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Getreide

Russland: Exportstopp im Herbst?

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von , am
24.09.2012

Auf Hochtouren läuft die Ausfuhr an den russischen Exporthäfen. Die russische Regierung beobachtet die Entwicklung an den Märkten und hält ein Exportstopp nun nicht mehr für ausgeschlossen.

© Maren Beßler/pixelio.de
Die Weizenpreise am russischen Binnenmarkt und an den Exporthäfen steigen immer schneller. Demgegenüber schrumpft die erwartete Produktionsmenge immer weiter zusammen, während die Ausfuhr an den russischen Exporthäfen auf Hochtouren läuft. Vor diesem Hintergrund hat der russische Wirtschaftsminister Andrei Belousov, am Freitag die Einführung eines Exportstopps nicht mehr ausgeschlossen.
 
 
Mitte der Woche hatte Russland bei einer Exportauktion des Iraks den Zuschlag über die Lieferung von 150.000 Tonnen Weizen erhalten und trotz der weiter gestiegenen Preise alle anderen Wettbewerber ausgestochen.

Wirtschaftsminister: Exportstopp möglich

Der russische Wirtschaftsminister Andrei Belousov hat angesichts der am russischen Binnenmarkt weiter steigenden Weizenpreise die Möglichkeit eines Exportverbotes für den Herbst nicht mehr ausgeschlossen. Nach Belousovs Einschätzung ist die Dynamik der russischen Inlandspreise der entscheidende Faktor für eine Begrenzung der Exporte. Die russische Regierung beobachtet die Entwicklung an den Märkten sehr intensiv.
 
Mitte der Woche hatte das russische Landwirtschaftsministerium die erwartete Gesamternte auf 72 bis 73 Millionen Tonnen (Mio. t) reduziert (Vorjahr 94,2 Mio. t), nachdem man zuvor noch von 73 bis 75 Mio. t ausgegangen war. Die Schätzungen für die russische Weizenernte liegen mittlerweile überwiegend unter 40 Mio. t und damit niedriger als im Dürrejahr 2010. Da waren es 41,5 Mio. t.

Lagerbestände um ein Fünftel kleiner

Die Gesamtexportmenge wird nach Einschätzung des Landwirtschaftsministeriums nur noch auf zehn bis 12 Mio. t veranschlagt, nach 10 bis 14 Mio. t bei der letzten Schätzung. Davon könnten sechs bis acht Millionen Tonnen Weizen sein (Vorjahr 22 Mio. t). Dieser Export ist jedoch nur auf Basis der noch vorhandenen Lagerbestände möglich, auch wenn diese bereits deutlich abgeschmolzen sind. Mitte der Woche meldete das russische Statistikamt einen Rückgang der Getreidebestände von insgesamt um 21 Prozent auf 34,6 Mio. t gegenüber dem Vorjahr. Davon lagern in den Landwirtschaftsbetrieben noch 21,1 Mio.t und damit 22 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Russland noch immer Preisführer

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Noch ist das Tempo der Ausfuhren jedoch sehr hoch, auch wenn die Exportpreise immer weiter steigen und bei der jüngsten Export-Auktion höher waren als eine Woche zuvor. So hat der Irak diese Woche 150.000 t Weizen aus Russland zu Preisen von 412 US-Dollar pro Tonne (USD/t) und 413,89 USD/t (cif) gekauft.
Berücksichtigt man die Transportkosten, ergeben sich fob-Preise von etwa 377 USD/t. Das wären fast 30 USD/t höhere russische Preise als bei der letzten Weizenauktion des weltweit größten Importeurs Ägypten. Gleichwohl waren die Preisforderungen der übrigen Anbieter, wie Australien (387 USD), Canada (385 USD) und den USA (400 USD) noch höher, so dass diese bei der irakischen Auktion leer ausgingen.

Export läuft auf Hochtouren

Wie lange das russische Exporttempo angesichts des schrumpfenden Angebots und der steigenden Preise noch anhält bleibt erst einmal offen. Die russischen Analysten von SovEcon rechnen jedenfalls mit einem sehr deutlichen Rückgang der Ausfuhren spätestens im Oktober. Für September schätzt SovEcon die Ausfuhren immerhin auf drei und 3,1 Mio. t, womit auch die vorhandenen Kapazitäten an den Häfen ziemlich ausglastet sein dürften. Analysten sehen mittlerweile sogar erhebliche logistische Schwierigkeiten, die umfangreichen Lieferungen nach Ägypten und in den Irak nahezu zeitgleich abzuwickeln.
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