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Getreide

Russland: Trockenheit reduziert Exportpotenzial

© Günter Havlena
von , am
21.05.2012

Hitze und Trockenheit in Südrussland verändern die Situation am internationalen Weizenmarkt. Meldungen über Trockenschäden haben den Weizenpreisen bereits einen kräftigen Schub gegeben.

© Verena N./pixelio
Am europäischen Terminmarkt legten die Preise für die neue Ernte in wenigen Tagen um mehr als zehn Euro zu. Sollten sich die Beobachtungen russischer und ausländischer Analysten bestätigen, könnten die Ausfuhren des weltweit drittgrößten Weizenexporteurs deutlich einbrechen.
 
Bei den letzten Prognosen des USDA und anderer Analysten sind die Auswirkungen der sich abzeichnenden Trockenheit allerdings noch nicht berücksichtigt.

Wüstenwind trocknet Boden aus

Nachdem der Weizen in Russland zunächst deutlich besser über den Winter gekommen war als in der Ukraine, haben sich die Ertragsaussichten in den für den Export wichtigen südrussischen Anbaugebieten spürbar verschlechtert. Ursache ist der anhaltende Niederschlagsmangel in Verbindung mit einem aus den heißen asiatischen Wüstenregionen wehenden Wind (Sukhovey Wind). Dieser trocknet den Boden schnell aus und hat auch bei der Dürre 2010 in Verbindung mit den Steppenbränden zu den größten Schäden und Produktionseinbußen geführt.
 
Bislang sind ganz besonders die Regionen Rostov, Stavropol und Wolgograd betroffen. Russische Analysten halten die bereits vorhandenen Schäden regional für so groß, das auch Niederschläge dort nicht mehr zu einer deutlichen Verbesserung der Ertragspotentials führen würden.
 
Diese Woche berichtete der Landwirtschaftsmister der Region Stavropol, Marchenko, dass die Temperaturen rund 28 Prozent (%) über dem Mittel der letzten Jahre liegen.

Schwarzmeerländer exportieren weniger

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Russlands Weizenexport wird im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr 2011/12 eine Größenordnung von etwa 21 Millionen Tonnen (Mio. t) erreichen. Hierfür waren nicht nur die gute Ernte (56 Mio. t) sondern auch die großen Bestände verantwortlich. Größere Mengen haben 2011 nur die USA (27,5) und Australien (21,5) exportiert. Für 2012 lag die USDA-Schätzung für den russischen Export zuletzt bei 18 Mio. t und damit etwa 15 % unter dem Ausfuhrrekord dieses Jahres.
 
Eine trockenheitsbedingte Missernte wie 2010 hätte jedoch hohe Produktionseinbußen und ein weiteres Schrumpfen des Exportpotentials zur Folge. Die Auswirkungen auf den Weltmarkt wären sicherlich erheblich, da bereits die Ukraine (Auswinterung) und Kasachstan (Trockenheit) deutlich weniger Weizen ernten und exportieren können als 2011. In der Ukraine rechnet man für 2012 mit einem Rückgang der Produktion von 22 Mio. t auf 13 Mio. t und für Kasachstan von 23 auf 15 Millionen Tonnen. Beide Länder sind zudem von der Trockenheit mitbetroffen, auch wenn es in der Ukraine in den östlichen Trockengebieten zuletzt etwas Niederschlag gegeben hat.
 
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