, der Verluste und des Saatgutverbrauchs eine monatlich zur Verfügung stehende Getreidemenge von etwa 3,5 Mio. t. Der monatliche Bedarf liegt nach den Berechnungen der Mühlenwirtschaft jedoch bei 4,5 bis 4,8 Mio. t.

Angebot deckt nicht den Bedarf

Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass © dlv
Der für den November genannte Getreidebestand von 32,9 Mio. t würde für die nächsten acht Monate einen Verbrauch von 4,1 Mio. t/Monat erlauben. Auch dies ergibt immer noch eine Deckungslücke an dem vom russischen Mühlenverband errechneten Bedarf (4,5 Mio. t) von etwa zehn Prozent. Pro Monat (36 Mio. t) bliebe bei dieser Rechnung fast ein Monat ohne ausreichende Versorgung und die Russen müssten zum Ende des Wirtschaftsjahres noch Weizen importieren.
 
Nach den Schätzungen des USDA liegt der russische Weizenverbrauch bei etwa 35 Mio. t in diesem Jahr (davon 30 % Futter), der Verbrauch von Gerste liegt bei 13 Mio. t, der Verbrauch von Mais bei sechs Millionen Tonnen und der Verbrauch von Roggen bei 2,5 Mio. t pro Jahr. Insgesamt ergib dies je Monat einen Getreideverbrauch von 4,7 Mio. t.
 
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