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Getreide

Russland kann weniger Getreide ausführen

von , am
22.03.2012

Moskau - Russische Exporteure konnten in den letzten Wochen immer weniger Getreide am Weltmarkt absetzen: Zum einen waren die Häfen gefroren, zum anderen die Preise am Binnenmarkt kräftig gestiegen.

Die jüngsten Einfuhrbeschränkungen Russlands reihen sich in eine Kette diverser Agrarhandelsmaßnahmen Moskaus ein, die unter anderem auch Deutschland betreffen © Mühlhausen/landpixel
So war Russland in den letzten Auktionen des weltweit größten Weizenimporteures Ägypten mehrfach der teuerste Anbieter oder hat wie bei den letzten Ausschreibungen gar nicht mehr mitgeboten.
 
Im ersten Halbjahr hatten die Russen den internationalen Exportmarkt noch dominiert und beinahe jede Ausschreibung gewonnen.

Ausfuhren schrumpfen weiter

In den ersten zehn Tagen des Monat März schrumpften die russischen Getreideausfuhren auf nur 400.000 Tonnen. Das ist der niedrigste Stand in diesem Wirtschaftsjahr. Eine Ursache für die nachlassende Ausfuhrdynamik ist, dass das Ausfuhrpotential der wichtigsten Produktionsstandorte in der Nähe der Exporthäfen weitgehend erschöpft ist. Währenddessen ist die Entfernung zu den vollen Lägern im Ural und in Sibirien zu groß und führt zu immensen Kostensteigerungen und zu einer weiteren Verschlechterung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.
 
Das russische Transportunternehmen Rusagrotrans hat die erwartete Gesamtausfuhr an Getreide für das laufende Wirtschaftsjahr auf 25,5 bis 26 Millionen Tonnen (Mio. t) veranschlaget. Nach den Daten von Rusagrotrans erreichten die Ausfuhren für den Zeitraum Juli bis Februar 20,6 Mio. t. Im Februar war die Exportmenge auf 1,1 Mio. t geschrumpft, nach 1,3 Mio. t im Januar. Für den Zeitraum März bis April 2012 hält man eine Ausfuhrmenge von jeweils 1,5 bis 1,7 Mio. t für möglich. 

Russischer Weizen zu teuer

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Russischer Brotweizen kostete Mitte März an den Exporthäfen am Schwarzen Meer etwa 275 US-Dollar je Tonne (fob) und damit mehr als vergleichbarer US-Weizen (260 USD/t) und etwas weniger als Ware aus Frankreich (289 USD/t).
 
Die Preise am russischen Binnenmarkt haben nach dem Anstieg der letzten Woche Ende März erstmals seit langem wieder etwas nachebenen. Der durchschnittliche Inlandspreis für Brotweizen bewegt sich jedoch bei 229 US-Dollar je Tonne (172 Euro).
 
Die russische Regierung hat diese Woche noch einmal bekräftigt, dass es keine Pläne gibt, den Export administrativ zu beschränken. Die vorhanden Lagerbestande und die verfügbare Interventionsware reichen nach Aussagen von Minister Viktor Zubkov problemlos zur Deckung der Binnennachfrage. Die Lagerbestände an Getreide erreichten nach den Daten des russischen Statistikamtes Anfang Februar 32,3 Millionen Tonnen, davon waren 19,45 Mio. t Weizen. Zunächst waren Exportbeschränkungen bei einer Ausfuhrmenge von 24 bis 25 Mio. t im Gespräch. Zubkov sagte diese Woche, dass die Ausfuhren bis Mitte März 22 Millionen Tonnen erreicht hätten und hielt bis zum Ende des Jahres Getreide-Exporte von 27 Millionen Tonnen für möglich.
 
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