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Getreide

Russland: Kaum noch Weizen für den Export

© landpixel
von , am
21.08.2012

Berlin - Russlands Weizenernte schrumpft immer weiter zusammen. Mittlerweile rechnen immer mehr Analysten mit einer schlechteren Ernte als im Dürrejahr 2010.

Der Internationale Getreiderat setzte sowohl die globale Weizenernte als auch die weltweiten Weizenbeständen auf neue Rekordwerte nach oben. © Mühlhausen/landpixel
Das russische Analystenhaus SovEcon hat seine Prognose zur russischen Weizenernte von 40,5 Millionen Tonnen (Mio. t) bis 42,5 Mio. t auf nur noch 39 Mio. t bis 41 Mio. t reduziert. Damit würde die Produktion kleiner ausfallen als im Dürrejahr 2010. Damals hatten die Russen 41,5 Mio. t Weizen geerntet und ein Exportstopp verhängt.
 
 
 
 
Das Ergebnis war ein überaus kräftiger Anstieg der Weltmarkpreise und eine deutliche Verschiebung der Handelsströme. Die jetzt von SovEcon erwartete Ernte wäre sogar die kleinste Weizenernte seit neun Jahren. Damals hatten die Russen mit 34,1 Mio. t noch weniger Weizen von den Feldern geholt. Das am Schwarzen Meer aktive europäische Analystenhaus Agritel senkte die Ernteprognose für Russland auf 41,3 Mio. t und damit ebenfalls auf das Niveau des Dürrejahres 20120.

Exportregulierung wahrscheinlich

Unklar ist noch welche Auswirkung der Produktionseinbruch auf die Exporte und damit auch auf die Weltmarktpreise hat. Mittlerweile geht jedoch eine Mehrzahl der Analysten von einer staatlichen Regulierung der Ausfuhren über Zölle und /oder Kontingente spätestens im September aus. Manche Beobachter halten im Herbst auch einen völligen Ausfuhrstopp für möglich.
Bislang lassen offizielle russische Stellen jedoch nicht die Absicht von Markteingriffen erkennen. Infolge der umfangreichen Ausfuhren in den beiden ersten Monaten des neuen Wirtschaftsjahres sind allerdings die vorhandenen Lagerbestände deutlich geschrumpft. Russische Analysten berichten über einen Rückgang der Weizenbestände in den Landwirtschaftsbetrieben auf den niedrigsten Stand seit 2006.

Starker Start der Weizenexporte

Ursache für den Bestandsabbau sind die von den hohen Weltmarktpreisen ausgehenden sehr zügigen Exporte nach dem Erntebeginn. Zwischen zwei Mio. t und 2,5 Mio. t Getreide dürften die Russen im Juli und im August ins Ausland verkauft haben. Angesicht der schlechten Ernte und der schrumpfenden Bestände nimmt damit jedoch die Wahrscheinlichkeit von Markteingriffen durch staatliche Stellen zu.
Die europäischen Analysten von Strategie Grains haben ihre Exportprognose für Russland jetzt auf nur noch sechs Mio. t nach unten gesetzt. Im letzten Jahr hatte Russland fast 22 Mio. t Weizen exportiert.

USDA kürzt Ausfuhren um ein Drittel

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Wenige Tage zuvor hatten die Beobachter des USDA den erwarteten russischen Weizenexport von zunächst zwölf Mio. t um ein Drittel auf nur noch acht Mio. t nach unten korrigiert. Hintergrund war eine Produktionskorrektur von 49 auf 43 Mio. t und damit eine deutliche Reduzierung des Exportpotentials.
 
Der russische Inlandsbedarf bewegt sich etwa zwischen 37 und 38 Mio. t. Allerdings gehen die Experten des USDA möglicherweise von zu hohen Lagerbeständen sowohl in den Betrieben als bei den Verarbeiten und Exporteuren aus - wenn man die aktuelle Meldungen aus Russland berücksichtig.
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