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Getreide

Sachsen: Landwirte erwarten durchschnittliche Ernte

© Sven Brentrup/aboutpixel
von , am
04.07.2013

Torgau/Beckwitz - In Sachsen wurde gestern die Ernte 2013 offiziell eröffnet. Die Landwirte erwarten nach dem Hochwasser im Juni eine durchschnittliche Ernte.

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Wolfgang Vogel, Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes e. V. (SLB) und Frank Kupfer, Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) haben heute in Ostsachsen die Ernte 2013 mit der Wintergerste symbolisch eröffnet. Von dort setzt sich die Ernte dann in den nächsten Wochen sukzessive fort. Der Ernteauftakt findet in diesem Jahr unter dem Eindruck der Starkniederschläge und des Hochwassers im Juni statt. Nach einer optimalen Herbstbestellung 2012 und dem anschließenden langen, schneereichen und sonnenscheinarmen Winter, bestand Anfang März bei Sachsens Landwirten die Hoffnung, mit der Frühjahrsbestellung rechtzeitig beginnen zu können. Ein erneuter Wintereinbruch Mitte März machte diese Hoffnung zunichte.
"Die verzögerte Vegetationsentwicklung aufgrund eines erneuten Kälteeinbruchs bis Mitte April, konnte durch die warmen Tage Ende April/Anfang Mai ausgeglichen werden", so Bauernpräsident Wolfgang Vogel. Mit dem Einsetzen des Dauerregens Ende Mai/Anfang Juni, der darauffolgenden Hochwasserkatastrophe an zahlreichen Flüssen Sachsens sowie zahlreichen Unwettern wurden aber alle Hoffnungen auf eine gute Ernte 2013 in den betroffenen Regionen zerstört. Vogel zeigte sich jedoch beeindruckt von der großen Welle der Hilfsbereitschaft: "Ich danke allen fleißigen Mitarbeitern in unseren Unternehmen für die Solidarität zwischen den Berufskollegen, den zahlreichen bekannten und unbekannten Helfern, dem THW und der Bundeswehr sowie dem Freistaat Sachsen und dem Bund für die ersten finanziellen Unterstützungen. Ohne sie wäre die Flut nicht zu bewältigen gewesen."

Starkniederschläge und Hochwasser im Juni

Die Starkniederschläge Anfang Juni mit mehr als 200 Millimeter in 48 Stunden haben in Verbindung mit hohen Bodenfeuchten zu Hochwässern an zahlreichen sächsischen Flüssen geführt. Zunächst verzeichneten die Weiße Elster und die Pleise Hochwasser, mit Voranschreiten der Niederschläge in Richtung Osten wurden dann auch die weiteren kleineren und größeren Flüsse des Erzgebirges vom Hochwasser ergriffen. Hinzu kam eine Hochwasserwelle aus Tschechien, die die Pegelstände der Elbe in die Höhe trieb. Präsident Vogel setzte sich in diesem Zusammenhang für eine angemessene und rechtlich abgesicherte Entschädigung als Ausgleich für Wertminderung, Bewirtschaftungsauflagen und Ertragsverluste auf Überflutungs- bzw. Polderflächen ein. Er sagte: "Wir Landwirte praktizierten schon in der Vergangenheit aktiven Hochwasserschutz und werden dies auch in Zukunft tun. Hochwasserschutz gibt es aber nicht zum Nulltarif. Der Bauernverband bejaht verbessernde Hochwasserschutzmaßnahmen ausdrücklich und ist an einem fairen und sachlichen Diskussions- und Planungsprozess interessiert. Einen einseitigen Angriff auf bäuerliches Eigentum werden wir nicht dulden. Für die Ausweisung von Polderflächen müssen klare gesetzliche Regelungen geschaffen werden, die uns auch nach einer Flutung nicht verloren dastehen lassen."

Hochwasser hinterlässt erheblich Schäden

Insgesamt sind im Freistaat Sachsen circa 70.000 Hektar (ha) landwirtschaftliche Nutzfläche durch Überschwemmung geschädigt worden. Davon waren 45.000 ha Ackerland und 25.000 ha Grünland. Beim Ackerland verzeichnen Sachsens Landwirte 54 Millionen Euro (Mio. €) Schaden (45.000 ha x 1.200 Euro pro Hektar (€/ha), beim Grünland 19 Mio. € Schaden (25.000 x 750 €/ha). Auch an Gebäuden, Stallanlagen und sonstigen baulichen Anlagen sind Schäden in Höhe von 15 Mio. € zu verzeichnen. Präsident Vogel erklärte, der Schadensumfang sei im Vergleich zum Jahr 2002 deshalb so hoch, "weil ein wachsender Feldkulturbestand vom Hochwasser geschädigt worden ist. Haben Feldkulturen mehr als fünf Tage unter Wasser gestanden, ist davon auszugehen, dass der Bestand vom Absterben bedroht ist und ertragsmäßig nicht mehr wirksam wird." Schwer abschätzbar ist laut Vogel zum jetzigen Zeitpunkt die Maisernte. Dessen Schädigung werde aufgrund der verzögerten Bestandsentwicklung erst in einigen Wochen sichtbar. Hinzu kommen Engpässe bei der Futterversorgung der Tiere. Ursache hierfür ist die fehlende Schnittnutzung beim Grünland.
Vogel: "Der SLB hat deshalb auf seiner Homepage eine Futtermittelbörse gestartet, in die Landwirte ihre Angebote schnell und unbürokratisch einstellen können. Landwirte, die vom Hochwasser geschädigt worden sind und Futterengpässe erwarten, können diese Angebote nutzen und mit den Anbietern direkt in Kontakt treten." Bei den Ackerkulturen sind alle Kulturen (Getreide, Raps, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Vermehrung, Feldgemüse) gleichermaßen betroffen. Entscheidend war, welche Kultur auf der überschwemmten Fläche gestanden hat. Tierverluste gab es nur sehr wenige, da meist rechtzeitig, aber unter hohem Aufwand, Evakuierungen vorgenommen worden sind. Durch die Unwetter, die nach dem Hochwasser dann noch am 09. Juni 2013 im Osterzgebirge und im Raum Bautzen aufgetreten sind, sind gerade in diesen bisher relativ gering betroffenen Gebieten weitere Schäden, insbesondere durch Hagel und Starkniederschläge eingetreten.

Anbauumfang der Kulturen

Die sächsischen Landwirte bearbeiten in diesem Wirtschaftsjahr rund 719.070 Hektar (ha) Ackerland. Davon entfallen ca. 400.516 ha auf den Getreideanbau, 8.288 ha auf Hülsenfrüchte, 21.282 ha auf Hackfrüchte sowie 138.203 ha auf Winterraps, Rüben und Gräservermehrung. Die Anbaufläche für Wintergetreide nahm deutlich zu (42.750 ha), bei Winterraps wurde ebenfalls mehr als im Vorjahr 2012 bestellt (1.950 ha). Die Anbaufläche für Sommergetreide wurde beträchtlich eingeschränkt (- 29.440 ha). Vor allem Sommergerste wurde weniger angebaut. Der Anbau von Mais ging zurück (-10.170 ha), Kartoffeln wurden im Anbauumfang geringfügig verringert, Zuckerrüben deutlich verringert (-2.650 ha).

Vegetationsreport: Bericht aus dem Hochwassergebiet

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